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Full text of "Geologischer Wegweiser durch das Dresdner Elbthalgebiet zwischen Meissen und ..."

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Geologischer Wegweiser 



durch das 



Dresdner Eibthalgebiet 



zwischen 



Meissen und Tetschen 



von 



A 



4 \," 

Dr. Rl Beck 

Professor an der Bergakademie zu Freiberg 



Mit einer Karte 



Berlin 

Verlag von Gebrüder Borntraeger 

*1897 



i Vorwort 
















M 




er Gedanke, den vorliegenden Wegweiser 
zu schreiben, entstand bei dem Verfasser 
während zahlreicher Exemtionen, auf denen 
er auswärtige Fachgenossen, sowie auch Studirende 
durch das zum grössten Theil früher von ihm selbst 
geologisch kartirte Gebiet zu führen die Freude hatte. 
Er wollte auch weiteren Kreisen in dieser Weise 
dienstbar sein. Dresden birgt ja unter seinen Be- 
wohnern eine so grosse Anzahl wanderlustiger Freunde 
der Geologie, und seine anmuthige Umgebung wird 
so häufig auch von auswärtigen Vertretern und Jüngern 
unserer Wissenschaft bereist, dass Yielen unter diesen 
Allen Aufzeichnungen solcher Art willkommen sein 
dürften. Unter den schon vorhandenen Führern ähn- 
licher Eichtung schwebte als besonders nachahmens- 
x. werthes Yorbild der von Yielen gewiss dankbar 
benutzte Credner'sche Führer durch das sächsische 
Granulitgebirge vor. 
*, Folgende Sectionen (1 : 25 000) der von der Kgl. 

sächsischen, unter der Leitung von H. Credner stehen- 



172472 



iv • Vorwort. 



den geologischen Landesuntersuchung veröffentlichten 
geologischen Spezialkarte von Sachsen bilden die 
Grundlage unser heutigen geologischen Kenntniss des 
Gebietes : 

Meissen (48) von A. Sauer. 

Kötzschenbroda (49) von Th. Siegert. 

Moritzburg -Klotzsche (50) von J. Hazard. 

Wilsdruff-Potschappel (65) von E. Dalmer und 
R. Beck. 

Dresden (66) von R. Beck und J. Hazard. 

PiUnitz (67) von G. Klemm. 

Tharandt (81) von A. Sauer und R. Beck. 

Kreischa-Hänichen (82) von R. Beck. 

Pirna (83) von R. Beck. 

Sebnitz-Kirnitzschthal (85) von R. Beck. 

Berggiesshübel (102) von R. Beck. 

Rosenthal-Hoher Schneeberg (103) v. F. Schalen. 

Grosser Winterberg -Tetschen (104) von R.Beck 
und E. Hibsch. 

Die beistehende Skizze giebt eine Uebersicht 
über die geographische Lage dieser Sectionen. 

Niemand wird auch das ältere grundlegende 
Werk von H. B. Geinitz, Das Elbthalgebirge in Sachsen, 
Band I — II. Cassel 1871 — 75, Palaeontographica, 
unbenutzt lassen, zumal wenn er die von den Ex- 
emtionen heimgebrachte palaeontologische Ausbeute 
bestimmen will. 



Vorwort. V 

Die Angaben zu den einzelnen Touren sind thun- 
liehst so abgcfasst, dass sie im Nothfall auch ohne 
geologische Karte nur mit Benutzung einer guten 
topographi sehen Spezialkarte, wie etwa der Karte des 
Deutschen Reiches (1:100000) ausführbar sind. Eine 



später von Seiten der Kgl. geologischen Landesunter- 
suchung zu erwartende Uobersichtskarte, die im Maass- 
stabe 1:250000 demnächst erscheinen soll, würde 
ebenfalls gute Dienste thun. Am vortheilhaftesten 
aber natürlich wird man die Ausflüge mit *den oben 
genannten Sectionsblättcrn in der Hand zur Ausfüh- 
rung bringen und nach vorhergehendem Studium der 
zugehörigen Erläuterungen. 



vi Vorwort. 

Das am Schlüsse beigefügte Blatt soll selbstver- 
ständlich nicht als eigentliche Wegkarte, sondern nur 
zur allgemeinen Orientirung über den Verlauf der 
einzelnen Touren dienen. 

Zwar hatte der Verfasser seine Manuscripte zu 
dem Wegweiser bereits vor mehreren Jahren in der 
Hauptsache abgeschlossen, aber noch kurz vor dem 
erst jetzt erfolgten Erscheinen seines Werkchens, in 
den Sommern 1895 und 1 89G, hat er nicht unterlassen, 
fast alle Touren noch einmal zu wiederholen und da- 
nach seine Ausführungen zu berichtigen. 

Für die Sectionen Meissen, Kötzschenbroda und 
Moritzburg -Klotzsche standen ihm freundliche Vor- 
schläge besonders lehrreicher Routen von Seiten der 
Herren Geheimen Bergrath Prof. Dr. Credner, Prof. 
Siegert und Landesagronom Hazard zur Verfügung, 
denen hiermit der wärmste Dank ausgesprochen wird. 

Für spätere unvermeidliche Berichtigungen würde 
der Verfasser den freundlichen Einsendern stets zu 
grossem Danke verpflichtet sein, und würden solche 
Zuschriften zugleich den Revisionsarbeiten der Kgl. 
geologischen Landesuntersuchung zu Gute kommen. 

Möge der Wegweiser auf das Studium der vater- 
ländischen Geologie zu seinem bescheidenen Theile 
fördernd einwirken dürfen! 



Inhalt 

Seite 
I. Von Dresdon - Altstadt durch den Plauenschon 
Grund bis Potschappel und über Coschütz und 
Zschertnitz zurück 1 

II. Von Potschappel nach Niederhässlich und durch 
das Poisenthal nach der Goldenen Höhe ... 19 

III. Von Kemnitz durch den Zschoner Grund über 
Podemus und Prabschütz nach Cossebaude und 
Niederwartha 29 

IV. Von Meissen- Colin nach dem Riesensteiu und 
über die Knorre nach Zehren , sowie am gegen- 
überliegenden Ufer zurück nach Meissen ... 40 

V. Von Meissen das Triebisch thal aufwärts bis Miltitz 46 

VI. Von Kötzschenbroda über Neucoswig nach den 

Plänerbrüchen von "Weinböhla 52 

VII. In die Dresdner Haide 59 

VIII. Von Niedersedlitz über Kreischa und Maxen nach 

Häselich an der Müglitzthalbahn 69 

IX. Von Hä3elich aus das Müglitzthal hinab bis 

Mügeln 83 

X. Von Pirna über Dohma, Rottwerndorf, Neundorf 
und Krietzschwitz nach Vogelgesang und Zeichen 94 



vm Vorwort. 

Seite 

XI. Von Pirna mit der Bahn nach Berggiesshübei 
und von hier über Gottleuba und Göppersdorf 
durch das Bahrethal hinab nach Pirna zurück . 105 

XII. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna 123 

XIII. Von Gottleuba über Tyssa nach Tetschen . .135 

XIV. Von Tetschen am rechten Elbufor abwärts bis 
HeiTnskretschen 148 

Sachregister 156 

Ortsregister 160 




I. 

Ton Dresden -Altstadt durch den Plauenschen Grund 

bis Potschappel und über Coschtitz und 

Zschertnitz zurück. 

|iese eine starke halbe Tagestour bildende Ex- 
cursion soll dem Studium des Syenites und 
der Kreideformation des Plauenschen Grun- 
des dienen und bewegt sich ausschliesslich im Gebiete 
von Section Dresden der geologischen Specialkarte des 
Königreichs Sachsen. 

Wir verlassen Dresden am besten mit derStrassen- 
bahn, die uns bis Plauen bringt. Unser Ausgangspunkt, 
der Postplatz , liegt in der Alluvialaue. Bald gewinnen 
wir die jüngstdiluviale, nur um wenige Meter höhere 
Thalterrasse, deren Abfall zum Alluvium namentlich in 
der Nähe der Annenkirche als eine recht deutliche 
Stufe hervortritt. Hinter der Falkenbrücke, am Hahne- 
berg, unweit der Brauerei zum FeldschlÖsschen, steigt 
das Terrain in einer zweiten, scharf ausgeprägten 
Terrasse an, die aus jungdiluvialen Weisseritzschottern 
gebildet ist. Die Strassenbahnlinie folgt dem oberen 
Rande dieser Terrasse längs der Weisseritzniederung 
bis zur Endstation Plauen. Yon hier aus gehen wir 

Beck, Geologischer "Wegweiser. 1 



2 I. Von Dresden - Altstadt durch den Plauenschen Grund 

hinunter zur "Weisseritzhrücke und schauen thalauf- 
wärts hinein in den engen und steilwandigen Plauen- 
schen Grund, während wir abwärts das Flussthal zu 
einer breiten, im jüngsten Elbthaldiluvium eingesenk- 
ten Aue sich erweitern sehen. "Wir überschreiten die 
Brücke und wenden uns drüben am Ufer entlang fluss- 
aufwärts, bis uns nach wenigen Schritten der rechts 
nach Döltzschen abgehende Weg in den westlich von 
der Gasanstalt gelegenen Steinbruch von Mros führt. 
Hier finden wir ein sehr vollständiges Profil der Kreide- 
formation des Plauenschen Grundes entblösst: 

Zu oberst unter lehmigem Schutt den PI an er 
der Stufe mit Inoceramus labiatus ScJüoth., ein un- 
regelmässig plattig geschichtetes Gestein, zuweilen 
mit Steinkernen von Nautilus sublaevigatus d'Orb. 
(1 — 2 m). Es folgt hierunter eine Schicht von san- 
digem Mergel (0,75m) undsodann der Carinate n- 
pläner in 0,3 — 0,5 m starken Bänken, im ganzen 
in gegen 10 m Mächtigkeit, nach unten abschliessend 
mit einem meist glaukonitischen Pläner voll von 
Gerollen und grösseren, ausnahmsweise sogar einen 
Durchmesser von 3 m erreichenden Blöcken von 
Syenit. Dieses unmittelbar dem ebenfalls aufge- 
schlossenen Syenit aufgelagerte Grundconglo- 
merat, wie wir es nennen wollen, führt nicht selten 
Petrefacten, besonders Terebratula biplicata Sow. 
in grossen Exemplaren, weniger häufig auch das 



bis Potschappel und über Coschütz und Zschertnitz zurück. 3 

eigentliche Leitfossil dieses Horizontes Ostrea cari- 
nata Lam. Sämmtliche Schichten sind unter 5° 
nach NO. geneigt. 

Die hier zu beobachtende Trennung der ceno- 
manen Carinatenstufe von der unterturonen Labiaten- 
stufe durch eine Schicht von sandigem Mergel oder 
Thon werden wir auf unseren "Wanderungen auf dem 
linkselbischen Gebirgsabfall zwischen Zschoner Grund 
und Müglitzthal überall wiederfinden. Wir haben es 
hier geradezu mit einer Lei t Schicht für diese Gegend 
zu thun. 

Yon diesem Steinbruch lässt man sich den kurzen 
Pfad nach dem nahen Thalrand und zugleich der Ober- 
kante der Rathssteinbrüche zeigen. Man findet dort 
auf weite Strecken hin den untersten Pläner und be- 
sonders auch dasGrundconglomerat aufgeschlossen und 
die sehr unregelmässig höckerige Auflagerungsflache 
auf dem Syenit theilweise entblösst. Nicht selten ge- 
wahrt man darin kesseiförmige Vertiefungen und bis 
zu 1 oder 2 m Tiefe hinabführende Klüfte, die mit 
einem an Conchylienresten reichen kalkigen Gestein 
ausgefüllt sind. Nicht zu verwechseln mit diesen 
ursprünglichen Unebenheiten des alten cenomanen 
Meeresgrundes sind durch spätere Dislocationen ent- 
standene Reliefformen. So war im Sommer 1896 hier 
ein kleiner von Verwerfungen mit ostwestlichem 
Streichen begrenzter Syenithorst aufgedeckt, der über 

1* 



4 I. Von Dresden - Altstadt durch den Plaaenschen Grand 

5 m hoch die untersten Plänerbänke durchragte. Die 
Schichten hatten namentlich an der einen der viele 
Harnische aufweisenden Verwerfungsflächen beim Ab- 
wärtsgleiten eine Schleppung erlitten. Längs der 
nördlichen Kluft gewahrte man eine Zone von ganz 
zerrüttetem Syenit mit förmlich eingekneteten Pläner- 
schollen. Diese kleinen postcretaceischen Disloca- 
tionen dürften die ersten nach S. vorgeschobenen Vor- 
posten der grossen Lausitzer Hauptverwerfimg sein, 
die wir noch genauer studiren werden (S. 52). 

Vom Thalrand führt ein beschwerlicher Pfad 
zur Linken nach den Rathssteinbrüchen hinunter. 
Besser geht man den vorigen Weg zurück bis zur 
Weisseritz und wendet sich alsdann den Fluss ent- 
lang bis in die Brüche, nachdem man im Comptoir die 
Erlaubniss zu deren Besuch erbeten hat. Der Syenit, 
wie wir ihn bald anstehen sehen, ist die typische 
Modification des Gesteins, die Abraham Werner zur 
Aufstellung dieser neuen Gattung veranlasste. Der 
Syenit des Plauenschen Grundes steht nach NW. hin 
in directem Zusammenhang mit dem grossen Granit - 
und Syenitgebiet der Umgebung von Meissen (S. 40), 
während er nach SO. hin als schmaler, oberflächlich 
oft durch jüngere Sedimente verhüllter Zug bis ins 
Lockwitzthal unterhalb von Kreischa sich verfolgen 
lässt. Hier geht er schliesslich in Hornblendegranit, 
stellenweise auch in dioritische Abänderungen über. 



bis Potschappel und über Coschütz und Zschertnitz zurück. 5 

In den Rathsbrüchen sehen wir den Syenit von meh- 
reren Gängen eines schwarzgrauen oder schmutzig - 
grünlichen Lamprophyres durchsetzt. Sie streichen 
zwischen K 20 °0. und N". 10° W., stehen saiger oder 
fallen unter 75 — 90° nach W. oder 0. ein. Auch 
macht sich ein schräg am Gehänge hinauf steigender 
Brecciengang bemerkbar. Seine Füllung besteht aus 
dicht gepackten Syenitfragmenten, die durch ein 
dunkelgefärbtes Cement von zerriebenen Syenittheil- 
chen äusserst fest verkittet sind. Auf Klüften des 
Syenites finden wir endlich Ausscheidungen von Kalk- 
spath mit schön ausgebildeten Krystallen. Der kohlen- 
saure Kalk dürfte hier zum grössten Theil den kal- 
kigen Schichten der oberen Kreideformation entstam- 
men, die wir dem Syenit aufgelagert fanden. 

Wir gehen zur Weisseritzbrücke zurück, über- 
schreiten sie und folgen der Strasse thalaufwärts. 
Yon hier aus gewähren uns die vorhin besuchten 
Eathsbrüche mit der nach Norden geneigten Pläner- 
auflagerung einen guten Ueberblick. Kurz ehe wir die 
Eestauration zum Forsthaus erreichen, zeigt sich auch 
am rechten Thalgehänge die Auflagerung des Cari- 
natenpläners auf dem Syenit sehr deutlich. Hier 
liegen zu unterst als Ausfüllung von Buchten und 
kesseiförmigen Vertiefungen des Grundgebirges und 
selbst als schmale Dejectionsgänge feste kalkige Ab- 
lagerungen mit einer reichen Fauna und besonders 



6 I. Von Dresden - Altstadt durch den Plauenschen Grand 

ganz zu unterst mit vielen Syenitgeröllen. Der Punkt 
hat früher eine reiche Petrefactenausbeute geliefert, 
ist aber jetzt nicht zugänglich. Ähnliche Bildungen 
werden wir übrigens später in grösserer Nähe studi- 
ren können. 

Die Strasse führt uns bald über die Weisseritz. 
Yon der Brücke aus fällt der Blick zur Linken auf 
mächtige Steilwände von Syenit, die eine ziemlich 
regelmässige Zerklüftung aufweisen. Dicht hinter der 
Brücke zweigt rechts der Weg in den zur Zeit nicht 
betriebenen oberen Forsthausbruch ab. Hier können 
wir die im Syenit des Plauenschen Grundes über- 
haupt nicht seltenen basischen Ausscheidungen kennen 
lernen, deren dunkelgrüne Färbung durch das Zurück- 
treten des Feldspathes, das Yorwiegen der Hornblende 
und die Beimengung von dunkelgrünem GH immer und 
lichtgrünem Augit bedingt wird. Eine solche Aus- 
scheidung in Linsengestalt erreicht in diesem Stein- 
bruch die ungewöhnliche Grösse von 6 — 10 m in der 
Quere, während sie sonst meist viel kleiner sind. 
Bemerkenswerth ist die hier beobachtete Beimengung 
von Kupfererzen. Endlich setzt auch in diesem Stein- 
bruch ein 2 — 2,5 m mächtiger, NS. bis N. 10° 0. 
streichender Brecciengang auf, als Zeuge gewaltsamer 
Verschiebungen im Gebirge. 

Wir gewinnen die Strasse wieder und folgen 
ihr bis nahe der Haltestelle der Eisenbahn. Hier 



bis Potschappel und über Coschütz und Zschertnitz zurück. 7 

wird der Syenit der felsigen Strassenböschung zur 
Rechten gangförmig von Melaphyr durchbrochen. Es 
lassen sich zur Zeit am Fusse der Steilwand zwei 
Abschnitte wahrscheinlich ein und desselben Ganges 
unterscheiden. Sie streichen nach NO., sind etwa 1 m 
mächtig und werden beide durch ungefähr nach OW. 
verlaufende Verwerfungsflächen abgeschnitten, an 
denen zum Theil Reibungsbreccien entwickelt sind. 
Beim ersten Gangabschnitt zeigt das Gestein con- 
centrisch - schalige Absonderung. 

"Weiter thalaufwärts gelangen wir zu den grossen 
Steinbrüchen unter der Begerburg bei Döltzschen, die 
auf eine weite Strecke hin und bis zu 50 m Höhe 
hinauf das Steilgehänge angeschnitten haben. Der 
Syenit nimmt hier häufig in Folge gleich gerichteter 
Lagerung seinerFeldspathtaf ein eineParallelstructur an. 
Leicht finden wir in ihm auch die glitzernden Kryställ- 
chen des Titanites. Gewisse Ablösungsflächen, „Ti- 
tanitspiegel", sind ganz besonders reich daran. Horn- 
blendereiche Ausscheidungen des Gesteins sind hier 
nicht selten. Manche enthalten bis hirsekorngrosse 
Körnchen von Apatit, sowie gediegen Kupfer. Ausser- 
dem fallen uns Nester, Linsen, Schnüre, Trümer 
und gangartige Gebilde eines feldspathreichen Peg- 
matites auf. Biese ihre Zusammensetzung oft wech- 
selnden Massen enthalten neben ihren Hauptgemeng- 
theilen Orthoklas, Oligoklas, Quarz, Hornblende und 



8 I. Von Dresden - Altstadt durch den Plauenschen Grund 

dunkelgrünen Glimmer nach den Untersuchungen von 
E. Z schau selten auch Malakon, Orthit, Titanit, Tur- 
malin, Apatit, Scheelit, Titaneisenerz, Kupfererze, 
Pistazit und Chlorit. Sie erinnern somit an gewisse 
norwegische Vorkommnisse. Unter diesen accesso- 
rischen Mineralien gelingt uns am ehesten den Orthit 
von den Steinbrechern zu erhalten. Seine pech- 
schwarzen Körner oder Krystalle werden häufig von 
Quarz und Feldspath strahlig umgeben. Ausserdem 
bieten die an der Begerburg gelegenen Brüche nicht 
selten eine Reihe von anderen Mineralien dar, die 
durch laterale Secretion bei der Zersetzung des Sye- 
nites entstanden sind, wie Eisenspath, Kalkspath, Ara- 
gonit, Laumontit in spröden weisslichen oder röthlichen 
Krystallen, zuweilen auch Phillipsit. 

Yon hier aus würde es noch lolinen, auf einem 
Seitenweg links an der Garnisonmühle die Weisseritz 
zu überschreiten und den Syenitbruch hinter dieser 
Mühle zu besuchen. Hier sind mitunter im Syenit 
Ausscheidungen aufgeschlossen, die als Zersetzungs- 
product der reichlich beigemengten Hornblende viel 
gelbgrünen Epidot führen. Auch dick stengelige 
Aggregate von weingelbem Aragonit gewahrt man 
dort im zersetzten Gestein. 

Yon hier nach der Strasse zurückgekehrt, folgen 
wir dieser an einer Reihe noch anderer Syenitbrüche 
vorüber bis kurz vor der zu Potschappel gehörigen 



bis Potschappel und über Coschütz und Zsohertnitz zurück. 9 

Eisengiesserei Friedrich August -Hütte. Hier stossen 
wir auf eine Gebirgsscheide : längs einer nach. NW. 
streichenden und steil nach SW. einfallenden Ver- 
werfungskluft grenzt hier der Syenit an den Horn- 
blendeporphyrit des Steinkohlengebirges des Unter- 
rotjhliegenden (S. 19). Nachdem wir den frischen 
Porphyrit in einem nordwestlich von der Hütte ge- 
legenen Steinbruch kennen gelernt haben, wohin uns 
die von der Chaussee rechts abgehende „Döltzschener 
Strasse" führt, kehren wir auf der bisher begangenen 
Hauptstrasse durch den Grund zurück bis zur Brauerei 
zum Felsenkeller. Andere werden vorziehen, die Ex- 
cursion bis zum Bahnhof Potschappel fortzusetzen 
und sich von hier aus des Programmes zur Tour II 
zu bedienen. Das Ganze würde in diesem Falle eine 
starke Tagestour bilden. 

Jenseits der Brücke, die den Zugang zur Felsen- 
kellerbrauerei bildet, wenden wir uns nach rechts an 
der Restauration vorüber thalaufwärts, biegen in das 
Seitenthälchen, worin Villa Kosen liegt, ein und ge- 
winnen, hier immer im Syenit aufsteigend, den Pla- 
teaurand bei Altcoschütz. Wenn nicht gerade die 
Weisseritz wasserreich ist, kann man nach unserem 
nächsten Ziel, der Heidenschanze, auch einen directen 
Pfad benutzen, der bei einem Wegweiser noch vor 
Villa Kosen abzweigt, erst dem Flussufer folgt, dann 
das Gehänge hinauf führt. Im ersteren Falle in Alt- 



10 I. Von Dresden -Altstadt durch den Plaaenschen Grand 

coschütz angelangt, gehen "wir am besten links am 
Dorfteich vorüber und dicht westlich vom Dorfe an 
den Gärten entlang einen Feldweg, der in einen Sand- 
steinbruch führt. Hier haben wir die Carinatenstufe 
in anderer Ausbildung entwickelt vor uns, als wie 
in den Rathsbrüchen. "Wir bemerken hier nämlich 
an der westlichen "Wand bis zu .3 m Mächtigkeit an- 
schwellende grobe Syenitconglomerate in zum Theil 
linsenförmig gestalteten Bänken, die mit einem weissen 
oder rostgelb gefleckten Quarzsandstein wechsellagern. 
Nach der Tiefe hin und im östlichen Theile des Bruches 
herrschen die Sandsteine fast allein. Derartige Ge- 
steine sind in der sonst durchweg als Pläner ausge- 
bildeten Carinatenstufe zwar nicht immer in so grosser 
Mächtigkeit entwickelt, aber in schwächerer Ausbildung 
ziemlich verbreitet. Ueberall haben sie als wasser- 
führende Schickten eine grosse Bedeutung. So beziehen 
die artesischen Brunnen im Plauenschen Lagerkeller 
und auf dem Albertplatz in Dresden ihr "Wasser aus 
diesem bei dem allgemeinen Einfallen der Kreide- 
schichten nach NO. dort tief unter der Thalsohle ge- 
legenen geologischen Horizont. 

Unweit des eben besuchten Steinbruches sehen 
wir zur Linken des Weges, den wir gekommen waren, 
einen auffälligen Hügel sich erheben, der die Spuren 
ehemaliger Aufwühlung zur Schau trägt. Es ist die 
sogenannte Heidenschanze, die dem königlichen Mu- 



bis Potschappel und über Coschdtz und Zschertnitz zurück. 1 1 

seum zu Dresden zahlreiche prähistorische Funde ge- 
liefert hat. Um zu sehen, wie die Sandsteine und 
Conglomerate des Steinbruches vom Carinatenpläner 
überlagert werden, müssen wir die jetzt stark zer- 
fallenen und mit Buschwerk überwachsenen Planer- 
brüche am Thalrande gerade nördlich vom Borfe Alt- 
coschütz aufsuchen. Wir gelangen dorthin, indem 
wir der Grenze des Buschwaldes am Thalrande folgen. 
In den beiden westlichsten dieser alten Brüche sind 
sowohl die Conglomerate und Sandsteine als auch die 
concordant darüber lagernden Carinatenpläner aufge- 
schlossen, deren unterste Schichten hier reich an 
Schalen des Spondylus striatus Sow. sind. Dieselbe 
Ueberlagerung finden wir übrigens am Thalrand schräg 
gegenüber in dem Einschnitt der aus dem Plauen- 
schen Grunde nach Döltzschen hinauf führenden Fahr- 
strasse aufgedeckt. 

Ein vielbesuchtes Yorkommniss, auf das man 
früher unterhalb des westlichsten der eben angeführten 
Plänerbrüche an dem mit Buschwald bewachsenen 
Steilhang stiess, der sogenannte „Coschützer Muschel- 
fels", konnte im Herbst 1896 nicht mehr aufgefunden 
werden. Es war ein aufrecht stehender Klotz aus 
kalkigem Sandstein mit zahlreichen Steinkernen und 
Schalenresten von Fectunoulus obsoletus Goldf., Exo- 
gyra columba Lam., Turritella granulata Sow., Nerinea 
Geinitxi Goldf. und JRadiolites Germari Gein., wahr- 



12 I* Von Dresden - Altstadt durch den Plauenschen Grund 

scheinlich das letzte Ueberbleibsel eines aus dem Syenit 
herausgewitterten Dejectionsganges. Dieses alte "Wahr- 
zeichen der sächsischen Kreideformation scheint leider 
dem Bedürfniss der Anwohner nach Bruchsteinen zum 
Opfer gefallen zu sein. 

Wir begeben uns nach dem Dorfe zurück und 
folgen von hier aus dem Fussweg nach dem Hohen 
Stein am Wasserreservoir der Felsenkellerbrauerei 
vorüber über das mit Geschiebelehm und lössartigem 
Lehm bedeckte Plateau hinweg. Das erstgenannte 
Diluvialgebilde ist hier nur vorübergehend bei Brunnen- 
grabungen gut auf geschlossen , wir haben aber später 
bei Zschertnitz Gelegenheit, es genauer kennen zu 
lernen. Dicht beim Wasserreservoir sehen wir Cari- 
natenpläner anstehen, bedeckt von altdiluvialem 
Weisseritzkies. Diesen hat der Fluss hier auf der 
Hochfläche abgelagert, noch ehe er den engen, mehr- 
fach gewundenen Thaleinschnitt des Plauenschen 
Grundes eingesägt hatte. Würden wir von hier aus 
wenige Schritte dem Pfade folgen, der die Seiten- 
schlucht hinab zur Brauerei führt, so würden wir 
wiederum wie bei Altcoschütz unter dem Carinaten- 
pläner die Syenitconglomerate ausstreichen sehen, be- 
sonders nahe an der Feldgrenze zur Linken des Fuss- 
weges. 

Wir schreiten dagegen auf dem eingeschlagenen 
Wege immer am Thalrande hin weiter und gelangen 



bis Potschappel und über Coschütz und Zschertnitz zurück. 13 

zum Wirthshaus „zum Hohen Stein". Die den Aus- 
sichtsthurm „Frohbergs Burg" tragende Syenitklippe 
dicht am Hause ist in geologischer Beziehung wohl 
einer der sehenswerthesten Punkte der Dresdener 
Umgebung. Man gewahrt dort im Syenit eine un- 
regelmässig kesseiförmige oder sackförmige Yertiefung 
von 1 — 3 m Querdurchmesser und gegen 5 m Tiefe. 
Sie ist ausgefüllt von bröckeligem, weichem Pläner, 
dessen Schichten flach muldenförmige Lagerung zeigen. 
Dies Gestein enthält sehr zahlreiche Conchylienschalen 
und andere kalkige Reste der Fauna des cenomanen 
Kreidemeeres, dessen Brandung dereinst diese Höhlung 
ausgenagt hatte. Zur Zeit ist es vom Besitzer zur 
wohlberechtigten Schonung des seltenen Aufschlusses 
und zugleich der Thurmfundirung streng untersagt, 
hier zu sammeln, wie die Inschrift „Mcht pickern" 
warnend bezeugt. Wir können die hier einst gefun- 
denen Petrefacten nur im Dresdener geologischen 
Museum bewundern, wo alle die Originalexemplare 
zu den Untersuchungen von H. B. Geinitz aufgestellt 
sind. Doch kann ja schon der nächste Neubau in der 
Nachbarschaft ähnlich reiche Fundstätten aufdecken. 
In der Fauna des Hohen Steines sind an erster Stelle 
vertreten Austern und zwar neben den prächtig er- 
haltenen Schalen der grösseren Ostrea carinata Lam. 
und Ostrea diluviana L. besonders viele kleine Formen, 
wie 0. hippopodium Miss., Exogyra sigmoidea Rss., 



14 I. Von Dresden - Altstadt durch den Planenschen Grund 

E. lateralis Nüss., ferner wurden verschiedene PUu- 
rotomarien und Cerithien, Spondylus striatus Sow., 
zahllose Stacheln von Oidaris vesiculosa Qoldf. und 
C. Sorigneti Des., Bryoxoen, Seeschwämme und Zähne 
von Haifischen, wie Ckcyrrhina angwtidens Rss. ge- 
sammelt. 

"Wir steigen schliesslich hinauf auf den Thurm, 
um die sehr lohnende Aussicht zu geniessen. Der 
Blick wird zunächst durch das malerische Erosions- 
thal der Weisseritz gefesselt, um dann darüber hinweg 
nach West hin über eine ziemlich regelmässig nach 
der Elbe hin geneigte schiefe Ebene zu schweifen. 
Zwar bilden die Oberfläche derselben die fruchtbaren 
lössartigen Gehängelehme des Diluviums, ihre regel- 
mässige Gestalt hat sie indessen durch die einfachen 
Lagerungsverhältnisse ihres Untergrundes, nämlich 
der Kreideformation erhalten, deren Schichten zwi- 
schen dem Cossebauder und dem "Weisseritz-Thal 
ein unter 2 — 5 ° nach NO. geneigtes völlig ungestörtes 
Tafelsystem darstellen. Weit unebener ist dagegen 
der ebenfalls aus der oberen Kreideformation und dem 
Diluvium zusammengesetzte sanfte Gebirgsabfall süd- 
östlich von der Weisseritz, den wir in der entgegen- 
gesetzten Eichtung überblicken. Im Norden und 
Nordosten zieht sich am Fusse dieser Berggehänge 
der langgestreckte Eibthalkessel hin, worin das Dres- 
dener Häusermeer sich ausbreitet. Die Plateauland- 



bis Potschappel und über Coschütz und Zschertnitz zurück. 15 

schaft endlich, deren ziemlich steiler Abfall sich uns 
jenseits dieser ELbthalweitung zukehrt, wird vom 
Lausitzer Granit gebildet. Bei klarem "Wetter ver- 
mögen wir sie zu einem guten Theile zu überblicken 
und entdecken am Horizont die ihr aufgesetzten Höhen 
des Keulenberges und des Sybillensteines bei Pulsnitz. 

Der plötzliche Abbruch der Hochebene uns gegen- 
über, der von "Wackerbarths Ruhe bei Kötzschenbroda 
her bis zum Letzten Heller bei Klotzsche, von hier 
aus aber in südöstlicher Richtung bis nach Pillnitz 
hin sich verfolgen lässt, ist durch die grosse Tjausitzer 
Hauptverwerfung verursacht worden. Diese Linie 
bildet, nur einen kleinen Abschnitt dieser grossen im 
allgemeinen von NW. nach SO. verlaufenden Dis- 
location, die von Oberau bei Meissen über Weinböhla, 
Pillnitz, Hohnstein, Hinterhermsdorf, Zeidler, Khaa, 
Daubitz und endlich südlich von Zittau vorbei bis 
zum Jeschkengebirge sich hinzieht. Der südlich von 
dieser über 20 Meilen langen Linie liegende Gebirgs- 
theil hat fast durchweg eine ziemlich bedeutende 
Senkung erfahren, weshalb denn auch nur hier das 
Kreidegebirge in grossen Territorien von der Denu- 
dation verschont geblieben ist, während es auf der Lau- 
sitzer Granitplatte bis auf ganz vereinzelte wenig um- 
fangreiche Reste wieder hinweggewaschen worden ist. 

"Gerade hinter der Residenzstadt sehen wir dem 
erwähnten Steilrand des Lausitzer Granitgebietes eine 



IG I- Von Dresden - Altstadt durch den Plauenschen Grund 

breite Terrasse von Diluvialsand vorgelagert. Diese 
Sande steigen auch auf das granitische Plateau selbst 
hinauf und bilden vielfach den Untergrund der aus- 
gedehnten Dresdener Haide. Abgesehen aber von 
diesen höher gelegenen San den würde die dem Steil- 
rand vorgelagerte Haidesandterrasse den "Weisseritz- 
schottern entsprechen, die wir vorhin bei Altcoschütz 
passirten. Beide sind Reste älterer Thalzuschüttungen; 
während drüben fast lediglich Sande abgelagert wurden, 
führten diesseitig die erzgebirgischen Flüsse grobe 
Geröllmassen zu. 

Nach dieser Orientirung verlassen wir den Aus- 
sichtsthurm und gewinnen entweder auf der nach 
Plauen hinabgehenden Chaussee die Endstation der 
Strassenbahn wieder, die uns nach Dresden bringt, 
oder setzen die Excursion nach 0. hin fort. In letz- 
terem Falle bietet sich uns Gelegenheit, die diluvialen 
Seilichten des linkselbischen Gebirgsabfalles kennen 
zu lernen. Man verfolgt die Chaussee bergauf bis 
etwa 300 Schritte hinter dem Friedhof und schlägt 
dort den nach 0. führenden Kohlenweg ein. Dieser 
gewährt eine sehr lohnende Fernsicht, besonders dort, 
wo der Fussweg nach Kaitz ihn kreuzt. Zur Rechten 
hat man ein sanft ansteigendes Plateau, an dessen 
oberem Rande die weithin kenntliche Babisnauer 
Pappel, die Goldene Höhe und endlich die Prinzen- 
höhe mit mehreren Kohlenschächten in ihrer Um- 



bis Potschappel und über Coschütz und Zschertnitz zurück. 17 

gebung erscheinen. Zur Linken erhebt sich jenseits 
von Dresden der Steilrand des Lausitzer Plateaus in 
den mit Häusern besetzten Höhen vom "Weissen Hirsch; 
vor uns dagegen springt diese Hochebene im Porsberg 
bei Pillnitz als scharf markirtes Vorgebirge in die Elb- 
thalweitung vor. Bei klarem "Wetter präsentiren sich 
überdies in der Ferne die charakteristischen tafel- 
förmig abgestutzten Felsenberge der Sächsischen 
Schweiz, die beiden Bärensteine, der Lilienstein u. a. 
Wir folgen dem Kohlenweg bis zum Kreuzpunkt mit 
dem "Wege nach Mockritz. Hier wenden wir uns nach 
links und gelangen zur grossen Dammüllerschen Zie- 
gelei, die in ihren Ausschachtungen ausgezeichnete 
Aufschlüsse im Geschiebemergel, der Grundmoräne 
des nordischen Binneneises, darbietet. Unter den zahl- 
reichen erratischen Geschieben fallen uns hier neben 
den baltischen Feuersteinen besonders viele nordische 
Silurkalke, Dalaquarzite, Scolithussandsteine, Aalander 
und Elfdalener Porphyre sowie Rappakiwis ins Auge. 
Bisweilen waren dort auch Geschiebe mit Glacial- 
schrammen und Schliffflächen nicht selten. Auch im 
Hohlweg, den man auf dem Heimweg nach der Stadt 
zunächst durchschreiten muss, sieht man Geschiebe- 
mergel unter dem Gehängelehm anstehen. 

Man kann von hier aus leicht die Strassenbahn- 
linie Strelüen- Dresden gewinnen. Nicht jedoch ist 
es zu empfehlen, die einst so berühmten, jetzt ganz 

Bock, Geolosischor Wegweiser. 2 



! 



18 I- Von Dresden - Altstadt durch den Planenschen Grund n. s. w. 

verschütteten Plänerbrüche hinter dem genannten 
Dorfe aufzusuchen. In diesen Strehlener Brüchen 
wurde ehedem ein ziemlich versteinerungsreicher 
Plänerkalkstein abgebaut mit Micraster cor testudina- 
rium Ooldf. sp., Terebratula semiglobosa Sow. y Tere- 
bratulina striatula Mant., Spondylus spinosus Sow., 
Inoceramus Brongniarti Sow., Ammonites peramplus 
Mant, Scaphites Oeinüxi d'Orb. und vielen anderen 
Petrefacten. Der Kalkstein bildet bei Strehlen eine 
Einlagerung im Mergel mit Inoceramus Brongniarti 
Sow., der wiederum dem Labiatuspläner concordant 
aufgelagert ist. Diesen Brongniartimergel können wir 
zur Vervollständigung des am Anfang unserer Excur- 
sion beobachteten Profiles in den tiefen Ausschach- 
tungen der grossen Ziegelei südöstlich von Zschert- 
nitz kennen lernen. Wir gelangen dorthin, indem 
wir beim Verlassen des vorhin erwähnten Hohlweges 
die Strasse nach rechts einschlagen und sie durchs 
Dorf hindurch verfolgen. Der Mergel kennzeichnet 
sich als ein weiches, an der Luft schnell aufblättern- 
des Gestein, das nur spärliche Versteinerungen ent- 
hält, am häufigsten noch Terebratulina gracilis SchL 
und den leitenden Inoceramus Brongniarti Sow. 



II. Von Potschappel nach Niederhässlich u. s.w. 19 




n. 

Ton Potschappel nach Niederhässlich und durch 
das Poisenthal nach der Goldenen Höhe. 

||iese Excursion, die ohne Combination mit dem 
ersten Theil von Tour I einen reichlichen 
halben Tag beansprucht, soll zum Studium 
des Eothliegenden des Plauenschen Grundes und der 
Quadersandsteine in der Gegend der Goldenen Höhe 
anregen. Sie wird sich im Gebiete der Sectionen "Wils- 
druff- Potschappel, Tharandt, Kreischa-Hänichen und 
Dresden bewegen. 

Wir haben Potschappel mit der Bahn erreicht. 
Beim Aussteigen aus dem Zuge erblicken wir zunächst 
dicht jenseits der Bahnlinie den Stationsgebäuden 
gegenüber den Sauberg, der aus Hornblendeporphyrit 
besteht. Das Gestein gehört zu dem mächtigen decken- 
förmigen Porphyriterguss, der das unterste Glied des 
Rothliegenden im Plauenschen Grunde darstellt und 
eine sehr wechselnde petrographische Ausbildung be- 
sitzt. Der Ausstrich dieser Porphyritdecke bildet einen 
von WW. nach SO. verlaufenden Höhenzug, der in Burg- 
wartsberg, Sauberg und Eichberg gipfelt, und an dessen 
Nordostflanke die grosse Hauptverwerfung des „Eothen 



20 II« Von Potschappel nach Niederhässlich und durch das 

Ochsen" sich hinzieht. Längs des „Rothen Ochsen", 
der nicht eine einzelne Kluft, sondern einen ganzen 
Spaltenzug darstellt, ist das nordöstlich angrenzende 
Gebirge treppenförmig abgesunken. Es grenzen dar- 
um nordöstlich an diesen Porphyr jüngere Schichten 
des Rothliegenden , die hier in Folge ihrer tiefen Lage 
vor der Denudation bewahrt blieben, unter anderen 
auch Partien vom Steinkohlengebirge des Unter -Roth- 
liegenden. 

Wir verlassen den Bahnhof, gewinnen die durch 
den Ort führende Hauptstrasse und gehen auf dieser 
nach Süd bis zur Hofmühle, wo grosse Steinbrüche 
sichtbar werden. Man gelangt in diese schräg über den 
freien Platz und alsdann über die Brücke. Wenige 
Schritte oberhalb von dieser steht unten im Flussbett 
ein allerdings nur bei sehr niedrigem Wasserstand 
sichtbarer lichtgrünlich grauer, zum Theil gerötheter 
Thonschiefer an. Der Fluss hat sein Bett hier bis 
zum silurischen Schiefergebirge hinab eingenagt, das 
unter dem Rothliegenden auch durch den Bergbau 
vielfach nachgewiesen worden ist. Nach wenigen 
Schritten flussaufwärts befinden wir uns in den er- 
wähnten grossen Steinbrüchen am Eichberg. Sie sind 
im Hornblendeporphyrit angesetzt. Alsdann suchen 
wir wieder die Hauptstrasse in Potschappel auf, der 
wir nach S. bis zur Rothen Schänke folgen, um uns 
von dort links auf die Strasse nach Grossburgk zu 



Poisenthal nach der Goldenen Höhe. 21 

wenden. Nach, dem abermaligen Ueberschreiten der 
Weisseritz sehen wir zur Rechten eine niedrige mit 
Buschwald bewachsene Steilböschung ansteigen, die 
aus Gesteinen des Steinkohlengebirges des Unter - 
Rothliegenden, hier wesentlich aus grauen Schief er- 
thonen und Arkosen, besteht. Wir können sie studiren, 
wenn wir einige Schritte dem Fahrweg am Wiesen- 
rande hin folgen. Hinter der Steilböschung sieht man 
den Windberg sich erheben. Zur Strasse zurückge- 
kehrt gehen wir auf ihr bis zu den ersten Häusern, 
der Schmiede von Grossburgk. Hier schlagen wir 
eine nach rechts abgehende Birnbaumallee ein, die 
uns nach dem Windberg führt. Bis zum Walde über- 
schreiten wir jetzt den oberflächlich nur wenig mar- 
kirten Ausstrich der Schieferlettenstufe des Mittel - 
Rothliegenden. Das Gestein derselben ist hier nirgends 
aufgeschlossen. Im Walde dagegen befinden wir uns 
in der nächst höheren Stufe der Breccientuffe des 
Mittel - Rothliegenden. Diese beöteht aus verschieden- 
artigen mit einander wechsellagernden Gesteinen von 
bunter Färbung und zwar aus Porphyrbreccien, Con- 
glomeraten, rothen und grauen Arkosesandsteinen, 
KrystalltufTen , Thonsteinen und Schieferletten. An 
der Zusammensetzung der entschieden vorwaltenden 
Breccien betheiligen sich sehr verschiedene Porphyrite 
und Quarzporphyre, besonders ein schön fluidalstreifiger 
Quarzporphyr. Die Fragmente sind theils scharfkantig, 



22 II. Von Potschappel nach Niederh&sslich und durch das 

theils gehen sie in Gerolle über. Wo der Pfad sich steiler 
hinabsenkt, können wir am Gehänge zur linken den 
Breccientuff auch anstehend beobachten. 

Bald erreichen wir einen breiten Fahrweg, dem 
wir nach link s folgen an ein paar Gruben im löss- 
artigen Gehängelehm vorüber bis zum Kalkwerk von 
Niederhässlich. Die Steinkohlenschächte drüben auf 
der anderen Seite des Weisseritzthales sind die fis- 
kalischen Carolaschächte. Im Kalkwerk, wo uns Herr 
Inspector Zimmermann gern auf unsere Bitte sach- 
kundige Auskunft über den Betrieb darbietet, wird 
unterirdisch ein dolomitischer Kalkstein abgebaut, der 
ein 1,3 — 1,4 m mächtiges Lager inmitten der Schiefer- 
lettenstufe des Mittel -Bothliegenden bildet. Dieser 
Kalkstein, den wir vor dem Ofen aufgestapelt finden, 
hat die von H. Credner beschriebene formen- und 
artenreiche Fauna von Urvierf üsslern geliefert. Viel- 
leicht haben wir das Glück, den häufigsten Vertreter 
derselben, den zierlichen Branchiosaurus amblystomus 
Ored. mit heim bringen zu können. Am Haldenmaterial 
haben wir auch Gelegenheit, das Gestein des Liegenden 
und Hangenden des Kalksteinlagers zu studiren und 
somit die Schieferlettenstufe näher kennen zu lernen. 

Hierauf folgen wir der nahe vorbei führenden 
Strasse durch das Thal des Poisenbaches hinauf. Die 
unteren Gehänge, soweit sie nicht von Gehängelehm 
bedeckt sind, zeigen sich hier aus Schieferletten ge- 



Poisenthal nach, der Goldenen Höhe. • 23 

bildet, die Höhen rechts und links dagegen bestehen 
aus Gesteinen der Breecientuffstufe. Links oben am 
Eande des Plateaus erblicken wir den Segen Gottes - 
Schacht. Dort wo zur Rechten der Wald jenseits der 
Wiese beginnt, folgen wir einem zur Linken am Ge- 
hänge hinauf steigenden Pfad. Nach steilem Anstieg 
erreichen wir das Plateau und die oben hin führende 
Kohlenstrasse, der wir nach rechts in der Richtung 
nach der Prinzenhöhe folgen. Nach links erblicken 
wir den Segen -Gottes Schacht und Hoffnungsschacht 
und dahinter den Windberg, der hier bloss als niedriger 
Hügel erscheint, da er lediglich einen weit vorge- 
schobenen Plateauvorsprung, keine isolirte Bergform 
darstellt. Yor uns endlich erheben sich die nörd- 
lichen Elbthalgehänge hinter Dresden. Auf der 
Hochfläche, auf der wir uns befinden, lagert den 
Breccientuffen die nur wenig mächtige Decke des 
IDeinnaundorfer Quarzporphyrs auf. Um das röthlich 
oder perlgrau gefärbte Gestein anstehen zu sehen, 
gehen wir beim Wegweiser am Glückaufschacht nach 
links nach Kleinnaundorf ab. Die Porphyrbreccien 
und Porphyrconglomerate, die wir bald an der nord- 
östlichen Wegböschung ausstreichen sehen, stellen 
die obersten Schichten des Mittel -Rothliegenden dieser 
Gegend dar. Sie lagern noch auf dem Porphyr, den 
wir jenseits der Eisenbahnbrücke hinter einem Hause 
zur Rechten aufgeschlossen finden. 



24 II. Von Potschappel Dach Niederhässlich und durch das 

Zum Wegweiser zurückgekehrt, schlagen wir 
den Fahrweg nach Boderitz ein, um im ersten Stein- 
bruch rechts einen Einblick in die Gliederung der 
oberen Kreideformation zu erhalten, die hier das 
Eothliegende discordant überlagert. In diesem Stein- 
bruche sehen wir unter einer 0,2 — 1 m starken 
Lehmdecke zunächst lehmigen Sandsteinschutt mit 
vereinzelten nordischen Diluvialgeschieben, darunter 
Feuerstein. Bis zu dieser bedeutenden Höhe von 
336mherauf reichen also dieUeberreste des nordischen 
Diluviums. Darunter folgt ein zur Labiatusstufe ge- 
höriger mürber Sandstein, der hier und noch mehr 
im nördlichsten der Steinbrüche an der Prinzenhöhe 
in seinem untersten Mveau viele Hohlräume enthält, 
die zum Theil mit feinem Sand voll von Serpukt, gar- 
dialis Schhth. erfüllt sind. Der mürbe Labiatussand- 
stein wird unterlagert von einer 1,2 — 2,3 m mäch- 
tigen Thonsandbank, die der Leitthonbank in den 
Plänerbrüchen bei Dresden entspricht (siehe S. 3). 
Unter diesem Thonsand folgt die Carinatenstufe und 
zwar zuoberst bestehend aus der sog. Werksteinbank, 
einem lichtgrauen feinkörnigen Quadersandstein mit 
Ostrea carinata Lam., Inoceramus striatus Ooldf., 
Voh, aequicostata Sow. u. a., zuunterst aus einem 
gelblichen mürben Sandstein mit einer Bank voll 
von Exogyra colu/mba Lam. Sämmtliche Schichten 
fallen unter 5 — 7° nach NO. ein. Es empfiehlt sich, 



Poisenthal nach der Goldenen Höhe. 25 

zur Kohlen Strasse zurück zu gehen und diese bis zu 
den grossen Steinbrüchen an der Goldenen Höhe zu 
verfolgen, die ganz dasselbe Profil darbieten. Den 
Eingang in diese Brüche erreicht man, wenn man 
die Dippoldiswalder Hauptstrasse, mit der sich die 
Kohlenstrosse vereint, knapp 300 Schritt nach links 
verfolgt. Zur Zeit wird nur im vordersten Theil der 
langgestreckten Steinbrüche gebrochen. Es verlohnt 
sich aber, auch die übrigen Theile zu besichtigen, 
um ein Bild von der ausserordentlichen Regelmässig- 
keit in den Lagerungsverhältnissen zu gewinnen. Am 
südlichsten Ende der Brüche kann man dann hinauf 
zum Wirthshaus und Aussichtspunkt der Goldenen 
Höhe steigen, um die sehr lohnende Rundsicht von 
dem dortigen Thurm zu geniessen. 

Besonders schön liegt nach N. zu der Elbthal- 
kessel mit der Stadt Dresden vor dem Beschauer, 
während nach S. zu der Blick auf einen quer vor- 
liegenden langgestreckten Höhenzug stösst, der im 
basaltischen Wilisch , in der Quohrener Kipse und im 
Lerchenberg bei Börnchen gipfelt. Dieser Rücken be- 
steht aus Conglomeraten des Mittel -Rothliegenden, die 
hier die Breccientuffe vertreten. Während aber diese, 
wie wir am Windberg uns überzeugen konnten, wesent- 
lich aus zerkleinertem Porphyr- und Porphyritmaterial 
bestehen, dessen Herkunft im Tharandter Wald, in 
der Gegend von Wilsdruff und Meissen zu suchen ist, 



26 II. Von Potschappel nach Niederhässlioh und durch das 

werden die grobstückigen Conglomerate jenes Rückens 
fast ausschliesslich aus dem lockeren Gneissgeröll 
des unmittelbar anstossenden Erzgebirges zusammen- 
gesetzt. Yiele der Gneissgerölle dieser Ablagerungen 
zeigen eine feine Fältelung und andere Stauchungser- 
scheinungen, wie sie bei denGneissen des Weisseritz- 
thales gewöhnlich sind, ein Beweis dafür, dass schon 
zur Zeit des Rothliegenden bedeutende Faltungen im 
Erzgebirge vollzogen waren, und die Gneisse schon 
denselben petrographischen Charakter besassen, wie 
heute. Hinter diesem breiten Bergrücken erscheinen 
noeh ein paar charakteristische aus Basalt gebildete 
Bergformen, die dem sanft geneigten Erzgebirgs- 
plateau aufgesetzt sind, nämlich der Geising bei 
Altenberg und der Luchberg bei Glashütte, ja bis 
hinauf zur Kammhöhe des Gebirges mit der Kirche 
von Ebersdorf vermag bei klarem Wetter der Blick 
zu dringen. Im Westen öffnet sich das Poisenthal, um 
die Plateauflächen des Tharandter Waldes erschauen 
zu lassen. Im Osten dagegen sehen wir die granitische 
Lausitzer Platte steil im Porsberg abstürzen, und 
rechts davon zeigen sich in blauer Ferne die Berg- 
kegel der Sächsischen Schweiz bis hinauf zum Hohen 
Schneeberg, bei ganz klarem Wetter in grosser Ferne 
auch Kottmar und Lausche. 

Unweit des Wirthshauses zur Goldenen Höhe 
liegen ein paar Aufschlüsse im obersten Mittel -Roth- 



Poiseuthal nach der Goldenen Höhe. 27 

— ^ M^— _ M ^ , ^— ^_ ■ !■■ — ^— ■ ■ ■■■■■ ■ I ■ I ■ M. ■ ■■■ ■ ■ ■ .— 

liegenden, die des Besuches werth sind, aber bald 
verschüttet werden dürften. Es sind verlassene Stein- 
brüche, die man erreicht, wenn man vom Wege nach 
Hänichen hinunter sich auf einem Feldraine nach 
links hin wendet, etwa 300 Schritte weit. Besonders 
im östlichen dieser Brüche sieht man das lichtröthliche 
oder perlgraue Gestein der Hänichener Quarzporphyr- 
decke anstehen, die wahrscheinlich ehemals mit der 
von Kleinnaundorf ein einheitliches Ganze gebildet 
hat und nur durch die Erosion abgetrennt worden ist. 
Ueber dem Porphyre lagern dort noch Conglomerate 
mit Gerollen von Gneiss, Tharandter Porphyr und 
dortigem Porphyr. Einige diesem Conglomerat ein- 
geschaltete schmale Lagen von grauer Arkose von 
typischem Rothliegend -Charakter sprechen dagegen, 
dass diese Schichten etwa schon der Carinatenstufe 
der Kreide angehören. 

Wir gehen zur Goldenen Höhe zurück und treten 
von dort aus den Heimweg nach Dresden über Welsch- 
hufe, Bannewitz, Nöthnitz, Kaitz und Räcknitz an. 
Dicht vor Welschhufe führt dieser Weg an einem 
grossen Quadersandsteinbruche vorüber mit demselben 
Profil, wie in den Brüchen an der Goldenen Höhe. 

Je mehr wir uns von hier ab der Elbe nähern, 
desto mehr verlieren die Gesteine der Carinaten- und 
Labiatenstufe ihren rein sandigen Charakter. Ihr 
Gehalt an kohlensaurem Kalk nimmt immer mehr zu, 



28 II • Von Potschappel Dach Niederhässlich u. s. w. 

bis schliesslich an die Stelle der Sandsteine Planer 
getreten sind. Schon im Strasseneinschnitt kurz vor 
Kaitz sehen wir die Labiatenschichten als Pläner ent- 
wickelt ausstreichen. 

Dicht nördlich vom eben genannten Dorfe, am 
nördlichen Bande des Kaitzbachthales lagern auf dem 
Pläner altdiluviale Schotter, die wir in einer Grube 
rechts von der Strasse unweit des Weinberges an- 
stehend finden. Sie bestehen hier fast ausschliesslich 
aus Gneissen und anderen erzgebirgischen Gesteinen 
und werden von lössartigem Lehm überdeckt, der 
das ganze Gehänge längs der Strasse bis nach Dresden 
hinab überkleidet. 



III. Von Kemnitz durch den Zschoner Grund u. s. w. 29 




III. 

Ton Kemnitz durch den Zschoner Grund 
über Fodemus und Frabschütz nach Cossebaude 

und Niederwartha. 

liese Excursion erweitert die auf der ersten 
Tour gewonnene Kenntniss der Kreideforma- 
tion, führt ferner zu Aufschlüssen in dem 
Rothliegenden des Elbthales und in der Cossebauder 
Gneisszone und giebt endlich einen Einblick in die 
Lagerungsstörungen von Niederwartha. Sie lässt sich 
an einem halben Tage ausführen und berührt aus- 
schliesslich Section Wilsdruff-Potschappel. 

"Wir gehen von der Haltestelle Kemnitz der Bahn- 
linie Dresden -Coswig aus. Zunächst schenken wir 
unsere Aufmerksamkeit dem leider jetzt durch Ueber- 
wachsung ziemlich verwischten Profile, das die fel- 
sige Abböschung längs der Bahnlinie dicht nordwest- 
lich vom Haltepunkt darbietet. Hier steht zuunterst 
mit ganz flach nach Nordost geneigter Schichtung 
Pläner mit Inoceram/us labiatus Schloth. sp. an. Er 
lieferte früher auch Steinkerne des für diesen Hori- 
zont charakteristischen Ammoniten Acanthoceras Wool- 
gari Mant. sp. Auf dem Pläner liegt ein jungdilu- 



30 III. Von Kemnitz durch den Zschoner Grund Aber Podeuras 

vialer lehmiger Schotter, dessen Gerolle hauptsächlich 
dem Weisseritzthal und dem Zschoner Grunde ent- 
stammen. Man bemerkt darunter aber auch nordisches 
Material, das von älteren, wieder zerstörten Diluvial- 
schichten herrühren dürfte. Zu oberst endlich breitet 
sich lössartiger Gehängelehm aus. 

Hierauf durchschreiten wir auf der rechts bei 
Villa Therese vorüber führenden Strasse das Dorf und 
treten auf einer neugebauten Strasse in den landschaft- 
lich reizvollen Zschoner Grund ein. Bei der Welte- 
mühle ist uns leider vorläufig die Wanderung im Thale 
selbst verwehrt. Wir folgen links der Strasse nach 
Briessnitz und von hier aus kurz vor der Kirchhofs- 
mauer dem nach rechts abgehenden Fussweg nach der 
Zschoner Mühle, der sich an der nächsten Weggabel 
nach rechts in den Grund hinab wendet. Anfangs 
vermissen wir in diesem Aufschlüsse. Erst von der 
Stelle ab , wo der Pfad auf das linke Ufer des Baches 
sich begeben hat, sieht man im Bachbett und am Ge- 
hänge Conglomerate ausstreichen. Wir stehen hier 
im Rothliegend -Gebiet des Elbthales, das durch eine 
breite Syenitbarre von dem grossen Döhlener Roth- 
liegend -Becken getrennt ist. Bachaufwärts werden 
wir bald in jenes Syenitgebiet gelangen, thalab- 
wärts aber unter der Decke der hier sich auflegen- 
den Kreideformation breitet sich dieses Rothliegende 
sehr weit in der Richtung nach der Elbe hin aus. 



; •«. - v : 



und Prabschütz nach Cossebaude und Niederwartha. 31 

Es erstreckt sich wahrscheinlich ohne Unterbrechung 
bis nach Dresden, wo durch die artesische Bohrung 
auf dem Antonsplatz in 162,7 m Tiefe rothe und graue 
Sandsteine, rothe Letten und Conglomerate erreicht 
wurden. Das Rothliegend -Conglomerat im Zschoner 
Grund besteht aus Gerollen von Porphyrit und Syenit, 
die durch porphyritischen Detritus fest verkittet sind. 
Früher sind weiter thalab am Gehänge auch bunte 
Thonsteine aufgeschlossen gewesen, die horizontale 
Schichtung aufwiesen. Besonders gute Aufschlüsse 
des Conglomerates bietet das felsige rechte Gehänge 
bei der Umbiegung des Thaies nach Süd. Es ist dort 
ein alter ca. 90 m langer Stolln in das Gestein hinein 
getrieben, das sogenannte Silberloch, angeblich auf 
Kupfererze. 

Zu einer Zeit, wenn die Wiesen gangbar sind, 
kann man von dieser Stelle aus einen kleinen Ab- 
stecher hinüber in das nach Merbitz hinauf führende 
Seitenthälchen machen. Dort sieht man etwa 300 m 
oberhalb der Ausmündung die Ueberlagerung des Roth- 
liegenden durch die untersten Schichten der Cari- 
natenstufe der Kreideformation, die hier aus Quarz- 
sandstein mit Vola notabilis Münst. bestehen. Weiter 
oben lagert sich auf diesem Sandstein der Carinaten- 
pläner auf. 

In den Zschoner Grund zurückgekehrt, gehen 
wir wieder thalaufwärts und gelangen bald aus dem 



32 III. Von Kemnitz durch den Zschoner Grand über Podemus 

Rothliegenden in den sein Liegendes bildenden Syenit. 
Bei der Zschoner Mühle wenden wir uns auf dem 
Fahrweg nach Omsewitz und Ockerwitz hinauf auf den 
rechten Thalrand, um den dort befindlichen Pläner- 
bruch zu besuchen. Bei früheren Arbeiten hat man 
hier als unterstes Glied der Kreideformation unmittel- 
bar auf dem Syenit Plänersandstein angetroffen. Darauf 
folgt ein noch jetzt bisweilen entblösster 3 — 4 m 
mächtiger dunkelblaugrauer Mergel und endlich in 
gegen 12 m Mächtigkeit der Carinatenpläner. Dieser 
enthält in seinem untersten Niveau blaugraue Bänke 
von hohem Kalkgehalt und ausserdem noch einzelne 
faust- bis köpf grosse Knollen und unregelmässige Par- 
tien, die ebenfalls sehr kalkreich sind. In Folge der 
Auslaugimg des kohlensauren Kalkes durch die Sicker- 
wasser sind in der Nähe der senkrechten, das Gestein 
durchsetzenden Klüfte an die Stelle jener kalkreichen 
Knollen Hohlräume getreten, die nur halb mit ocke- 
rigem Sand erfüllt sind. Wer etwa von der Zschoner 
Mühle aus über Omsewitz, Burgstädtel und Cotta 
(Bahn- und Omnibusstation) oder Löbtau (Strassen- 
bahnstation) nach Dresden zurückkehren wollte, würde 
auf dem Wege Gelegenheit haben, die Plänerbrüche 
zwischen Burgstädtel und Cotta zu besuchen. In ihnen 
allen finden wir in der Tiefe den bankig geschichte- 
ten Carinatenpläner aufgeschlossen, darüber, durch 
die Leitschicht von blaugrauem Thon oder Mergel von 



und Prabschütz nach Cossebaude nnd Niederwartha. 33 

jenem getrennt, den unregelmässig plattig geschichte- 
ten Labiatuspläner, hier Zwickpläner genannt, häufig 
mit Nautilus süblaevigatus d'Orb. y seltener mit Acan- 
thoceras Woolgari Mant. sp. oder riesigen Exemplaren 
von A. Austern Sharps. 

Wer indessen am eigentlichen Programm dieser 
Excursion festhalten will, wird von dem Plänerbruch 
am Thalrand zur Zschoner Mühle zurückkehren, durch 
das Gehöft hindurchgehen und den anfangs am Bach 
entlang, später am linken Gehänge hinauf führenden 
Weg nach Podemus einschlagen. Dieser durchschnei- 
det bis kurz vor dem Dorfe Syenitterrain, während 
sich oben auf dem Plateau der Carinatenpläner auf- 
lagert, der seinerseits von lössartigen Lehmen bedeckt 
wird. Yon Podemus wenden wir uns nach Prabschütz 
und von hier, dem Wegweiser nach der Lochmühle 
folgend, durch ein Seitenthälchen hinunter in den 
oberen Cossebauder Grund, der wiederum im Syenit 
eingeschnitten ist. Wir passiren, thalabwärts gehend, 
eine ganze Reihe von Syenitbrüchen. Im. Restaurant 
Waldfrieden oder Lochmühle kann eine Zeit lang ge- 
rastet werden. 

Weiter thalab schreitend finden wir etwa 400 m 
unterhalb einer entschiedenen Umbiegung der Thal- 
richtung nach 0. in den Weinbergen zur Linken Por- 
phyrit anstehen. Das braunrothe oder grauviolette Ge- 
stein bildet einen mächtigen, nach SO. hin gangförmig 

Beck, Geologischer Wegweiser. 3 



34 m. Vöh Kemnite durch den Zschoner Grand über Podemas 

ausgezogenen Stock gerade auf der Grenze zwischen 
dem Syenit und dem grobfaserigen Gneiss. Die Ge- 
birgsscheide, auf welcher das Eruptivgestein empor- 
gedrungen ist, muss als eine Yerwerfungskluft auf- 
gefasst werden. Dafür, dass hier auch noch nach der 
Eruption des Porphyrites ein starker Gebirgsdruck ge- 
wirkt hat, spricht die starke Zerdrückung, die dieses 
Gestein erlitten hat. Wenn wir im Winzerhaus uns 
die Erlaubniss zum Eintritt in den Weinberg ver- 
schaffen, werden wir finden, dass der in halber Höhe 
des Gehänges anstehende Porphyrit eine wahre Brec- 
cienstructur besitzt. 

Weiter thalab folgt der bereits erwähnte Gneiss, 
der den Untergrund der Weinberge der Liebenecke 
und des gegenüber liegenden Gehänges bildet. Wir 
finden ihn an der Ausmündung einer nach S. ab- 
gehenden Seitenschlucht durch einen Steinbruch auf- 
geschlossen. Das röthliche, grobkörnig -flaserige, sehr 
feldspathreiche Gestein zeigt nur sehr undeutliche 
Schichtung. An der linken Steinbruchswand bemer- 
ken wir eine gangartige, steil nach SSW. einfallende 
Quetschzone, innerhalb deren die Gemengtheile des 
Gneisses völlig zerdrückt sind und die Structur des 
Gesteines durch starken Seitendruck eine schieferige 
geworden ist. 

Die Dorfstrasse abwärts schreitend gelangen wir 
dort, wo nach links die beiden Fahrwege nach Lieben- 



und Prabschfitz nach Cossebaade und Niederwartha. 35 

ecke hinauf sich abzweigen, an eine zweite, durch 
eine Verwerfung gebildete Gebirgsscheide. Hier stösst 
an den Gneiss der Labiatuspläner. Eine Gelegenheit, 
diese Dislocation näher zu untersuchen, bietet sich 
uns besser später weiter nach AV. hin. Hier dagegen 
sind die Gehänge wegen der vielen Gärten nicht zu- 
gänglich, auch bedeckt zur Linken mächtiger Gehänge* 
löss die Gesteinsgrenze. Ohne uns darum hier aufr 
zuhalten, erreichen wir am Ausgange des Cossebauder 
Thaies die Bahnlinie und folgen dem längs dieser nach 
Niederwartha führenden Wege. 

Auf der ganzen Strecke zwischen Cossebaude 
und Gauernitz bildet der Labiatuspläner am unteren 
Theile des linken Eibthalgehänges eine deutliche Ter- 
rasse, deren obere Grenze sich meist an die 150 oder 
160m-Curve hält. Hinter dem sanft geneigten Ge- 
lände dieser Plänerterrasse erhebt sich mit viel steile- 
rem Anstieg der grobfaserige Gneiss. Die von NW. 
nach SO. verlaufende Verwerfung von Niederwartha, 
dieselbe, die wir soeben im Cossebauder Grund passir- 
ten, scheidet beide Gesteine voneinander. Der Pläner 
ist am Gneiss abgesunken, und seine längs der Bahn- 
linie ganz flach nach N. oder NO. einfallenden Schich- 
ten haben unmittelbar an der Bruchlinie in Folge von 
Schleppung eine stark aufgerichtete Stellung. Um 
diese zu sehen, biegen wir ca. 160 Schritte hinter 
dem Bahnwärterhaus in den von links herkommenden 

3* 



36 III. Von Kemnite durch den Zschoner Grund Aber Podemus 

Amselgrund ein, dem Wege auf dem linken Ufer des 
Bächleins folgend. Dort aber, wo zur Rechten der 
Laubwald beginnt und das Thfllchen sich gabelt, gehen 
wir etwa 100 Schritte in der westlichen Seitenschlucht 
aufwärts. Hier steht Pläner unmittelbar an der Ver- 
werfung an. Seine stark zerrütteten Schichten strei- 
chen nach N. 85° W. und fallen unter 50 — 65° nach 
NNO. 

Wir kehren jetzt zur Bahnlinie zurück und fol- 
gen dem parallel zu ihr am unteren Gehänge hinfüh- 
renden Fahrweg nach Niederwartha. Kurz vor dem 
Dorfe gabelt sich dieser Weg. Wir wählen den linken 
Zweig, der uns nach dem Tännigtgrund führt und 
bald den Fahrweg nach Oberwartha erreicht. Diesem 
wenige Schritte thalab folgend, finden wir zur Lin- 
ken einen ganz verfallenen Plänerbruch hart an der 
Gneissgrenze. Der stark aufgerichtete Pläner streicht 
nach N. 25 — 30 °W. Die Schichten schiessen im 
oberen Theile der Steinbruchswand unter 80° nach 
NNO., im unteren dagegen unter 75 — 80 ° nach WSW., 
also nach dem Gneiss zu ein. Die Schleppung an der 
Verwerfung hat hier demnach sogar zu einer ganz 
localen Ueberkippung geführt. Noch vor der nahen 
Obermühle zweigt dann nach links ein Fussweg nach 
dem Tännigtgrund ab, der zunächst steil am Gehänge 
hinführt, dann sich unten auf der Thalsohle hält. Er 
erreicht sie am Mühlteich. Wenige Schritte unterhalb 



und Prabschütz nach Oossebande und Niederwartha. 37 

dieses Mühlteiches finden wir einen guten Aufschluss 
im Gneiss. Das hier anstehende Gestein enthält grosse 
Einsprengunge von Orthoklas, die oft deutlich eine 
Zwillingsnatur nach dem Karlsbader Gesetz erkennen 
lassen und aus der verwitterten Masse sich leicht 
herauslösen. Diese Einsprengunge verursachen die 
Ausbildung einer typischen Augengneissstructur. Auch 
hier durchsetzen den Gneiss häufig Klüfte und schmale 
Yerruschelungszonen, innerhalb deren die Gemeng- 
theile starke Zerdrückung erlitten haben. 

Bald haben wir die Gneisszone durchschritten 
und befinden uns wieder im Syenitgebiet. In dem 
hier angesetzten Steinbruch treffen wir Leute, die uns 
den kürzesten Weg hinauf nach Weisstropp zeigen 
können. Yon hier wenden wir uns auf die Strasse 
nach Niederwartha, die an gewissen Stellen eine herr- 
liche Aussicht gewährt. Wir passiren hier abermals 
die Grenze zwischen Syenit und Gneiss, auf der ein 
Gang von Quarzporphyr durch zahlreiche umher- 
liegende Bruchstücke sich verräth. Die Grundmasse 
dieses Gesteines führt an gewissen Stellen abseits der 
Strasse sehr scharf auskrystallisirte Quarze und Feld- 
spathe, die sich aus dem verwitterten Gestein manch- 
mal leicht herausklauben lassen. Im mineralogischen 
Museum zu Dresden kann man eine sehr schöne Suite 
von Orthoklaskrystallen von dort ausgestellt sehen. 
Kurz vor dem Beginn des Gehänges sehen wir end- 



38 III. Von Kemnitz durch den Zschoner Grand über Podemas 

lieh noch auf der linken Seite der Strasse einen Rest 
von altdiluvialem Kies mit Feuerstein und anderen 
nordischen Bestandteilen. Diese Ablagerungen in 
einer Meereshöhe von über 200 m im Vergleich mit 
der Höhe des nahen Mbspiegels von etwa 100 m 
geben uns ein Ausmaass der Erosionsthätigkeit der 
Gewässer seit altdiluvialer Zeit, zu welcher das jetzige 
Hochplateau bei Weisstropp, an dessen Rand wir uns 
befinden, noch Thalboden war. 

Zur Heimfahrt nach Dresden suchen wir die auf 
hohem Damm gelegene Haltestelle von Niederwartha 
auf. Der malerische Blick von hier stromaufwärts der 

* 

Elbe bietet auch geologisches Interesse dar. Wir sehen, 
wie der Strom sich immer nahe am südwestlichen Ge- 
hänge hält, ja schliesslich in dasselbe eintritt, indem 
er zwischen Sörnewitz und Meissen in einem ziemlich 
engen, stellenweise kaum 400 m breiten Erosionsthal 
zwischen den linkselbischen Hochflächen und dem 
Spaargebirge sich einen Durchbruch verschafft hat, 
ohne die breite Thalaue nordöstlich vom Spaargebirge 
zu benutzen, wie es sein diluvialer Vorläufer zu thun 
pflegte. Nur bei grossen Hochfluthen, wie im Früh- 
jahre 1845, umfliesst die Elbe das Spaargebirge noch 
heute und nimmt ihren alten Lauf von Sörnewitz über 
Zaschendorf nach Meissen wieder auf. Das Problem 
dieses merkwürdigen Durchbruchsthaies dürfte sich 
nur schwer lösen lassen. Vielleicht hat man aber 



und Prabschütz nach Oossebaade und Niederwartha. 39 

daran zu denken, dass zeitweilig in der Diluvial- 
periode das breite Elbthal zwischen Zaschendorf und 
AVeinböhla vom Binnlandeis ausgefüllt war, das seinen 
Stirnrand lange Zeit stationär auf dem heutigen Spaar- 
gebirge erhielt. Während dieser Zeit konnte die Elbe 
ihr enges Durchbruchsthal erodiren, das nach dem 
Rückzug des Eises anfangs zugleich mit dem breiten 
Hauptthal, später allein noch von den Gewässern des 
Stromes benutzt wurde. 



40 IV. Von Weissen - Colin nach dem Rieeenstein und Aber die Knorre 



IY. 

Ton Meissen -C&lln naeh dem Riesenstein und 

über die Knorre naeh Zehren, sowie am gegenüber 

liegenden Elbnfer zurück naeh Meissen« 




y •'-»;.;-' 



ieser einen reichlichen halben Tag bean- 
spruchende Ausflug ist dem Meissner Granit - 
Syenitgebiet und seinen mannichfachenErup- 
tivgängen gewidmet und bewegt sich ausschliesslich 
im Gebiete von Blatt Meissen. 

Es empfiehlt sich, die Fahrt nach dem Ausgangs» 
punkt von Dresden aus auf dem Dampfschiff zurück- 
zulegen. Während derselben achte man auf die Prall- 
stelle des Stromes am linken Ufer bei Briessnitz. Das 
Gestein, das dort die Fluthen bei Hochwasser bespülen 
oder vielmehr vor Aufführung der Ufermauern be- 
spült haben, ist Labiatuspläner (vergl. S. 29). Bei 
sehr niedrigem Wasserstand konnte man wahrnehmen, 
dass auch im Strombette selbst der Pläner auf grös- 
sere Strecken hin dort ohne Schotterbedeckung an- 
steht. Zahlreiche Strudellöcher sind an dieser Stelle 
in dem Gestein beobachtet worden. Weiterhin fesselt 
das Interesse des Reisenden die Fahrt durch das 
Durchbruchsthal am Spaargebirge, von dem weiter 
oben (S. 38) die Rede gewesen ist. 



nach Zehren , sowie am gegenüber liegenden Eibufer zurück. 41 

Yon Meissen aus wendet man sich über die 
Brücke hinüber nach Colin. Am jenseitigen Brücken- 
köpf sieht man den Syenit des felsigen Flussbettes 
von mehreren Gängen von Granophyr durchsetzt, 
einem Gestein, das in seiner äusseren Erscheinung 
einem Quarzporphyr ähnelt. Aehnliche Durchsetzungen 
gewahren wir am felsigen Steilgehänge an der Strasse 
dicht südöstlich von der Brücke. In dem alten Stein- 
bruch unterhalb des Eathsweinberges dicht vor dem 
„Kaisergarten" können wir ausserdem die Auflagerung 
der oberen Kreideformation auf dem Syenit studiren, 
dessen Oberfläche sehr unregelmässig gestaltet ist. 
Die unterste Schicht besteht aus einem cenomanen 
Grünsandsteine mit Gerollen von Syenit, Granophyr 
und Quarz. Dieser Sandstein wird von Carniatenpläner 
überlagert. — Wir folgen der Hauptstrasse am Bahn- 
hof vorbei, um dann in die Zaschendorfer Strasse ein- 
zubiegen. Yon hier aus gelangen wir jenseits des 
Ortes Colin auf den Timshübel. Auf dessen Gipfel 
streicht in mehreren Klippen ein prachtvoll grobflase- 
riger Augengneiss aus, der quer zur Maserung von 
einem etwa 0,5 m mächtigen, am Salband feinkörni- 
gen und lagenförmig entwickelten, im medianen Theil 
gröber ausgebildeten Granitgang durchsetzt wird. Nach 
Ueberschreitung der Wiese wenden wir uns beim 
Friedhof nach links in die Steinbrüche am Kiesen- 
stein. Der dortige grobkörnige, sehr quarzreiche, 



42 IV. Von Meissen - Colin nach dem Kiesenstein und über die Knorre 

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äusserst glimmerarme, rauchgrau auf fleisehrothem 
Grund gefleckte Granit bildet ein gesuchtes Material 
nicht nur für bossirte Pflastersteine, sondern auch 
für grössere Werkstücke zu Monumenten aller Art 
Er ragt in einer Anzahl niedriger Kuppen aus dem 
jungdiluvialem Eibbette hervor, das sich in breiter 
Ausdehnung nördlich vom Spaargebirge hinzieht. Yon 
den vorderen Steinbrüchen aus suchen wir uns einen 
Uebergang über die Bahnlinie, überschreiten die hinter 
ihr gelegene Wiese und gelangen so am „ Gasthaus zum 
Kiesenstein" auf die Strasse, die uns zur Eibbrücke in 
Colin zurückführt. Yon dort ab gehen wir am Eibufer 
abwärts und erreichen am Katzensprung den Steilhang 
der von Norden her nun an den Strom herantretenden 
Winkwitzer Hochflächen. Bis zu unserem Endziel 
Zadel führt unser Weg am Fusse dieses Steilhanges 
und zugleich nahe am Eibufer hin. Anfangs fehlen 
leicht erreichbare Aufschlüsse. An den Blöcken der 
Weinbergsmauern ersehen wir aber, dass das Gehänge 
hier nicht mehr wie zu Colin aus normalem Syenit, 
sondern aus Syenitgranit besteht, der von Granophyr- 
gängen durchschwärmt wird. Bald gelangen wir nach 
der geologisch berühmten Knorre, einem bis hart an 
den Fluss vorspringenden Felsen, an dem wir eine 
reiche Auswahl von Eruptivgängen inmitten des Syenit- 
granites studiren können. Das hier vielfach biotit- 
reiche Schlieren enthaltende Gestein wird zunächst 



nach Zehren, sowie am gegenüber liegenden Eibufer zurück. 43 

durchsetzt von Gängen von feinkörnigem Ganggranit 
und kleinen Trümern von Pegmatit. Beide werden 
durchschnitten von Granophyrgängen, und diese wieder 
durchsetzt von Lamprophyren. Es empfiehlt sich, 
das in den Erläuterungen zu Section Meissen auf 
Tafel I von Sauer gegebene Profil hier zur Hand zu 
nehmen, um sich rasch in die ziemlich complicirten, 
zugleich die Altersfolge aller dieser Gesteine so deut- 
lich vor Augen führenden Lagerungsverhältnisse hinein 
zu finden. Sodann besuchen wir den zweiten Stein- 
bruch thalab von der Knorre, wo wir Granit anstehen 
sehen. Das dortige Gestein besitzt eine klein- bis 
feinkörnige Grundmasse mit porphyrartig eingespreng- 
ten grösseren Feldspathen und weicht hierin, wie in 
anderen Merkmalen vom eigentlichen Hauptgranit der 
Gegend ab. Im Steinbruch nahe am ersten "Wohnhaus, 
das wir passiren, wird Granit von einem Quarzporphyr- 
gang und dieser wieder von einem Lamprophyrgang 
durchsetzt. Wir befinden uns hier im Gebiete des 
Meissener Hauptgranites, mit dem der bei Colin ge- 
fundene Syenit vermittelst des Syenitgranites ohne 
scharfe Grenze verknüpft ist. In den Steinbrüchen an 
der Karpfenschänke können wir den Granit noch 
mehrfach von Lamprophyrgängen durchsetzt sehen. 
Halbwegs zwischen der erwähnten Schänke und Zadel 
dagegen fällt der Blick auf einen mauerartig hervor- 
tretenden Gang von Zehrener Quarzporphyr im Granit. 



44 IV. Von Meiosen - Colin nach dem Rieaenstein and über die Knafre 

Dieses auch als quarzreicher Porphyrit aufgefasste 
Ganggestein zeigt in einer tiefrothbraunen Grund- 
masse zahlreiche Einsprengunge von erbsengrossen 
Quarzdihexaedern, von sanidinartig frischen Ortho- 
klasen und von Biotit. Ein zweites derartiges Yor- 
kommniss präsentirt sich beim Orte Zadel selbst als 
schroffer, dunkelgefärbter, massiger Felsvorsprung. 

Bei Zadel setzen wir über nach Zehren. Yon 
hier aus würde mit unserer Excursion unter Umstän- 
den ein lohnender Abstecher nach den Porzellanerde- 
gruben bei Seilitz sich verbinden lassen, wo sich die 
allmähliche Kaolinisirung des in der Tiefe anstehenden 
Pechsteines gut beobachten lässt. Sonst folgen wir 
der an der Elbe hin führenden Landstrasse nach 
Meissen, die uns an einigen besuchenswerthen Stein- 
brüchen vorüberführt. In einem solchen bei Keil- 
busch etwa 400 Schritt nach der Bachüberbrückung 
sehen wir normalen Granit mit pegmatitischen Gängen 
und zum Theil kugelig gestalteten dunkelgefärbten 
basischen Schlieren anstehen. Thalaufwärts von der 
Nickels -Mühle folgen dann mehrere Granitbrüche mit 
Lamprophyrgängen , und endlich vor den Kloster- 
häusern tritt an die Stelle des Hauptgranites der 
Syenitgranit mit seinen extremen, feldspathreichen, 
local rein syenitischen Abstufungen, überall mit dun- 
kelen basischen Schlieren und von Ganggraniten durch- 
setzt. Mehrfach finden wir an der Strasse auch Grano- 



nach Zehren, sowie am gegenüber liegenden Elbnfer zurück. 45 

phyrgänge aufgeschlossen mit verschiedenen Structur- 
abänderungen am Salband felsitisch dicht entwickelt. 
Schliesslich führt uns die Strasse unterhalb der male- 
rischen Albrechtsburg vorüber, die bereits wieder 
auf normalem Syenit gegründet ist, und wir haben 
Meissen erreicht. 



46 V. Von Meissen das Triebischthal aufwärts bis Miltitz. 




Y. 

Ton Meissen das Triebischthal aufwärts 

Ms Miltitz. 

iese zweite Excursion im Gebiete von Section 
Meissen erfordert ziemlich einen Tag, lässt 
sich aber bequem noch nach einer etwa früh- 
morgens unternommenen Besichtigung der oberhalb 
der Stadt im Triebischthal gelegenen Königlichen 
Porzellanmanuf actur zur Durchführung bringen, zumal 
wenn der Reisende nach Vollendung von Tour IY in 
der freundlichen Stadt selbst übernachtet hat. Der 
Ausflug gilt besonders den Pechsteinen, wie auch den 
Contacterscheinungen im Schiefergebirge an seiner 
Grenze mit dem Meissner Granit -Syenitmassiv. 

Yor Beginn der eigentlichen Thalwanderung 
lohnt es, den oben am linken Triebischthalrand gele- 
genen Korbitzer Schanzen einen Besuch abzustatten. 
Dorthin führt uns ein kurz vor der Porzellanfabrik 
abgehender, das Dorf und Yorwerk Korbitz berühren- 
der und dann nahe am Thalrand sich hinziehender 
AVeg. Das Gehänge besteht aus dem sogenannten 
Dobritzer Quarzporphyr, einem durch eine sehr auf- 
fällige Fluidalstructur ausgezeichneten, oft plattig 



V. Von Meissen das Triebischthal aufwärts bis Miltitz. 47 

abgesonderten, lichtröthlich gefärbten, meist dunkel 
gestreiften Felsitporphyr. In dem alten Steinbruch 
an den Korbitzer Schanzen finden wir inmitten dieses 
Dobritzer Porphyres eine Pechsteinmasse entwickelt, 
vorzüglich mit rothlich gefärbten, hyacinthrothen bis 
rothbraunen, daneben auch mit grünlichen Farben- 
abänderungen. Der rein glasige Pechstein ist hier 
durch Uebergänge verbunden mit einem felsitischen 
Gestein von mikrokrystalliner Structur. Diese Felsit- 
masse durchtrümert zum Theil maschenförmig den 
normalen Pechstein und ist oft augenscheinlich an 
die perlitischen Sprünge geknüpft, die jenen durch- 
ziehen. Ausserdem sitzen in dem felsitischen Pech- 
stein bis über köpf grosse Hornsteinkugeln, die aus 
zahlreichen kleineren Kugeln und Nieren sich zu- 
sammensetzen. Ist der Pechsteinfelsit, wie man das 
dort öfter bemerken kann, fluidalstreifig entwickelt, 
so kann man mitunter diese Streifen ungehindert 
durch die Hornsteinkugeln hindurch gehen sehen. 
Manchmal endlich sind die grösseren Kugeln parasi- 
tär mit kleineren besetzt, sodass sie, besonders wenn 
sie platt gedrückt sind, an Imatrasteine erinnern. 
Wir verlassen die Korbitzer Schanzen auf einem zu- 
nächst nach SSO. führenden Pfad, der schliesslich 
bei der Altenburg auf die Thalstrasse stösst. Wir 
benutzen diese vorläufig nicht, sondern zunächst einen 
Fussweg am Fusse des felsigen aus einem bräunlichen 



48 V. Von Meissen das Triebischthal aufwärts bis Miltitz. 

Glimmerporphyrit bestehenden Hohen Eifers hin, der 
später wieder in sie einbiegt. Die Flanken eines 
vorspringenden Thalspornes, den wir darauf umgehen, 
werden von mächtigen in einer Ziegelei abgebauten 
Gehängelehmen bedeckt. Alsdann gelangen wir an 
das Wirthshaus zum Buschbad, in dessen Nähe, und 
zwar dicht westlich an der dortigen Chamotteofen- 
Fabrik, eine Grube in einem völlig kaolinisirten Tuff- 
gestein angesetzt ist. Westlich von dieser Grube, jen- 
seits der Bahnlinie steht dagegen ein typischer fluidal- 
streifiger Quarzporphyr vom Dobritzer Typus an. 
Unmittelbar an diesen stösst endlich die mächtige 
Pechsteinmasse des Götterfelsens an. Hier wird zeit- 
weilig hart an der Strasse eine schwärzliche Pech- 
steinvarietät gebrochen, wie denn überhaupt der Pech- 
stein neuerdings in grösserem Maassstab zur Verwen- 
dung in Glasfabriken gewonnen wird. 

Sehr bald erreichen wir jetzt den nach rechts 
abgehenden Fahrweg nach Dobritz, den wir bis zu 
dem noch unterhalb des Dorfes gelegenen grossen 
Steinbruch verfolgen. Hier finden wir den fluidal- 
streifigen Quarzporphyr prachtvoll aufgeschlossen. 
Seine Masse ist in Folge der beginnenden Kaolini- 
sirung von Klüften aus weisslich ausgebleicht. Sehr 
auffällig ist ferner auch eine bankartige horizontal 
verlaufende Absonderung, die hier vorherrscht. Nach 
der Strasse zurückgekehrt und auf dieser weiter wan- 



Y. Von Meissen das Triebischthal aufwärts bis Miltitz. 49 

dernd kommen wir nach etwa 400 Schritten an einem 
zweiten Bruch in diesem Gestein vorüber. Schliess- 
lich kurz vor der Fichtenmühle sehen wir nochmals 
Pechstein angebrochen und zwar hier eine grünliche, 
ausserordentlich frische Varietät. Eine weitere Aus- 
dehnung des dortigen Steinbruches dürfte später auch 
die Grenzverhältnisse zwischen dem Pechstein und 
dem nordöstlich anstossenden Dobritzer Quarzporphyr 
biossiegen. Wer die eigenthümliche Durchtrümerung 
des grünlichen Pechsteines mit secundär aus ihm 
durch Wasseraufnahme entstandenen Felsit studiren 
will, findet geeignetes Material an dem weiter thal- 
auf wärts nach Garsebach hinauf führenden Fahrweg. 
Man kann diesen bis an die ersten Häuser des oberen 
Dorftheiles verfolgen und alsdann durch die Pflaumen- 
plantage hinab zur Strasse zurückkehren. 

Am Gasthaus zu Garsebach haben wir die Syenit- 
grenze erreicht. Blicken wir von hier hinüber nach 
dem Bahneinschnitt, so sehen wir unmittelbar auf 
dem Syenit zunächst einen weissen Tuff aufgelagert, 
dessen dicke Bänke thalabwärts fallen. Der Dobritzer 
Porphyr und Pechstein legen sich auf diesen erst 
weiter nach NO. hin auf, und die dicken Bänke, in 
die der Pechstein bei Garsebach abgesondert ist, sind 
im gleichen Sinne geneigt. 

Die weitere "Wanderung führt uns jetzt durch 
ein ziemlich einförmiges Syenitgebiet bis zum Bahn- 
Beck, Geologischer Wegweiser. 4 



50 V. Von Meissen das Triebischthal aufwärts bis Miltitz. 

hof von Miltitz. Frische Anbrüche im Syenit mit 
schönen Titaniten finden wir namentlich am Thalsporn 
oberhalb der Neidmühle. Das Gestein ist hier durch 
Parallelstelliing der Orthoklase gestreckt, enthält horn- 
blendereiche dunkele Ausscheidungen von linsenähn- 
licher, der Streckung paralleler Gestalt und wird von 
schmalen Parallelgängen eines mittelkörnigen feld- 
spathreichen Granites durchsetzt. Beim erwähnten 
Bahnhof grenzt an das Syenitmassiv ein wahrschein- 
lich silurisches Schiefergebirge an, das ursprünglich 
aus Thonschiefern, Grauwacken, Diabastuffen und 
dichten Kalksteinen bestanden haben dürfte, jetzt aber 
stark von der Contactmetamorphose umgewandelt ist. 
Ein vom Bahnhof aus hart an der Bahn hinführender 
Fussweg bringt uns nach dem Kalkbruch. Hier wird 
ein feinkörnig -krystalliner marmorartiger Kalkstein 
gewonnen, der im Liegenden und Hangenden von 
schieferigen Hornblendegesteinen , amphibolitisirten 
Diabastuffen, begrenzt wird. Stellenweise sind diesen 
zahlreiche Schmitzen und dünne Lagen von Kalkstein, 
zuweilen auch solche von derbem Granat, Epidot und 
Yesuvian eingeschaltet, sodass auf dem Querbruch 
ein gebändertes Aussehen entsteht. Neben den nor- 
malen Hornblendeschiefern wurden hier auch Antho- 
phyllitschiefer mit untergeordnetem Cordieritgehalt 
nachgewiesen. Es lohnt, die ausgedehnten Weitungen, 
die beim unterirdischen Abbau des Kalksteins hier 



V. Von Meissen das Triebisohthal aufwärts bis Miltitz. 51 

geschaffen worden sind, zu besuchen, was unter 
Fackelbeleuchtung und Abbrennung von Buntfeuer 
gegen Erlegung der Taxe gern gestattet wird. Man 
wolle sich hierbei auch auf die interessanten Schlotten- 
bildungen aufmerksam machen lassen, die durch die 
auflösende Thätigkeit des Sickerwassers im Kalkstein 
hervorgerufen wurden, während ein Wiederabsatz des 
gelösten Kalkes in Form von Stalaktiten vermisst 
wird. Um endlich auch noch die vorwaltenden Ge- 
steine dieses contactmetamorphen Schiefergebietes 
kennen zu lernen, nämlich Quarzbiotitschiefer, zuwei- 
len mit einem Gehalt von Andalusit und Sillimanit, 
wird man eine Strecke weit die aus dem Thale in 
einer Seitenschlucht nach dem Dorfe Miltitz hinauf 
führende Fahrstrasse einschlagen, oder einen Stein- 
bruch am östlichen Gehänge des Hauptthaies besuchen, 
wohin uns ein Weg von der nahen Mühle aus führt. 
Man wird endlich durch den Anblick mehrerer Kies- 
gruben an demselben Thalgehänge auf ausgedehnte 
Ablagerungen von altdiluvialen Flussschottern aufmerk- 
sam, die am Plateaurand unter einer Lehmbedeckung 
zu Tage treten. 

Die Eückfahrt nach Dresden von Miltitz aus 
kann über Meissen oder Nossen angetreten werden. 



52 VI. Von Kötzschenbroda über Neucoswig 




YI. 

Yon Kötzschenbroda über Nencoswig nach den 

Plänerbrttehen yon Wemböhla. 

iese halbtägige Excursion bewegt sich aus- 
schliesslich im Gebiete von SectionKötzschen- 
broda und soll die geologische Zusammen- 
setzung des Steilabfalles des Lausitzer Plateaus mit 
seinen interessanten Ueberschiebungserscheinungen 
erläutern. Wie sich zeigen wird, sind gute Auf- 
schlüsse zur Zeit hier ziemlich spärlich vorhanden, 
aber dennoch lohnt auch jetzt noch ein Besuch dieser 
Gegend, zumal die "Wanderung in landschaftlicher 
Beziehung so reizvoll ist. 

"Wir sind mit der Bahn nach Kötzschenbroda ge- 
langt und folgen sofort der geraden, uns nach der 
Friedensburg hin führenden Strasse durch den freund- 
lichen Villenort, der Haidesand zum Untergrund hat. 
Am Berggehänge angelangt, schlagen wir die durch 
Telegraphenstangen markirte Fahrstrasse nach dem 
genannten Aussichtspunkt ein. An einer Biegung der- 
selben finden wir in einem verfallenen Steinbruch 
das Gestein, aus dem das Plateau hier besteht, Sye- 
nit, aufgeschlossen. Es besitzt ziemlich grobkörnige 



nach den Plänerbrfichen von Weinböhla. 58 

Ausbildung und wird von zahllosen Klüften und mit 
Frictionsstreifen versehenen Kutschflächen durchzogen. 
Diese starke Zerrüttung deutet uns an, dass wir uns 
nahe an der grossen Dislocation befinden, die den vor 
uns liegenden Steilabsturz erzeugt hat, wie bereits 
auf S. 15 angedeutet worden ist. Yon einem früher 
in diesem Steinbruch angeschnittenen Dioritgang ist 
zur Zeit nichts mehr zu sehen. Oben auf der Friedens- 
burg belohnt uns für den Anstieg eine prächtige Aus- 
sicht auf die Mbthalweitung und die uns gegenüber 
liegenden Anhöhen. Nach SO. hin vermag der Blick am 
Erzgebirgsabhang empor zu dringen bis zum basaltischen 
Sattelberg bei Schönwalde. Auch der ebenfalls basal- 
tische "Wilisch bei Kreischa und die Quohrener Kipse 
zeigen sich und geben uns zugleich die Ausdehnung 
des Rothliegend -Gebietes an, das sich aus dem 
Plauenschen Grund bis dorthin nach SO. zu erstreckt. 
Yom diesseitigen Eibthalgehänge präsentiren sich be- 
sonders schön die Höhen von Losch witz und Weisser 
Hirsch, die wir bis zum jäh vorspringenden Pors- 
berg bei Pillnitz verfolgen. Längs dieses Steilab- 
sturzes führt die grosse Dislocation hin, die wir 
heute verfolgen wollen. Eechts vom Porsberg ent- 
decken wir endlich auch die Berge der Sächsischen 
Schweiz und erkennen , eine wie tiefe Lage deren gra- 
nitischer Sockel besitzen muss gegenüber dem Lausitzer 
Granitplateau, dessen Abfall im Porsberg sich zeigt. 



54 VI. Von Kötzschenbroda über Neacoswig 

Aus dem Gehöft der Friedensburg weist uns ein 
"Wegweiser am Waldrand hinter den Gebäuden auf 
einen Weg hinab zum Sehwarzen Teich, einem schön 
gelegenen dunkelen Weiher, und von dort gelangen 
wir auf Promenadenwegen immer dem Thälchen folgend 
bis zu den ersten Landhäusern zur Linken. Kurz vor 
diesen gewährt das östliche Gehänge gute Aufschlüsse 
im typischen Lösssand. Dieser ähnelt in seiner fein- 
sandigen bis mehligen lockeren Beschaffenheit und 
bei grösserer Mächtigkeit auch in seinem Kalkgehalt 
dem eigentlichen Löss, enthält aber gröbere Quarz- 
körnchen, als dieser. Auch der Lösssand dürfte in 
der Hauptsache von Winden angeweht worden sein. 
Yon hier aus begeben wir uns hinauf auf die bei der 
nahen Villa Mohrenhaus vorüber führende Strasse und 
gehen auf dieser abwärts bis zum nächsten rechts 
nach dem Himmelsbusch abzweigenden Weg. Die An- 
höhe dieses Namens wird von einem quarzfreien Horn- 
blendeporphyrit gebildet. Dieses braunroth gefärbte 
Gestein setzt als stockförmig anschwellender Gang 
im Syenit auf. Steinbrüche in demselben liegen nur 
innerhalb der Weinbergsmauern, wir vermögen den 
Porphyrit indessen an dem Lesesteinmaterial am Wege 
genügend zu studiren. Nachdem wir die herrliche 
Aussicht auf der Höhe des Himmelsbusches genossen 
haben, gehen wir den steilen Pfad hinunter zur Villa 
Johannisburg und von hier zwischen den Weinbergen 



nach den Plänerbrüchen von Weinböhla. 55 

hindurch nach dem Weingute Kynast bei Zitzschewig. 
Man folgt der dort ausmündenden Schlucht aufwärts 
bis zu dem am südlichen Gehänge angesetzten Stein- 
bruch. Hier steht noch Syenit an, weiter oben am 
Berge jedoch stösst man auf Gneiss. Dies Yorkomm- 
niss gehört zu der fast 5 km langen und bis 700 m 
Breite oberflächlich aufgedeckten Gneisszone, die 
zwischen dem grossen Laubenberge bei Weinböhla 
und dem Hohen Haus bei Zitzschewig an der Eibthal- 
kante sich hinzieht und nach 0. zu an das ausgedehnte 
Syenitterrain der Moritzburger Gegend angrenzt. 
Ueberall herrschen in diesem Areale grobnaserige 
Gneisse vor, stellenweise auch Augengneisse, dieselben 
Gesteine, die wir drüben am jenseitigen Elbthalge-» 
hänge bei Gauernitz beobachten können und die wir 
auf unserer III. Excursion bei Cossebaude angetroffen 
hatten. Früher war in dem angegebenen Steinbruch 
die Grenzfläche zwischen Syenit und dem Gneisse 
direct aufgeschlossen. Sie charakterisirte sich als 
eine Yerwerfungskluft, theilweise erfüllt mit einer 
Reibungsureccie aus Bruchstücken von Syenit, Granit 
und Gneiss. Yom Weingut Kynast aus, wohin wir 
zurück kehrten, begeben wir uns hinunter ins Dorf 
Zitzschewig und von hier auf durch Wegweiser gut 
markirten Wegen nach der Spitzgrundmühle. Wir 
haben bis dorthin eine ebene Haidesandfläche zu über- 
schreiten. An der Strasse zwischen dem Restaurant 



56 VI. Von Kötzschenbroda über Neucoswig 

und der eigentlichen Spitzgrundmühle ist dieses Dilu- 
vialgebilde durch eine kleine Grube aufgeschlossen 
und zeigt deutliche horizontale Schichtung. Der Spitz- 
berg gerade vor uns besteht aus Augengneiss, während 
an seinem Westfusse früher Plänerkalkstein abgebaut 
worden ist. Man hatte hier ähnliche Lagerungsver- 
hältnisse angetroffen, wie in den Plänerbrüchen von 
"Weinböhla, die wir nach Passirung eines Kalkofens 
und nach kurzer Wanderung durch die Haide erreichen. 
Yon den ehemals so berühmten und viel be- 
suchten Aufschlüssen ist hier nicht mehr viel übrig 
geblieben, aber immer noch genug, um uns ein Bild 
von den eigentlichen Lagerungsverhältnissen zu geben. 
Am südöstlichen Ende der Brüche, wohin wir zunächst 
gelangen, sehen wir unter einer mächtigen Decke von 
wohlgeschichtetem Haidesand den Brongniartipläner 
in steil aufgerichteten Schichten anstehen, nicht aber 
den angrenzenden Syenit, wie früher zuweilen. Sollte 
der Bruchbetrieb auch dieses Gestein wieder bloss- 
legen , so würden wir die Grenzfläche zwischen Pläner 
und Syenit gegen NO. hin einfallend finden. Denn 
die grosse Dislocation trägt hier, wie an vielen anderen 
Punkten, den Charakter einer Ueberschiebung. Die 
Gesteine des Lausitzer Plateaus sind über die über- 
kippten Plänerschichten ein Stück hinweg geschoben 
worden. Nur in dem verlassenen Bruchtheil nördlich 
von dem kleinen Maschinenhaus lässt sich die so er- 



nach den Plänerbrüchen von Weinböhla. 57 

zeugte Ueberlagerung des Pläners durch den dort 
überaus stark zerklüfteten Syenit noch einigermaassen 
gut übersehen. Um uns über die stratigraphische 
Stellung der Plänerschichten zu orientiren, suchen 
wir nach Yersteinerungen, die wir gewöhnlich vom 
Bruchmeister R. Fichtner im nordwestlichen Bruch 
erwerben können. Am häufigsten wird dem Besucher 
ein Seeigel, Micraster cor testudinarium Qoldf., ein 
Ammonit, Pachydiscus peramplus Mant. und ein Zwei- 
schaler, Spondylus spinosus Sow. angeboten. Diese 
Petrefacten beweisen, dass diese Schichten der Stufe 
des Inoceramus Brongniarti Sow. und der Scaphiten 
zugehörig sind, also zum Mittelturon zu ziehen sind. 
Ausser den genannten finden wir bisweilen Terebratula 
semiglöbosa Sow., Terebratulina gracilis Schloih., Rhyn- 
chonella plicatüis Sow., Inoceramus Brongniarti Sow. 
und Scaphites Oeinitxi d'Orb., sowie Oocyrrhina Man- 
telli Ag. , Ptychodus mammillaris Ag. und andere Fisch- 
zähne in den Aufsammlungen der Steinbrecher vor. 
Im Liegenden derPlänerkalke mit der eben angeführten 
Fauna trifft man Plänermergel der Stufe des Inocera- 
mus labiatus Schloth. an, die aber für gewöhnlich 
nicht aufgeschlossen sind. 

Zur Heimfahrt nach Dresden schlägt man am 
besten den Weg nach der Haltestelle Neu-Sörnewitz 
an der Bahnlinie Meissen ein. Die Wanderung dahin 
geht über eine monotone Haidesandfläche. Die ge- 



58 "VT. Von KÖtzschenbroda über Neucoswig u. s. w. 

nannte Haltestelle liegt am östlichen Bande des jung- 
diluvialen Elbthalbodens, der sich nach NW. hin am 
Spaargebirge vorüber wendet, um bei Colin mit dem 
jetzt vom Strome benutzten Thale sich^zu vereinen 
(vergleiche hierüber S. 38). Nach Nord hin wird 
dieser alte Thalboden begrenzt durch die Höhen von 
Grobem mit der weithin sichtbaren Kirche und von 
Oberau. Dieser Höhenrücken wird von den Gesteinen 
der Kreideformation, besonders von Labiatuspläner ge- 
bildet, der stellenweise von altdiluvialen Elbschottern 
überdeckt ist. Beim Bau des Tunnels der Leipzig - 
Dresdner Eisenbahn durch jene Hügelkette wurde 
unter dem Labiatuspläner auch noch der kalkige Glau- 
konitsandstein der cenomanen Carinatenstufe aufge- 
schlossen, dessen unterste conglomeratische Bänke 
unmittelbar dem Gneisse aufgelagert waren. 

Leicht ist es auch möglich, diese Excursion nicht 
in Neusörnewitz zu beenden, sondern daran den 
ersten Theil von Tour IY zu schliessen und etwa in 
Meissen zu übernachten. In diesem Falle würde 
man sich von den Planerbrüchen über das Dorf Wein- 
böhla nach dem Südwestende von Niederau und von 
hier auf der Meissner Strasse bis zum Gasthaus zum 
Riesenstein zu wenden haben, wo dann das Programm 
von Tour IV in umgekehrter Reihenfolge einzu- 
setzen hat. 



VIII. In die Dresdner Haide. 59 




YIL 
In die Dresdner Halde. 

resden geniesst unter den Gbrossstädten mit 
wenigen anderen das Vorrecht, unmittelbar 
vor seinen Thoren ein an landschaftlichen 
Schönheiten reiches, ausgedehntes Waldgebiet zu be- 
sitzen. Der Zweck der folgenden Excursion ist es, 
den geologischen Bau dieses beliebten Ausflugszieles 
der Eesidenz zu demonstriren. Man wird die Tour 
in einer starken Halbtagsleistung bewältigen können, 
besser jedoch ihr einen vollen Tag widmen. Sie be- 
rührt die Sectionen Dresden, Moritzburg -Klotzsche 
und Pillnitz. 

Wir besteigen auf dem Albertplatz in Dresden - 
Neustadt die Strassenbahn nach dem St. Pauli -Fried- 
hof, die uns am Leipziger Bahnhof vorüber führt. 
Hinter den Häusern der Neustadt sehen wir zur Rech- 
ten mit steilem Anstieg die Haidesandterrasse sich 
erheben, auf deren Rand die grossen Kasernenbauten 
sich bemerkbar machen. Diese, die jungdiluviale Elb- 
thalaue, die wir zunächst durchfahren, um etwa 50 m 
überragende Terrasse ist dem in geologischer Be- 
ziehung zum Lausitzer Plateau gehörigen Syenit- 



60 VII. In die Dresdner Haide. 

Granitgebiete von Moritzburg vorgelagert und mässigt 
in der Gegend von Dresden die relative Höhe von 
dessen südlichem Steilabsturz. Ihr für Land- und 
Forstwirtschaft verhältnissmässig nicht sehr werth- 
volles Areal ist fast gänzlich für die militärischen 
Bauten und Uebungsplätze in Anspruch genommen 
worden. 

Yom Endpunkt der Strassenbahn gehen wir einige 
Schritte auf der Landstrasse nach Rhänitz aufwärts 
bis zur Dresdner Mörtelfabrik. An der Kirchhofsmauer 
entlang gelangen wir von hier nach den grossen Gru- 
ben im Haidesand. Dieser ist ein gleichmässig fein- 
körniger Quarzsand mit ziemlich reichlich beigemeng- 
ten verwitterten Feldspathbröckchen, sowie silber- 
weissen kleinsten Glimmerschüppchen. Er besitzt 
eine lichtgraue oder lichtgelbe Färbung und zeichnet 
sich durch eine sehr deutliche horizontale oder schwach 
geneigte Schichtung aus. Nur in seinen obersten Par- 
tien von durchschnittlich 1 m Mächtigkeit hat er durch 
die Einflüsse von Wind und Pflanzenwelt diese Schich- 
timg eingebüsst. Zuweilen sind den dünnen Sand- 
lagen auch solche von Quarzgeröllchen zwischen- 
geschaltet, unter denen man wohl auch Stückchen 
von Lausitzer Granit, von erzgebirgischem Gneiss, 
von Kieselschiefer und Hornstein, sowie spärliche, 
dem nordischen Diluvium enstammende Fragmente 
von Feuerstein entdeckt. 



VII. In die Dresdner Haide. 61 

Nachdem wir den prächtigen Ausblick auf das 
Eibthal und die gegenüberliegenden Höhen von unse- 
rem Standorte gewürdigt haben, gehen wir zur Land- 
strasse zurück und folgen ihr nach N. hin bis zum 
Waldrand. Nach Ost hin breitet sich hier vor unse- 
ren Blicken eine typische Dünenlandschaft aus, wie 
wir sie kaum mitten im Binnenlande erwartet hätten. 
Ueberall, wo der leicht bewegliche Haidesand einer 
schützenden Pflanzendecke entbehrt, sehen wir ihn 
noch heute als Flugsand von jedem heftigen "Winde 
fortgeführt und nach und nach zu langgestreckten, 
senkrecht zur herrschenden Windrichtung verlaufen- 
den Hügelrücken zusammengeblasen. Diese Dünen- 
züge streichen daher bei den vorwaltenden West- 
winden und den vermöge ihrer Trockenheit als Trans- 
portmittel von Sand besonders wirksamen Ostwinden 
in der Hauptsache von NNW. bis N. nach SSO. bis S. 
Nur nahe der dem Elbthal zugekehrten Kante der 
Haidesandterrasse verlaufen sie parallel zum Thalrande, 
wohl weil sich die Winde in dem halbkreisförmigen 
Ausschnitt der jungdiluvialen Eibaue in der Haide- 
sandterrasse fangen und dann senkrecht zu jener Kante 
auf die höher gelegenen Sandflächen überspringen. Wir 
sehen die Oberfläche der Dünen überall von SW. her 
schwach ansteigen, nach NO. hin dagegen steil ein- 
fallen und das anstossende Haidesandterrain um etwa 
10 m überragen. Nur mühsam vermögen die Bäume 



62 VII. In die Dresdner Haide. 

und Sträucher im Windschatten dieser Hügel mit dem 
Wachsthum der angewehten Flugsandschichten glei- 
chen Schritt zu halten, sie verkrüppeln vielfach und 
bieten als Sandfänger zur Bildung kleiner Secundär- 
dünen Anlass. Auch die charakteristischen Rippel- 
marken in Gestalt von parallel zur Längsachse der 
Dünen verlaufenden, schwach geschlängelten Rinnen 
und sie trennenden Rippen können wir hier beobach- 
ten, wenn die Sandoberfläche frisch vom "Winde be- 
arbeitet ist. Temporäre Aufschlüsse in einem sol- 
chen Sandhügel würden uns endlich die steilgeneigte 
Schichtung im Inneren dieser äolischen Gebilde gut 
erkennen lassen, die von der horizontalen Lagerung 
des vom "Winde noch unberührten Haidesandes stark 
absticht. 

Nachdem uns diese Beobachtungen eine Strecke 
weit in der Richtung nach 0. abseits geführt haben, 
kehren wir zur Strasse zurück und durchkreuzen auf 
ihr den Exercierplatz bis zum Gasthaus zum Letzten 
Heller. Hier sehen wir hinter der Sandterrasse den 
aus Syenit aufgebauten , vielfach aber durch oberfläch- 
liche Haidesandablagerungen gleichsam verschleierten 
Plateauabfall vor uns, vermögen auch das genannte 
Gestein in einem alten Steinbruch dicht westlich vom 
Hellergasthaus anstehend zu beobachten. Es unterschei- 
det sich nicht von den typischen Yorkomnissen des 
Meissner Syenit -Granitgebietes, dem es auch zuge- 



VIT. In die Dresdner Haide. 63 

hört. Yon hier aus empfiehlt sich ein Abstecher nach 
NW. zu den Oltersteinen. "Wir folgen hierzu dem 
dicht nördlich vom Heller nach NW. abgehenden 
Waldweg bis zur Schneuse, sodann dieser selbst bis 
jenseits der Schlucht und gehen dann dieser entlang 
nach 0. Bald stossen wir auf die genannten Steine 
mitten im Walde, zwei mächtigen, ursprünglich offen- 
bar ein Ganzes bildenden Quarzitblöcken, sogenannten 
Knollensteinen, die ohne Zweifel der tertiären Braun- 
kohlenformation angehört haben. Diese ist von der 
Denudation nur in sehr spärlichen Resten in dieser 
Gegend übrig gelassen worden. Die beiden Olter- 
steine verrathen in einer eigentümlichen Glättung 7 
dass sie lange Zeit dem Sandgetriebe des Windes 
ausgesetzt waren, ein geologisches Agens, das auch 
die in dieser Gegend hier und dort zerstreuten faeettir- 
ten Gerolle oder Kantengeschiebe erzeugt hat. Immer 
weiter nach 0. hin der Schlucht entlang uns wendend, 
gelangen wir zur Strassengabel und folgen dem nach 
Rhänitz führenden Zweige durch ein hügeliges Syenit- 
terrain hindurch, worin mehrere Steinbrüche zum 
Theil hart an der Strasse angesetzt sind. Beim Schul- 
haus zu Rhänitz dagegen biegen wir rechts ab nach 
Klotzsche und schreiten später durch das Dorf hin- 
durch bis zum Ortstheil Schänkhübel, wo gerastet 
werden kann. Nördlich von dem dortigen Gasthaus 
zweigen sich von der Strasse nach rechts Wege hin- 



G4 VII. In die Dresdner Haide. 

unter in den Priessnitzgrund ab. Wir wählen nicht 
den, der durch einen Wegweiser mit der Aufschrift 
„Nach dem Wasserfall" markirt ist, sondern folgen 
dem mehr nach rechts abgehenden anfangs einer 
schmalen Waldwiese entlang. Man hat hier zur Rech- 
ten eine langgestreckte Sanddüne. Kurz vor der Bahn- 
linie deuten uns zahlreiche umherliegende Fragmente 
an, dass wir uns im Gneissterrain befinden. Das Ge- 
stein ist ein mittelkörnig -flaseriger Biotitgneiss. Es 
gehört zu einer schmalen, nur local bis über 2 km 
breiten, von NNW. nach SSO. hinziehenden archäi- 
schen Gneisszone, die eine Grenzscheide bildet zwi- 
schen den Meissner Syeniten und Graniten im W. und 
den Lausitzer Graniten und Grauwacken im 0. Sie 
lässt sich von unserem Standorte aus nach NNW. bis 
Berbisdorf und Bärwalde verfolgen. Ihre Nordost- 
grenze ist zugleich eine Dislocation. Nach Passirung 
des Bahnüberganges sind wir bald unten im Grunde, 
den wir aufwärts gehen bis zum grossen Steinbruch. 
Dieser bietet uns eine selten günstige Gelegenheit, 
um die dynamometamorphen Erscheinungen im Lau- 
sitzer Granitgebiet zu studiren, denn im letzteren, 
und zwar noch im Bereiche der vorhin erwähnten 
Verwerfungszone , befinden wir uns hier. Diese Lage 
ist denn auch die Veranlassung der hier so ausser- 
ordentlich starken mechanischen Deformation des im 
Steinbruch entblössten Granitites. Der erste Eindruck, 



VII. In die Dresdner Hai de. 65 

den er gewährt, ist der eines geschichteten Gesteines, 
weil er durch zahlreiche nach NS. streichende und nach 
0. einfeilende Hauptklüfte in viele Bänke zerlegt er- 
scheint. Diese Hauptklüfte werden aber durch viele 
andere, sehr unregelmässige Eisse geschnitten. Manche 
jener Bänke bestehen nun aus einem noch fast nor- 
mal zu nennenden, gleichmässig massig - körnigen 
Granitit, so namentlich am Ostrande des Steinbruches. 
Aber auch bei diesem Gestein zeigen sich unter dem 
Mikroskop allerlei Merkmale einer beginnenden Zer- 
drückung. Andere Bänke dagegen sind dieser voll- 
ständig anheim gefallen und besitzen eine völlig ver- 
änderte Structur. In manchen hat der Granitit den 
Habitus eines faserigen bis schieferigen Gneisses an- 
genommen, in noch anderen ähnelt er gar einem 
Schiefer. Es wird uns gelingen, eine Reihe von Be- 
legstücken hier zusammen zu stellen, die alle mög- 
lichen Stadien dieser fortschreitenden Zertrümmerung 
und förmlichen Auswalzung enthält. Freilich müssen 
wir keine allzu grossen Ansprüche an das Format 
stellen, denn es gelingt nicht leicht, aus dem von 
zahllosen feinen Rissen und Gleitflächen durchzoge- 
nem Material, das oft beim ersten starken Hammer- 
schlag in polyödrische Stücke zerfällt, gute Hand- 
stücke zu schlagen. Schon an diesem in der Structur 
begründeten Verhalten zeigt sich uns ein gewichtiger 
Unterschied zwischen diesen gneissähnlichen Produc- 

Beck, Geologischer Wegweiser. 5 



66 VII. In die Dresdner Haide. 

ten und echten Gneissen, der bei mikroskopischer 
Untersuchung noch viel schärfer hervortreten würde. 
In demselben Steinbruch ist auch ein nur 0,25 m 
mächtiger Gang von dunkelgefärbtem GHinmerporphy- 
rit, der den Granitit durchsetzt, gut aufgeschlossen. 
Er zeigt in seinem ganzen geradlinigen, nach NW. strei- 
chenden Verlauf nirgends Andeutungen einer nach- 
träglichen Beeinflussung durch den Gebirgsdruck. Da 
er sehr wahrscheinlich gleichalterig ist mit dem ganz 
gleichen Rothliegend -Porphyrit von Weissig, so geht 
hieraus hervor, dass die Dynamometamorphose des 
Granitits bereits vor oder im Anfang der Dyaszeit 
stattgefunden hat. 

Nach Besichtigung dieses Steinbruches wenden 
wir uns thalauf wärts , zunächst auf der Strasse am 
rechten, dann auf dem Fussweg am linken Bachufer 
entlang. Nach etwa 500 Schritten erreichen wir einen 
felsigen Thalriegel von stark deformirtem Granitit. 
Das von Haus aus massige Gestein lässt hier deut- 
lich eine Abtheilung in grobschieferige Bänke erken- 
nen, die nach N. 20° W. streichen und steil nach NO. 
einfallen. Noch weiter thalaufwärts , dicht unterhalb 
des "Wasserfalles, wo die Priessnitz in kleinen Cas- 
caden jenen Thalriegel durchbricht, ist die Zerdrückung 
des Gesteines eine so vollkommene, dass es einer fein- 
körnigen Grauwacke gleicht. Dann folgen wieder grob- 
körnigere, durch Druck flaserig gewordene Granit- 



VII. In die Dresdner Haide. 67 

bänke, endlich eine nur wenig beeinflusste, noch fast 
massige Partie. Ueber das kleine Brückchen schreiten 
wir jetzt wieder auf die Thalstrasse hinüber, die uns 
thalaufwärts zu der bereits auf Section Pillnitz ge- 
legenen Haidemühle führt. Mehrfach finden wir bis 
dorthin an den Strassenböschungen den Granitit an- 
geschnitten. Noch besser aber ist er aufgeschlossen 
im Thale oberhalb der genannten Mühle, in den Stein- 
brüchen unterhalb der Einmündung des von N. her- 
kommenden Metzenbornbaches. Hier können wir neben 
dem frischen Granitit auch kleine Schollen von schiefe- 
rigem biotitreichem Quarzglimmerfels, die jener um- 
schliesst, studiren. Dieses Gestein, das seine hoch- 
krystalline Structur schon dem unbewaffneten Auge 
verräth, ist aus Grauwacke hervorgegangen. Man 
sieht, wie diese Schollen nach ihrer Umhüllung und 
Metamorphose durch das Magma und vor dessen Fest- 
werdung noch einer weitergehenden Zerstückelung 
ausgesetzt waren. Denn von ihren Rändern haben 
sich kleinere Fragmente losgelöst und sind ebenfalls 
vom Eruptivgestein umfasst worden. Auch sendet 
dieses in jene zerborstenen Einschlüsse hinein Apo- 
physen, die dann mitunter vom normalen Granitit 
durch ihre feinkörnige Structur und Glimmerarmuth 
sich unterscheiden. Der Mineralog macht hier zu- 
weilen an gewissen, secundär auf Kluftflächen gebil- 
deten Mineralien eine Ausbeute. Man kennt von dort 

5* 



68 VII. In die Dresdner Haide. 

schwarzen Turmalin, farblosen oder weissen Prehnit, 
farblosen Laumontit, kleine Kiy ställchen von wasser- 
hellem Adular, sowie auch Kalkspath, Kupferkies, 
Baryt und Apatit. 

Nach der Haidemühle zurückgekehrt, schlagen 
wir die nach SW. hin führende Dresdner Strasse ein, 
die bald ins Gebiet von Section Dresden eintritt. 
Wir gelangen auf ihr auf das granitische, meist mit 
Haidesand bedeckte Plateau. Kurz vor dessen von 
MTW. nach SSO. hinziehendem Steilrand passiren wir 
zur Linken einen Granitbruch; wir stehen hier bereits 
sehr nahe an der mit jenem Steilrand ungefähr zu- 
sammenfallenden Grossen Dislocation. Wie daher von 
vornherein zu vermuthen war, zeigt sich der Granitit 
hier wiederum stark durch Gebirgsdruck beeinflusst. 
Nach wenigen Schritten befinden wir uns wieder auf 
der dem granitischen Plateau vorgelagerten Haide- 
sandterrasse und haben vielleicht, ehe wir die Stadt 
wieder erreichen, Gelegenheit, nochmals den Dünen- 
bildungen unsere Aufmerksamkeit zu schenken, wie 
zu Anfang unseres Ausfluges. 



VIII. Von Niedersedlitz über Kreischa und Maxen n. s.w. 69 



yni. 

Yon Niedersedlitz über Kreischa und Maxen nach 
Häseligt an der Mtiglitzthalhahn. 

iese Excursion im Gebiete der Sectionen 
Kreischa -Hänichen und Pirna gilt vorwie- 
gend dem Schiefergebirge südöstlich von 






Dresden, sowie den mannichfachen Contacterschei- 
nungen in der Nachbarschaft der dortigen Granite 
und Syenite, ausserdem auch dein Rothliegenden. 
Der Ausflug lässt sich bequem an einem Tage aus- 
führen einschliesslich der Bahnfahrt Dresden -Nieder- 
sedlitz und Häseligt-Mügeln- Dresden. Yiele werden 
vorziehen, die Fusswanderung am Abend bis Glas- 
hütte fortzusetzen, hier zu übernachten und am 
anderen Tage die IX. Excursion anzuschliessen. 

Das zum Ziele gewählte Schiefergebirge liegt 
zur Linken der Elbe und ist rein orographisch von 
der nördlichen Abdachung des Erzgebirges nicht zu 
trennen. Geologisch aber nimmt es schon deshalb 
eine selbständige Stellung ein, weil es von einem sehr 
regelmässigen nordwestlichen Hauptstreichen be- 
herrscht wird, während das Erzgebirge nach NCL 
streicht. Das elbthalgebirgische Schiefergebiet, wie- 



70 VIII. Von Niedersedlitz über Kreischa and Haxen 

man es auch wohl genannt hat, schliesst sich hierin 
an die jenseits des langgestreckten Elbthalkessels 
liegende Lausitz an, deren zahlreiche Gänge und Ver- 
werfungslinien nach WNW bis NW. verlaufen. Das 
Schiefergebirge lässt sich von Kauscha bis in das 
Markersbacher Bahrathal, im ganzen auf eine Strecke 
von gegen 25 Kilometer hin verfolgen. Es wird durch 
mehrere vom Erzgebirge herab kommende Flüsschen 
in vielfach gewundenen Querthälern durchbrochen, 
deren eines, das Lockwitzthal, wir zunächst durch- 
wandern wollen. 

Wir beginnen die Excursion an der Bahnstation 
Niedersedlitz der Linie Dresden -Bodenbach. Dieser 
Punkt liegt in der jüngstdiluvialen Eibaue. Wenn 
wir dort frischgepflügte Felder antreffen, so bemerken 
wir, dass ..die oberste Bodenschicht, der Thallehm, 
eine auffällig röthliche Färbung besitzt. Es rührt diese 
von feinem Detritus des Rothliegenden her, den die 
Lockwitz aus der Gegend von Kreischa herbeigebracht 
und hier in der jüngsten Diluvialzeit abgesetzt hat. 
Nördlich von der Bahnstation, in der Ziegelei am 
Wege nach Leuben, würden wir diesen röthlichen 
Thallehm anstehend finden, danmter Thaikiese, deren 
Material grössten Theils ebenfalls dem Lockwitzthal 
entstammt. 

Wir schlagen darauf die Strasse nach Lockwitz 
ein und durchschreiten auf ihr zunächst Niedersedlitz. 



nach Häseligt an der Müglitzthalbahn. 71 

Die hinter dem Dorfe vor uns ansteigenden Berglehnen 
sind weithin mit fruchtbarem, lössartigem Gehänge- 
lehm überkleidet. Zur Rechten längs der Strasse 
haben wir die alluviale Thalrinne der Lockwitz, an 
deren linkem Ufer sich eine niedrige Terrasse von 
jungdiluvialen Lockwitzschottern erhebt. Eine Kies- 
grube unweit der Niedermühle würde uns Gelegen- 
heit geben, diese Schotter genauer zu studiren. Wir 
durchschreiten Lockwitz bis zur Brücke über den 
Fluss und gehen dort links ab unterhalb des Fried- 
hofes weg nach dem herrschaftlichen Park. Dicht 
hinter den letzten Häusern des Ortes beginnen sich 
hier am rechten Thalgehänge Entblössungen von Gra- 
nitit zu zeigen. Wenige Schritte weiter thalauf wird 
dies Gestein in einem Steinbruch gewonnen. Dieser 
Granitit gleicht petrographisch dem normalen Lau- 
sitzer Granitit, zu dessen Gebiet er geologisch gehört, 
und den wir schon etwa 10 km nördlich von hier 
jenseits des Elbthales und zugleich jenseits der grossen 
Lausitzer Hauptverwerfung wieder treffen können. 
Auch die Felsen am steilen Thalgehänge gegenüber 
bestehen aus diesem Gestein. Obenauf lagert drüben 
Carinatenpläner, der in dieser Gegend die untersten 
Schichten der oberen Kreideformation darstellt. 

Im Parke thalaufwärts wandernd gelangen wir 
ungefähr 375 Schritt südwestlich von dem Granit- 
steinbruch an die Gebirgsscheide zwischen Granit und 



72 VIII. Von Niedersedlitz über Kreischa und Maxen 

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Schiefergebirge, die indessen wegen der Bewaldung 
nicht sehr scharf hervortritt. An den Böschungen 
des etwa in 15 bis 20m Höhe am Gehänge hinfüh- 
renden Fussweges finden wir stark krystalline Grau- 
wacken und Hornfelse anstehen, die mit Knoten- 
glimmerschiefern wechsellagern. An einer Stelle, bei 
der Thalbiegung, enthalten sie Gerolle führende Zwi- 
schenbänke. Während bei diesen die Grundmasse 
starke Contactmetamorphose erlitten hat, ist die Ge* 
stalt der aus Quarz und Granit bestehenden Gerolle 
unversehrt erhalten geblieben. Die Grauwackenfor- 
mation, der alle diese stark veränderten Gesteine an- 
gehören, ist geologisch unsicheren Alters. Eine be- 
stimmte Einreihung in das System ist schon deshalb 
unmöglich, weil wir diese versteinerungsleeren Schich- 
ten überall nur im contactmetamorphischen Zustand 
kennen und so nicht einmal rein petrographische Ver- 
gleiche mit ihrem geologischen Alter nach bekannten 
Schichten der Nachbargegenden anstellen können. 
Nach den Lagerungsverhältnissen kommt sowohl Cam- 
brium als Devon in Frage. Den Gerolle führenden 
Horizont des durchweg stark aufgerichteten, hier steil 
nach NO. einfallenden Complexes werden wir später 
drüben im Müglitzthal wieder antreffen und zwar dort 
weit besser aufgeschlossen als hier. 

Gegenüber der Fabrik, wo das Seitenthal von 
Grossborthen herabkommt, verlassen wir das rechte 



nach Häseligt an der Müglitzthalbahn. 73 

Thalgehänge und folgen von nun ab der Strasse am 
linken Ufer entlang. Das Gehänge hinter der Fabrik 
besteht noch aus denselben Gesteinen, die wir zuletzt 
durchschritten haben. Yon dem oben am linken Thal- 
rand gelegenen , durch seine prähistorische Begräbniss- 
stätte bekannten Dorfe Sobrigau ab, weisen indessen 
die beiderseitigen Thalseiten eine andere Zusammen- 
setzung auf. Sie bestehen nämlich von hier ab aus 
einem gneissähnlichen, zumTheil sehr grobkrystalünen 
Gestein , das durch seine Structur sich als hochgradig 
im Contact verändert erweist. Neben seinen Haupt- 
gemengtheilen Quarz, Orthoklas, Plagioklas, braunem 
und farblosem Glimmer enthält es gewöhnlich noch 
Cordierit oder Andalusit oder auch beide Contact- 
mineralien zusammen. Besonders grobkrystallin und 
reich an Cordierit tritt es uns dicht oberhalb der 
Chocoladenfabrik an der felsigen Strassenböschung 
entgegen. Die dunkelblaugrauen, bei der Verwitterung 
sich röthenden Cordieritkörner erreichen hier bis 4 mm 
im Durchmesser. Lichtgefärbte Quarz -Feldspath- 
trümer, die auch Cordierit enthalten, durchziehen das 
Gestein. 

Wir gelangen darauf unterhalb von der Hummel- 
mühle in einen merklich breiteren Thalabschnitt, dessen 
Gehänge aus Rothliegendem gebildet sind. Wir stehen 
hier in einer Seitenbucht des Grossen Rothliegend - 
Beckens, zu dem auch die bekannten Steinkohle füh- 



74 VIII. Von Niedersedlitz über Kreischa und Maxen 

renden Ablagerungen im Plauenschen Grunde gehören. 
Die hiesigen Schichten bestehen aus Schieferletten, 
Thonsteinen, Arkosesandsteinen und Porphyrconglo- 
meraten. Schon wenige Schritte oberhalb der Mühle, 
die zugleich Wirthshaus ist, springt am rechten Thal- 
gehänge ein mächtiger Felsenriegel hervor, der Blau- 
berg, der aus stark contactmetamorphisch verändertem 
Kieselschiefer und aus Hornfels besteht. Ihm gegen- 
über erhebt sich am linken Lockwitzufer der Hummel- 
stein. Die so gebildete, das Thal verengende Barre 
trennt das Rothliegende an der Hummelmühle von 
der Mulde von Kreischa -Quohren. Es empfiehlt sich, 
die durch Graphitgehalt ausgezeichneten Kieselschie- 
fer (Graphitquarzite) des Blauberges, sowie die süd- 
westlich sich anschliessenden Hornfelse in dem grossen 
Steinbruche an der Strasse zu studiren. Noch weiter 
thalaufwärts sieht man an der Strassenböschung auch 
den Syenit hervorstossen, dessen Oberfläche nach allen 
Erfahrungen flach unter die veränderten Schieferge- 
steine des Blauberges einschiesst. Für diese Annahme 
spricht besonders das Profil des Preusserschachtes 
südöstlich von der Hummelmühle, den man in der 
Hoffnung, unter dem Rothliegenden Steinkohlen zu 
finden, bis auf den Syenit niederbrachte. Auf der 
allerdings fast ganz abgetragenen Halde dieses alten 
Versuchsschachtes finden wir nämlich ein typisches 
Contactgestein, das zwischen dem Rothliegenden und 



nach Häseligt an der Müglitzthalbahn. 75 

dem Syenit durchteuft wurde, also dem Eruptivstock 
aufruht. Es ist ein feinkörnig schuppiger Glimmer- 
fels, der die drei charakteristischen Contactminera- 
lien Andalusit, Cordierit und SiUimanit zusammen 
enthält. 

Um zu dieser Halde zu gelangen, schlagen wir 
von der Hummelmühle aus, wohin wir vom Fusse des 
Blauberges zurückgekehrt sind, zunächst die Strasse 
nach Burgstädtel und sodann den ersten Feldweg nach 
rechts ein. Etwa in zwei Drittel Höhe des Gehänges 
zur Rechten am nördlichen Ende eines Gebüschstrei- 
fens im Felde liegt der gesuchte Punkt. Verfolgen 
wir alsdann den Feldweg weiter bis hinauf auf das 
Plateau, so fällt uns schon von weitem ein Haufwerk 
von grossen Steinblöcken auf. Sie bestehen aus Syenit, 
der sich petrographisch nicht von demjenigen des 
Plauenschen Grundes unterscheidet. In der That ist 
nicht daran zu zweifeln, dass wir uns hier auf einem 
südöstlichen Ausläufer des Syenitmassives von Meissen 
und dem Plauenschen Grunde befinden. Jüngere For- 
mationen verhüllen allerdings den Zusammenhang 
zwischen dort und hier. Dieser Syenitzug von Burg- 
städtel, wie das nordwestlich gelegene nächste Dorf 
heisst, streicht nach SO. hin, theilweise vom Schiefer- 
gebirge augenscheinlich bedeckt und nur hier und 
dort hervorstossend, weiter bis ins Müglitzthal. Auf 
dieser Strecke verändert er aber, wie wir uns über- 



76 VIII. Von Niedersedlitz über Kreisens und Maxen 

zeugen werden, seinen petrographischen Charakter in 
mehrfacher Richtung. 

Das schon vorhin betonte flache Einschiessen 
des Syenites unter die Schiefer bedingt die grosse 
Breite der Contactzone, die sich so ausdehnt, dass 
sie mit derjenigen am Granitit in eine verfliesst. 

Wir folgen der Strasse nach Kleinborthen, so- 
dann nach rechts einem Feldweg, der uns auf die 
Parallelstrasse von Grossborthen nach Wittgensdorf 
bringt. Auf dieser bewegen wir uns nach S. hin. 
Kurz ehe die Strasse ein kleines Wiesenthal über- 
schreitet, sehen wir am Wege ein streifiges Gestein 
anstehen, das aus dunkelgrünen hornblendereichen 
und aus lichtgrauen augitreichen Lagen besteht. Es 
scheint im Contact mit dem schon ganz nahe am an- 
deren Gehänge des Thälchens wieder einmal aus- 
streichenden Syenit aus einem diabasischen Gestein 
hervorgegangen zu sein. Nach Durchschneidung dieses 
nur ganz schmalen Ausstriches von Syenit führt die 
Strasse durch ein von gneissähnlichen Contactgestei- 
nen mit Cordieritgehalt gebildetes Terrain. Sodann 
kreuzt sie eine Einlagerung von schwärzlichem Knoten- 
schiefer und endlich die breite Zone der uns schon 
bekannten, im Contact zu Graphitquarziten geworde- 
nen Kieselschiefer, die sich mit südöstlichem Streichen 
vom Hummelstein bis Crotta erstreckt. Am schönsten 
entwickelt, mit dem grössten, schon dem unbewaff- 



nach Bäseligt an der Müglitzthalbahn. 77 

neten Auge deutlich erkennbaren Gehalt an krystal- 
linem glitzerndem Graphit ist das Gestein südöstlich 
von der Schäferei, an der die Strasse vorüber führt, 
und zwar am rechten Gehänge des hinter den Ge- 
bäuden hinziehenden Seitenthälchens. Ein Abstecher 
dorthin ist ohne grosse Umwege von der Strasse und 
der Schäferei aus nur möglich, wenn die Bestellung 
der Felder nicht hinderlich ist. 

"Wir setzen die Excursion auf der Strasse nach 
S. zu fort. An dem zur Rechten nach Gombsen ab- 
gehenden Fahrweg befindet sich ein Steinbruch, worin 
minder stark krystalline Graphitquarzite anstehen. 
Etwa 350 Schritt weiter südlich zweigt sich ein Feld- 
weg nach links ab. Hier liegen zahlreiche Blöcke 
eines granitähnlichen Gesteines umher. Seiner Zu- 
sammensetzung und Structur nach ist es ein Quarz- 
glimmerdiorit (Tonalit). Folgen wir dem Feldweg am 
Teiche vorbei bis in das nahe Wäldchen, so finden 
wir zur Rechten zahlreiche Blöcke einer zweiten dun- 
keler gefärbten Gesteinsabänderung, eines Quarzaugit- 
diorites. Am Nordufer jenes Teiches aber sehen wir 
jenen Quarzglimmerdiorit durch Zunahme des Ortho- 
ilasgehaltes allmählich übergehen in einen Horn- 
blendegranitit, der wiederum mit grosser Wahrschein- 
lichkeit unterirdisch sich ohne scharfe Grenze an- 
.schliesst an den im Thälchen südöstlich von der 
genannten Schäferei hervorstossenden Syenit des Burg- 



78 VIII. Von Niedersedlitz über Kreischa und Maxen 

städteler Syenitzuges. Wir konnten also beobachten, 
wie der Syenit hier einerseits eine granitische, ande- 
rerseits eine dioritische Facies annimmt. 

Wir kehren hierauf zur Strasse zurück und er- 
reichen auf dieser Wittgensdorf, das in der südöst- 
lichsten Ausbuchtung der Kreischaer Rothliegend - 
Mulde gelegen ist, eines Seitenbeckens der Döhlener 
Hauptmulde. Das Dorf selbst steht auf Porphyr- 
conglomerat Dicht östlich vom Orte jedoch und na- 
mentlich gut aufgeschlossen an der Strasse nach Maxen, 
die wir nun einschlagen, steht ein weisslicher oder 
röthlicher, sehr kaolinreicher Thonstein an, der eine 
Einlagerung innerhalb jener Conglomerate bildet. 
Manche Partien dieses tuffartigen Gesteines sind von 
Kieselsäure gehärtet, andere von einem röthlichen 
oder grünlichen Geäder eisenhaltiger Infiltrationen 
durchzogen, die eine scheinbare Breccienstructur her- 
vorrufen. 

Bald befinden wir uns ausserhalb des Roth- 
liegenden, dessen Schichten sanft nach dem Centrum 
der Mulde hin, nach Kreischa zu, einfallen. Wir haben 
jetzt das von Graniten unbeeinflusste silurische Schie- 
fergebirge von Maxen unter den Füssen. Zu diesem 
gehörte auch bereits die Anhöhe des Sandberges, die 
wir dicht östlich von Wittgensdorf sich erheben sahen, 
und deren Kieselschiefer die zur Altersbestimmung 
dieses Schichtenverbandes so wichtigen Graptolithen 



nach Häseligt an der Müglitzthalbahn. 79 

geliefert haben. Etwa 100 bis 200 Schritte westlich 
von unserer Strasse liegen die längst auflässigen sog. 
Maxener Mannorbrüche, der Grosse Bruch und der 
Rothe Bruch. Hier wurden ehemals zwei Einlage- 
rungen von lichtgrauem Kalkstein abgebaut. Die Be- 
zeichnung Marmor hatte noch die meiste Berechti- 
gung für gewisse bunte, besonders grün und gelb- 
grün gestreifte Varietäten im südlichen der beiden 
Brüche. Das Vorkommen dieses Marmors war an die 
Nachbarschaft eines dort aufsetzenden Diorites gebun- 
den. Der Besuch der gänzlich verfallenen Brüche ist 
jetzt nicht sehr lohnend. Diese silurischen Kalkstein- 
lager von Maxen sind einem Gesteinscomplex einge- 
schaltet, der theils aus Thonschiefern, theils aus schal- 
steinartigen Diabastuffen und Tuffschiefern besteht. 

Nachdem wir auf unserer Strasse Maxen erreicht 
haben, können wir noch einen Abstecher in einen der 
nordöstlich vom Orte gelegenen, zwar ebenfalls auf- 
lässigen, doch besseren Einblick gewährenden Kalk- 
steinbrüche machen. Hier bieten sich uns noch frische 
Anbrüche des ziemlich dicht erscheinenden, plattig 
geschichteten, blaugrauen Gesteines dar. Im Bruch 
am Wirthshaus zum Bad, wo zwei Kersantitgänge die 
Kalksteinschichten quer durchsetzen, kamen früher 
auf einer Kluft prachtvolle Kalkspathkrystalle vor. 

Wir kehren nach Maxen zurück und statten noch 
dem Bergrücken südwestlich von dem Orte einen 



80 VIII. Von Niedersedlitz über Kreischa and Maxen 

Besuch ab. Hier befindet sich das eine schöne Aussicht 
gewährende Wirthshaus „Zum Finkenfang", das seinen 
Namen zur Erinnerung an das drüben auf dem quarzi- 
tischen Scheerberg am Wege von Maxen nach Schmors- 
dorf stattgefimdene historische Ereigniss trägt. Es 
empfiehlt sich , hier eine längere Rast zu halten. Der 
Bergrücken, auf dem wir stehen, wird von der Phyllit- 
formation gebildet, und zwar das untere Gehänge nach 
dem Dorfe zu von Phylliten, der obere Theil von 
einem chloritreichen, fast überall stark von Gebirgs- 
druck gequetschten Feldspathgestein, das man seiner 
Structur wegen Chloritgneiss genannt hat. Wir sehen 
es am Wege unweit der Gebäude anstehen. 

Auch gemessen wir die herrliche Rundsicht: Nach 
N. hin schweift der Blick über die sanft nach der Elbe 
zu geneigte Hochfläche des Schiefergebirges hinweg 
bis in die Thalebene unterhalb von Pirna, die man 
bei klarem Wetter bis Dresden überschaut. Hinter 
dem Elbthale erhebt sich mit steilen Gehängen im 
Porsberg bei Pillnitz das Lausitzer Granitplateau. 
Nach S. zu breiten sich die allmählich ansteigenden, 
aus Gneiss bestehenden Hochflächen des Erzgebirges 
aus mit den ihnen aufgesetzten Basaltkuppen des Gei- 
sings bei Altenberg und des Sattelberges bei Schön- 
walde. Im W. erhebt sich der basaltische Wilisch 
auf einem aus Rothliegenden gebildeten Bergrücken. 
Im 0. endlich bietet sich eine wahre Profilansicht 



nach Häseligt an der Müglitzthalbahn. 81 

der Tafellandschaft der Sächsischen Schweiz dar mit 
den charakteristischen abgestumpften Felskegeln, wie 
dem Lilienstein und den Zschirnsteinen. "Wir sehen 
deutlich, wie dieses System von Sandsteinplatten nach 
S. hin sanft ansteigt, bis es im Hohen Schneeberg 
gipfelt und zugleich steil an der erzgebirgischen 
Hauptbruchzone nach Böhmen hin abbricht. 

Wir kehren nach Maxen zurück, dessen Gebäude 
grösstentheils auf dem Gebiete einer schmalen Schie- 
ferzone errichtet sind, der man cambrisches Alter zu- 
zuschreiben geneigt ist Dieser Gesteinszug besteht 
aus grünlichgrauen, oft auch violetten oder grünlich 
und violett gefleckten dünnspaltigen Thonschiefern 
mit vielen Quarzknauern und mit häufigen Zwischen- 
lagen von chloritischem Hornblendeschiefer. An Bö- 
schungen unweit des Gasthofes und an der Dorfstrasse 
im unteren Theile des Ortes finden wir sie anstehend. 

Zwischen dieser cambrischen Zone und dem silu- 
rischen Schiefergebirge sind bei Maxen zwei dem all- 
gemeinen Streichen nach NW. folgende Diabaslager 
eingeschaltet. Das mächtigste von ihnen bildet unter 
anderem den Steinhübel auf dem Rittergutsgrund- 
stück. Man kann das grobkörnige Gestein in ein paar 
alten Brüchen am Feldweg kennen lernen, der vom 
Park zum Pavillon führt. Yon diesem aus geniesst 
man einen herrlichen Blick ins obere Müglitzthal 
hinein, hinter dem sich der Geising erhebt. Es sei 

Beck, Geologischer Wegweiser. Q 



82 VIII. Von NiedersedUtz über Kreisens und Maxen u.s.vr. 

jedoch darauf hingewiesen, dass das Betreten des 
Parkes und der Wege zum Pavillon nur nach ein- 
geholter Erlaubniss gestattet ist. 

Nachdem wir uns durch den Park zum Orte 
zurück begeben haben, gehen wir die Dorfstrasse ab- 
wärts. Bei den untersten Häusern erreichen wir wieder 
den Ausstrich der Phyllitformation. Ein alter tiefer 
und schmaler Bruch rechts vom Wege ist auf einem 
steil nach N. einschiessenden Lager von krystallinem 
Kalkstein angesetzt, dessen Hangendes Phyllite, dessen 
Liegendes dagegen Chloritgneisse bilden. Bei der 
weiteren Yerf olgung unseres Weges hinunter ins Müg- 
litzthal durch Mühlbach hindurch sehen wir diese 
Chloritgneisse vielfach als Bruchsteine an Garten- 
mauern verwandt. Manche Varietäten enthalten grosse 
Feldspathaugen. 

An der Haltestelle Häselich hat die Excursion 
ihr Ende erreicht. 



IX. Von Häselich aus das Müglitzthal hinab bis Hügeln. 83 



IX. 

Ton Häselich aus das Mttglitzthal hinab 

Ms Mügeln. 



I a<i pjf.v.i fji/. j.tjulu' g»q 



11 m* v 4 



iese Excursion, eine bequeme Tagestour, 
schliesst sich eng an Route "VIII an. Wer 
sie nicht direct mit jener verbinden will 
und zu diesem Zwecke etwa in Glashütte übernachtet 
hat, kann den Ausgangspunkt Häselich mit der Bahn 
von Dresden aus über Mügeln erreichen. Diese 
Tour bietet ein sehr vollständiges Querprofil durch 
das Schiefergebirge südöstlich von Dresden dar und 
gewährt guten Einblick in dessen Contactmetamor- 
phose von Seiten der Granite. Auch die Gliederung 
der Kreide in der Gegend von Dohna lässt sich hier- 
bei demonstriren. 

Um das Querprofil des Gebirges vom liegendsten 
Schichtencomplex an kennen zu lernen, gehen wir 
von der Haltestelle zunächst thalaufwärts. Bei der 
scharfen Umbiegung des Thaies nach "W. erreichen 
wir die Gneissformation, die durch kleinkörnig -schup- 
pige Biotitgneisse vertreten wird. Nachdem wir dies 
Gestein an der Wegböschung anstehen sahen, gehen 
wir wieder zurück. Bald folgen auf jenen Gneiss 

6* 



84 IX. Von Häselich ans das Müglitzthal hinab bis Mügeln. 

Phyllite. Zwischen beiden besteht hier völlige Con- 
cordanz, denn beide streichen nach N. 65 — 75° W. 
und fallen unter 60 — 70° nach NNO. Eine Glimmer- 
schief erformation ist hier, wie überhaupt im Östlichen 
Erzgebirge nicht entwickelt. Sie wird durch jene 
kleinkörnig -schuppigen Gneisse vertreten. 

Nun gehen wir immer der Strasse folgend und 
in immer jüngere Schichten gelangend weiter thalab. 
Auf der ganzen Wanderung werden wir die Schiefer- 
gesteine nach NW. streichen und steil nach NO. ein- 
schiessen sehen. 

Dicht oberhalb von Häselich fällt uns zunächst 
ein Thalsporn zur Rechten durch seine schroffen Fels- 
bildungen auf. Er besteht aus Chloritgneissen, die 
eine Einlagerung innerhalb der Phyllite darstellen. 
Die weiss herüberschimmernden Gesteinslagen dagegen 
gehören einem zuckerkörnigen Quarzit an. Dahin- 
gegen besteht das nicht zugängliche Steilgehänge zur 
Linken unterhalb von Häselich aus buntgefärbtem 
Thonschiefer von vermuthlich cambrischem Alter. 
Diese Zone ist von nur geringer Breite. Schon kurz 
oberhalb von der Böschelmühle beginnt in sehr grosser 
Mächtigkeit entwickelt das Silur. Hinter der Mühle 
und weiter thalab am Felsgehänge zur Linken beim 
Rabenhorst sehen wir silurische Schalsteine, schiefe- 
rige Diabastuffe und Tuffschiefer anstehen, die häufig 
mit Thonschiefern wechsellagern und hier und dort 



IX. Von Häselich ans das Müglitzthal hinab bis Mügeln. 85 

Kalkstemschmitzen enthalten. Noch weiter abwärts 
hei der Jonasmühle und Villa Kosen walten Thon- 
schiefer vor, meist schwärzliche, an Kohletheilchen 
reiche Gesteine mit Zwischenlagen von Kieselschiefer. 

"Wir nähern uns jetzt granitischen Eruptivmassen 
und treten darum bald in eine Contactzone ein. 
Schon etwas oberhalb von der Holzschleiferei fallen 
uns viele kleine Knötchen auf den dunkelen, wenn auch 
etwas glänzender, wie sonst erscheinenden Schiefer- 
flächen auf. "Wir befinden uns in der äusseren Con- 
tactzone, im Gebiete der Knotenschiefer. Bereits 
dicht unterhalb der Holzschleiferei stehen noch stärker 
veränderte Gesteine von noch mehr krystalliner Struc- 
tur an, plattige Hornfelse, die ebenso, wie die Knoten- 
schiefer aus dem schwärzlichen silurischen Thon- 
schiefer hervorgegangen sind. Sie werden in einem 
Steinbruch am linken Müglitzufer gebrochen. Neben 
Quarz, Feldspathen und Glimmer enthalten sie auch 
Cordierit. 

Bei der nächsten Thalumbiegung nach 0. hat 
die parallel zur Strasse laufende Bahnlinie eine jung- 
diluviale Schotterterrasse angeschnitten. 

Bald gelangen wir zur grossen Weesensteiner 
Papierfabrik und damit an die Gebirgsscheide zwischen 
den Schiefern und dem Hornblendegranitit, der hier 
stellvertretend die Fortsetzung des auf der YDI. Ex- 
cursion besuchten Burgstädteier Syenitzuges bildet. 



86 IX. Von Häselich aas das Müglitzthal hinab bis Mügeln. 

Ein sehr lehrreicher Aufschluss dieser, wichtigen 
Grenze befindet sich unmittelbar am rechten Müglitz- 
ufer an der Ostseite der Fabrik. Ein Fussweg, der 
kurz vor der Brücke abgeht, führt uns dorthin. Hier 
sehen wir zunächst eine steil aufgerichtete Schichten- 
gruppe, die vor Einwirkung der Contactmetamorphose 
jedenfalls aus Thonschiefern mit dünnen Lagen und 
Schmitzen, sowie mit dickeren Bänken von Kalk- 
stein bestanden hat. Durch ihre Umwandlung sind 
die Thonschiefer jetzt plattige Hornfelse geworden, 
die wesentlich aus Quarz und Biotit zusammenge- 
setzt sind. Die Kalksteinbänke dagegen bestehen 
jetzt aus grobkrystallinem Marmor, die schwächeren 
Kalksteinschmitzen aus Kalksilicathornfels, der vor- 
wiegend einen farblosen oder schwach lichtgrünen 
Augit, aber auch Granat, Titanit und andere neu ge- 
bildete Mineralien enthält. Der Schichtengruppe ist 
ein Lagergang von Hornblendegranitit zwischen ge- 
schaltet, ein Vorläufer des eigentlichen Massives, das 
wir nach wenigen Schritten erreichen. Es hebt sich 
hier rückenförmig aus den Schiefern heraus, wird aber 
nach 0. zu oben am Thalrand von ihnen bedeckt. 
Die Eruptivmasse schiesst flach unter diese Schiefer- 
hülle ein, um nach 0. zu fortan nicht wieder empor 
zu tauchen. 

Wir kehren jetzt zur Strasse zurück und gehen 
auf dieser an der Fabrik vorüber. Unterhalb davon 



IX. Von Häselich aus das Müglitzthal hinab bis Mügeln. 87 

steht zur Linken der Horablendegranitit an, von einem 
schräg aufsteigenden Granitgang durchsetzt. Auf 
Klüften im zersetzten Gestein findet sich hier ziegel- 
rother Laumontit. Ungefähr 200 Schritt unterhalb 
der Papierfabrik stösst der Hornblendegranitit wieder- 
um an Schiefergebirge und zwar an ein schieferiges 
Hornblendegestein, das in Folge der Contactmetamor- 
phose aus einem Diabastuff hervorgegangen zu sein 
scheint. Darauf folgt dort, wo der Schlosspark be- 
ginnt, ein sehr stark verwitterter feldspathreicher 
Andalusitglimmerfels. Zwischen beiden setzt ein Gang 
von Quarzporphyr auf. Kurz v?>r der Müglitzbrücke 
endlich bemerken wir zur Linken an der felsigen 
Böschung quarzitisches Gestein. Es gehört zu dem 
hier noch sehr schmalen Quarzitlager, das von hier 
ab in südöstlicher Richtung auf eine Entfernung von 
6 km hin verfolgt werden kann und das wegen seiner 
grossen Widerstandsfähigkeit gegen die Verwitterung 
häufig auf den Hochflächen wall- oder riffartig her- 
vortritt. 

Dicht vor uns auf einem aus Knotenglimmer- 
schiefer gebildeten Thalsporn erhebt sich Schloss 
Weesenstein. Die Strasse wendet sich hinter dem 
Orte an seinem Fusse aufs linke Flussufer hinüber. 
"Wir verlassen sie drüben indessen nach wenig Schritten 
und folgen einem Promenadenweg, der auf einem 
Steg sogleich wieder» das rechte Weisseritzufer ge- 



88 IX. Von Hftselich ans das Mtiglitzthal hinab bis Mügeln. 

winnt, um diesem entlang bis nach Köttewitz zu 
fuhren. Längs dieses Fussweges wiederholen sich 
häufig Auf Schlüsse in einem abwechselnd aus Knoten- 
glimmerschief er und aus kristallinen Grauwacken be- 
stehenden Gesteinscomplex, demselben, den wir zum 
Beginn der Wanderung oberhalb von Lockwitz durch- 
kreuzten. Etwa 400 Schritt nördlich Tom Steg be- 
ginnen sich in diesem sehr steil nach NNO. einfallen- 
den Schichtenverband auch Gerolle führende Bänke 
bemerkbar zu machen, die nun öfter wiederkehren 
und namentlich schon bei der Thalbiegung nach W. 
an einer Ruhebank entwickelt sind. Das Bindemittel 
dieser Conglomerate unterscheidet sich in nichts von 
den krystallinen Grauwacken und giebt sich, wie 
diese und wie auch die Knotenglimmerschiefer als 
ein typisches Contactgestein zu erkennen. Trotzdem 
aber haben die meisten der von dem krystallin ge- 
wordenen Cement umschlossenen Gerolle von Quarz, 
Quarzit und Granit ihre abgerundete Form völlig be- 
wahrt, ja manche lassen sich leicht aus dem Gestein 
herauslösen. Wir sehen hier deutlich, die Contact- 
metamorphose bestand nicht in einer plötzlichen totalen 
Umformung etwa nach Art einer Einschmelzung, son- 
dern vielmehr in einer allmählichen Umkrystallisirung. 
Bestandmassen aber, die, wie die Gerolle, schon von 
Haus aus krystallin waren , erlitten bei diesem Yorgang 
nur geringe oder gar keine Veränderung. Die Con- 



IX. Von Häselieh ans da» Müglitzthal hinab bis Mügeln. 89 

glomerate von Köttewitz gleichen völlig denen von 
Wellers walde und Clanzschwitz bei Strehla, mit denen 
sie jedenfalls auch stratigraphisch gleich zu stellen 
sind. Ihre grosse Aehnlichkeit mit den bekannten 
Vorkommnissen von Obermittweida im oberen Erz- 
gebirge ist dagegen nur eine äusserliche. 

Kurz hinter der Stelle, wo der Promenadenweg 
die Bahnlinie erreicht, setzt die Gebirgsscheide 
zwischen diesen contactmetamorphen Schiefern und 
demselben Granitit, den wir bereits von Lockwitz her 
kennen, schräg über das Thal. Wir werden sie später 
drüben am anderen Ufer aufsuchen, wo sie besser auf- 
geschlossen ist, als hier. Immer im Granitit gehen 
wir bis zur Köttewitzer Papierfabrik, zu der uns 
ein Steg hinüberführt, und alsdann auf der Strasse 
thalaufwärts bis zum Wehre des Mühlgrabens. Hier 
sind am felsigen unteren Thalgehänge die Lagerungs- 
verhältnisse zwischen Granitit und Schiefergebirge 
gut zu übersehen und haben darum schon seit langer 
Zeit die Aufmerksamkeit der Geologen erregt. Der 
mittelkörnige, vielfach senkrecht zur Eichtung N. 
80° W. gequetschte Granitit, welcher eine 1,75 m 
grosse Scholle von schieferigem Hornf eis umschliesst, 
wird am Contact in einer 1,5 — 2 m breiten Zone fein- 
körnig und fast glimmerfrei. Seine Grenze gegen 
das Nebengestein, einen zersetzten, schieferigen Quarz- 
biotitfels, steigt von der Thalsohle aus zunächst bis 



90 IX. Von Haselich aus das Müglitzthal hinab bis MBgeln. 

zu etwa 25 m Höhe senkrecht auf, um hier ein Knie 
zu bilden und sieh alsdann steil am Abhang hinauf 
zu wenden. Die Lagerung des angrenzenden Schiefers 
ist mehrfach gestört. Auch eine schmale Apophyse 
von feinkörnigem Granit, die vom Granitmassiv aus 
schräg in die Schiefer hinein aufsteigt, um sich dann 
wieder bis zum Strassengraben herab zu biegen, ist 
drei Mal durch Verwerfungsklüfte durchschnitten 
worden, von denen zwei zugleich durch Gänge von 
Glimmersyenit ausgefüllt worden sind. Ein dritter 
paralleler Gang dieses Eruptivgesteines setzt wenige 
Schritte weiter thalaufwärts in den Schiefern auf. 

Wir kehren darauf wieder nach der Köttewitzer 
Papierfabrik zurück und folgen der Strasse immer im 
Granitit dahinwandernd bis kurz vor Dohna. "Die 
eigentliche Stadt liegt oben auf dem Plateau, wo sich 
die Schichten der Carinatenstufe der oberen Kreide- 
formation ausbreiten, überragt von der rings von ihnen 
umgebenen Porphyrkuppe des Kahlebusches. Ein 
Fahrweg zweigt von der Thalstrasse ab imd führt 
uns hinauf zunächst in den am Sedlitzer Weg ge- 
legenen Stadttheil. An der Böschung dieses Weges 
bei einer Mauer sehen wir den ganz zersetzten Granitit 
überlagert von der Carinatenstufe der oberen Kreide- 
formation. Diese besteht zuunterst aus einer Quarz- 
breccie mit Granitgeröllen. Darüber folgt eine dünne 
Mergelschicht und endlich zuoberst der Carinatenpläner. 



IX. Von Häselich aus das Müglitzthal hinab bis Mügeln. 91 

Nach, wenigen Schritten nach der Stadt zu sehen 
wir zur Rechten den Zufahrtsweg zum grossen Por- 
phyrbruch am Kahlebusch abgehen, dem wir folgen. 
Durch diesen Steinbruch ist das Innere einer ausge- 
zeichneten Quellkuppe völlig erschlossen. Der Quarz- 
porphyr zeigt eine Absonderung in nach dem Scheitel 
des Berges zu convergirende Säulen, ferner eine Nei- 
gung zur Bildung von concentrischen Ablösungsflächen 
und endlich eine sehr deutliche Fluidalstreifung, die 
im Querprofil fächerförmig vom Centrum des Berges 
ausstrahlt. Diese Porphyrklippe war dereinst vom 
Meere der Cenomanzeit umbrandet. Die Wogen haben 
damals kesseiförmige Vertiefungen ausgenagt, von 
denen zeitweilig ein paar oben am Rande der Bruch- 
wand sichtbar sind. Sie sind zum Theil mit grobem, 
von Kalk cementirtem Porphyrgeröll, zum Theil auch 
mit grauem Mergel erfüllt. In beiden Ablagerungen 
finden sich zahlreiche Petrefacten, besonders Schalen 
vieler Austernarten, Seeigelstacheln, Schwämme und 
Bryozoen. Diese Klippenfacies des Cenomans liegt 
gegen 35 m höher, als wie die Auflagerungsfläche 
der Sedimente derselben Stufe am Fusse des Berges. 

Wir steigen wieder hinab und durchschreiten 
die Stadt auf dem Wege zum Bahnhof. Nördlich von 
diesem erhebt sich der Raupschen genannte oben ab- 
geplattete Bergrücken zwischen den Thälern der Müg- 
litz und der Rietzschke. Sein äusserster Vorsprang 



92 IX. Ton Häselich ans das Müglitzthal hinab bis MÜgeln* 

besteht aus Granitit, den ein paar Kersantitgänge 
durchsetzen. Oben hat man innerhalb eines alten 
Burgwalles mit Erfolg Nachgrabungen nach prähisto- 
rischen Resten veranstaltet. Am unteren Gehänge 
aber, weiter aufwärts im Rietzschkethal, sowie auxsh 
hinter der Brandmühle befinden sich Steinbrüche mit 
interessanten Aufschlüssen der Cenomanstufe. Im 
Bruche an der Rietzschke unweit der am Bahnhof 
vorüber nach Lockwitz führenden Strasse sind von 
oben nach unten geordnet folgende Schichten entblösst: 
Lehm mit Plänerfragmenten, 
Carinatenpläner mit mehreren thonig- sandigen 

Zwischenmitteln, 
Breccie von Quarzkörnern oder kleinstückiges 

Quarzconglomerat, 
Feiner Quarzsandstein mit kalkigem Binde- 
mittel und mit vielen Höhlungen, 
Dünnplattiger, thoniger Sandstein mit Pflan- 
zenresten, 
Thoniges Quarzconglomerat. 
Den oberen Theil dieses Pronies kann man auch 
im Steinbruch hinter der Brandmühle kennen lernen, 
die man erreicht, indem man vom Bahnhof auf der 
Müglitzthalstrasse thalab geht und nach etwa 750 
Schritten sich links wendet. Auch lohnt der Besuch 
eines Steinbruches am rechten Thalgehänge unweit 
des Chausseehauses, wo man an Stelle des Granitites 



IX. Von HÄselich aus das Müglitzthal hinab bis Hügeln. 93 

einen feinkörnigen glimmerreichen, viele Quarzfrag- 
mente umschliessenden Granit aufgeschlossen findet, 
der völlig dem typischen Lausitzer Granit gleicht. 
Dieser Granit wird von Kalksandsteinen, kalkigen 
Muschelbreccien und zuoberst vom Pläner der Cari- 
natenstufe überlagert. 

Weiterhin die Strasse nach dem Bahnhof Mügeln 
einschlagend sehen wir zur Linken ein felsiges Steil- 
gehänge, das aus Labiatuspläner gebildet ist. Seine 
Bänke, wie sämtliche übrigen Schichten der Kreide- 
formation sind sanft nach Nord geneigt Zur Rechten 
in der Ferne dagegen zeigen sich die Felsenberge 
der Sächsischen Schweiz , vor uns endlich erhebt sich 
der granitische Porsberg bei Pillnitz. 

Wir treten die Heimfahrt vom Bahnhof Mügeln 
aus an, der bereits in der jüngstdiluvialen Elbthal- 
aue gelegen ist. 



94 X. Von Pirna über Dohma, Rottwerndorf, 




X. 

Ton Pirna über Dohma, Rottwerndorf, 
Neundorf nnd Krietzschwitz nach Yog-elgesang- 

und Zeichen. 

,iese Excursion, die als eine nicht anstren- 
gende Tagestour auszuführen ist, lässt einen 
ziemlich vollständigen Ueberblick über die 
Gliederung der oberen Kreideformation der Gegend 
von Pirna gewinnen. 

Diese Stadt, unser Ausgangspunkt, liegt gerade 
dort, wo die Elbe aus ihrem engen, in dem Quader- 
sandstein der Sächsischen Schweiz eingeschnittenen 
Thale austritt, um von nun ab bis Sörnewitz vor 
Meissen in einer weiten Aue dahin zu fliessen. Die 
unweit des Bahnhofes gelegene Eibbrücke nach Copitz 
hinüber bietet eine hübsche Aussicht auf die nächste 
Umgebung. Im NW. präsentirt sich von hier aus 
ziemlich stattlich der granitische Porsberg, dessen 
südliches Gehänge zugleich den Steilabsturz der Lau- 
sitzer Hochfläche nach der Elbthalaue darstellt. Diese 
breitet sich nach W. hin vor uns aus. Im SW. da- 
gegen blicken wir über sanft ansteigende Plateaus, 
die im Vordergrund eine Decke von Kreidegebirge 
tragen, in weiterer Entfernung indessen aus dem nord- 



Neundorf und Krietschwitz nach Vogelsang und Zeichen. 95 

westlich streichenden Schiefergebirge bestehen, das 
sich ohne orographische Grenze an das aus Gneiss 
gebildete Erzgebirge anschliesst. Gerade im Süden, 
ganz nahe hinter der Stadt, ragt der Kohlberg auf, 
vor dem sich die Thäler der Gottleuba und des Zehister 
Baches vereinen. Auf einem Sockel von turonem 
Grünsandstein und Pläner trägt er eine Kappe von 
Diluvialkies. Links von ihm, weiter im Hintergrunde, 
erscheint auf einem sanft ansteigenden Quadersand- 
steinplateau, das wir später zu durchwandern ge- 
denken, der vom Steinbruchsbetrieb stark beschnit- 
tene basaltische Gipfel des Cottaer Spitzberges. Im 
SO. endlich ist uns das rechte Steilgehänge des Gott- 
leubathales zugekehrt, das das linke an Höhe weit 
überragt. Hier werden wir später einen guten Ein- 
blick in die Gliederung der turonen Kreidestufen er- 
halten. Dahinter erscheinen ausgedehnte Hochflächen, 
auf denen die schroffen Bergformen des Liliensteines, 
Königsteines und der Bärensteine aufgesetzt sind und 
hinter denen in der Ferne bei klarem Wetter der Hohe 
Schneeberg sichtbar wird. Das enge Eibthal im 0. 
vor uns ist erst vor verhältnissmässig kurzer, näm- 
lich postglacialer Zeit eingeschnitten, und die Eben- 
heiten zu beiden Seiten des Flusses oberhalb von Pirna 
waren zu altdiluvialer Zeit eine ähnliche breite Thal- 
aue, wie sie jetzt unterhalb der Stadt nach Dresden 
hin sich ausdehnt. 



9G 3T. Von Pirna über Dohma, Rottwerndorf, 

Wir richten unsere Excursion so ein, dass wir 
mit den tiefsten Schichten des Quadergebirges be- 
ginnen und alsdann Aufschlüsse in immer höheren 
Gliedern aufsuchen. Zu diesem Zwecke begeben wir 
uns zunächst nach Zehista, entweder zu Fuss auf der 
Strasse oder mit Bahn bis zur Haltestelle Zehista der 
Linie Pirna -Grosscotta. Hinter dem Dorfe zweigt 
nach links die Bahrethalstrasse ab, der. wir folgen. 
Nach ein paar hundert Schritten sind an der Strassen- 
böschung anfangs jungdiluviale Schotter, alsdann ceno- 
mane Sandsteine der Stufe der Ostrea carinata Lam. 
entblösst. Etwa 10 — 15 Minuten weiter südlich kön- 
nen wir diese Carinatenschichten in einem Steinbruch 
unmittelbar an der Strasse anstehen sehen. Es herrscht 
hier von oben nach unten folgendes Profil: 

Lössartiger Gehängelehm, 

Plänerartiger Sandstein, 

Thon, 

Lockeres Conglomerat, 

Feinkörniger Sandstein, 

Festes Conglomerat, 

Granitit. 
Das feste Conglomerat enthält neben Gerollen von 
Quarz, Quarzit und Schiefer zahlreiche Steinkerne 
von Exogyra columba Lam. Der Granitit ist nur noch 
in der südlichsten Ecke des Steinbruches sichtbar. 
Von hier gehen wir auf der Strasse etwa 550 Schritte 



Neundorf und Krietzschwitz nach Vogelgesang und Zeichen. 9 7 

zurück und folgen dem nach rechts über die Wiesen 
führenden "Weg. Wo er das rechte Thalgehänge er- 
reicht, stehen am Bachufer breccienartige Conglome- 
rate an, die in ihren tiefsten, wahrscheinlich dem 
Granitit unmittelbar auf ruhenden Bänken eckige Frag- 
mente eines quarzitischen Schiefers, weiter höher am 
Gehänge hinauf solche von Quarz enthalten. Diese 
Grundconglomerate werden an der Böschung unseres 
Weges von einem dunkelfarbigen, an kohligen Be- 
standtheilen reichen thonigen Sandstein mit undeut- 
lichen Pflanzenresten überlagert. Diese Schichten , die 
zum Theil auch Lagen eines schwärzlichen Schiefer- 
thones enthalten, repräsentiren die unterste Stufe des 
Cenomans, die sogenannte Crednerienstufe. Sie sind 
denselben Schichten zu parallelisiren, die bei Pauls- 
dorf und Niederschöna eine reiche Flora mit den 
charakteristischen Oredneria- Blättern geliefert haben. 
Noch weiter oben am Gehänge folgt darüber der 
Quadersandstein der Carinatenstufe. 

Auf dem jenseits der Bahnlinie nach rechts hin 
über die Felder führenden Wege erreichen wir Dohma. 
IJas unterste Gehänge des Bergrückens unmittelbar 
hinter dem Dorfe besteht, wie wir uns an den um- 
herliegenden plattigen Bruchstücken überzeugen kön- 
nen, aus einem weisslich grauen, sehr porösen und 
darum leichten, feinkörnigen, thonigen Sandstein, der 
Oidaris Sorigneti Des. geliefert hat. Er ist ursprüng- 

Beck, Geologischer Wegweiser. 7 



98 X. Von Pirna über Dohma, Rottwerndorf, 

lieh jedenialls kalkhaltig gewesen und stellt in etwas 
abweichender Ausbildung den Carinatenpläner dar. 
Dem vorhin erwähnten Carinatenquader ist er un- 
mittelbar aufgelagert. Höher am Gehänge jedoch, 
das wir auf einem Feldwege ersteigen, streicht der zu- 
unterst im Pläner übergehende feinkörnige Sandstein 
der turonen Stufe des Inoceramus labiatus Sehloth. sp. 
aus. Wir ersteigen das Gehänge auf einem nach NO. 
führenden Feldweg und gewinnen die oben auf dem 
Plateau hinziehende Strasse nach Berggiesshübel. Ihr 
folgen wir nach SO. und später nach S. bis dahin, 
wo links der Weg hinunter in die Steinbrüche des 
Lohmgrundes abgeht. Kurz vor diesem Punkte über- 
schreiten wir den Tunnel der Eisenbahn. 

Wir steigen alsdann hinab in die Brüche, die 
sich in ununterbrochener Eeihe am linken Gehänge 
des Grundes hinziehen, dessen tiefere Theile stellen- 
weise gänzlich unter den auch vom rechten Gehänge 
her vorrückenden berghohen Schutthalden begraben 
liegen. Das hier gebrochene Gestein, als Rottwern- 
dorfer Bildhauersandstein oder Cottaer Stein weithin 
bekannt, ist ein gleichmässig feinkörniger, äusserst 
leicht bearbeitbarer Labiatusquader von graulich- 
weisser Färbung. Kohlige Partikel, die in feinen, 
auf dem Querbruche als zarte Linien hervortretenden 
Streifen und Flasern vertheilt sind, verleihen ihm 
eine eigenthümliche Maserung. Die einzelnen Quarz- 



Nenndorf und Krietzschwitz nach Vogelg«9ang nnd Zeichen. 9 9 

körnchen werden durch ein thoniges oder schwach 
kalkiges Bindemittel zusammengehalten. Neben der 
äusserst regelmässigen Schichtung in sanft nach NNO. 
geneigten Bänken fallen uns zahllose senkrechte oder 
steilgeneigte Parallelklüfte auf, die zwei annähernd 
senkrecht zu einander stehenden Systemen angehören. 
Yon diesen streicht das eine nach NNO. , das andere 
nach WNW. Diese regelmässigen paarigen Kluft- 
systeme sind für den Sandstein der Sächsischen j 
Schweiz charakteristisch. Sie bedingen die Zerlegung y 
der Bänke in Quader und erleichtern so den Abbau 
der Sandsteinmassen ganz erheblich. Dieser erfolgt 
meist durch „Hohlmachen", nämlich durch Unter- 
minirung einer senkrechten Wand, die sich dann an 
einer ihrer Stirnfläche parallelen Fläche ablöst, wenn 
zuletzt die stützenden Stempel fallen. Yon den Stein- 
brechern erhalten wir die im Labiatusquader vor- 
kommenden Petrefacten, sämmtlich in Gestalt von 
Steinkernen. Inoceramus labiatus Schloth sp. und Eoco- 
gyra cohvmba Lam. sind in gewissen Schichten, den 
„ Muschelbänken u der Arbeiter in grosser Menge 
angehäuft. Daneben erhält man häufig grosse Exem- 
plare verschiedener Species von Pinna. 

Immer an den Steinbrüchen hingehend, gelangen 
wir schliesslich hinab in den Grund und ins Gott- 
leubathal. Eine Strasse führt uns dieses aufwärts 
nach Neundorf. Unterwegs, an der Steegmühle, kön- 






100 X. Von Pirna über Dohma, Rottwerndorr, 

nen wir ein Steinsägewerk besichtigen. Hier werden 
die Quader in Platten und Säulen zerschnitten, indem 
ununterbrochen zurieselnder feiner Eibsand die Bei- 
bung der zahnlosen Stahlblätter verstärkt. Die Pro- 
duction der Steinbrüche im Gottleubathal und bei 
Dohma ist eine gewaltige. Sie belief sich z. B. im 
Jahre 1889 auf etwa 61000cbm Quadern. 

In Neundorf verlassen wir die breite Strasse und 
folgen dem links abgehenden Fahrweg nach Krietzsch- 
witz. Der grosse Steinbruch zwischen der Strasse 
und diesem Weg kann vorher besucht werden. Im 
obersten Theile seiner "Wand lässt sich die Ueber- 
lagerung des Labiatusquaders durch die untersten 
Schichten der nächst höheren Stufe mit Inoceramus 
Brongniarti Sow. gut erkennen. Diese bestehen aus 
feinkörnigen, plattig geschichteten, glaukonitischen 
Sandsteinen mit einer mergeligen Zwischenlage. Nörd- 
lich von diesem Steinbruch, dort, wo die Kirsch- 
plantage links vom Wege beginnt, steigen wir das 
Gehänge hinauf, um diesen Grünsandstein näher zu 
studiren. Wir finden plattige, fein- bis grobkörnige 
glaukonitarme und reiche Bruchstücke umherliegen, 
einige reich an den für diesen Horizont charakteristi- 
schen Steinkernen der Rkynchonella bohemica Schlörib., 
andere bedeckt mit schlangenförmigen, oft sich gabeln- 
den Wülsten unbestimmbarer Natur. Nahe dem Feld- 
rand uns haltend, steigen wir höher das Gehänge 



Neundorf und Krietzschwitz nach Vogelgesang und Zeichen. 101 

hinauf und gelangen zu einem alten Steinbruch. Hier 
steht ein den Grünsandstein überlagernder Pläner mit 
Inoceramus Brongniarti Sow. an, der dieses Leitfossil 
indessen nur recht spärlich enthält. Er wird seiner- 
seits von einem oberen Grrünsandstein bedeckt, dessen 
stark verwitterte und darum ihres Gehaltes an Glauko- 
nit beraubte Bruchstücke wir am Wege vom Stein- 
bruch zum nahen Vorwerk antreffen. Dieser "Weg führt 
uns weiter ins Dorf Krietzschwitz. Nur zufällige und 
temporäre Aufschlüsse, wie neugegrabene Brunnen, 
würden uns hier das nächst höhere Gesteinslager, 
einen sandigen Mergel, der directen Beobachtung zu- 
gänglich machen. Den Ausstrich dieses Mergels haben 
wir am Dorfteich zu suchen. 

Auf unserer Wanderung von Neundorf nach 
Krietzschwitz ist uns die Abhängigkeit des Eeliefs 
der Thalwände von der Gesteinsfolge aufgefallen. Der 
Labiatusquader streicht als steiler Hang, der Grün- 
sandstein als sanfte Böschung, der Pläner wiederum 
als Steilstufe aus. Dann folgt mit schwachem An- 
stieg die Mergelzone, und endlich erhebt sich über 
dieser zum Theil in schroffen Klippen und "Wänden 
der Quadersandstein mit Inoceramus Brongniarti Sow., 
der auch die Oberfläche des Plateaus bildet. 

Der obere Theil des Dorfes, das wir nun durch- 
schreiten, steht bereits auf Brongniartiquader, der auf 
der Hochfläche durch diluviale Lehme verhüllt wird. 



102 X. Von Pirna über Dohma, Kottwerndorf, 

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Der Weg trifft oben auf die breite Landstrasse nach 
Königstein. Wir folgen dieser nur wenige Schritte, 
um hinter dem letzten Gute den nach links abgehen- 
den Fahrweg nach Struppen einzuschlagen. Von rechts 
her grüsst die malerische Teste Königstein herüber. 
Wir passiren mehrere Steinbrüche , in denen ein mittel- 
körniger Brongniartiquader gebrochen wird. Die häu- 
figsten Petrefacten, die man hier erhält, pflegen Stein- 
kerne von Lima canalifera Gold f. und Yola quadri- 
costata Sow. zu sein. 

Wir erreichen das Struppener Thal und gehen 
durch den Dorftheil Neustruppen hindurch, beim 
untersten Wirthshaus vorbei, auf einem Fusspfad hin- 
über zur Strasse, die uns hinunter nach Obervogel- 
gesang bringt. Zur Rechten und auch am Thalrande 
gegenüber ziehen sich Steinbrüche hin, die im Brongni- 
artiquader angesetzt sind. 

Beim Ueberschreiten der Bahnlinie fällt unser 
Blick zur Rechten auf mächtige Stützmauern an den 
Steilböschungen gerade unter der Felspartie , die man 
Königsnase nennt. Diese wurden einst durch den hier 
durch die Bahn angeschnittenen Ausstrich von Mer- 
gelschichten mit Grünsandsteinbänken veranlasst, die 
völlig dem Mergel im Dorf e Krietzschwitz entsprechen. 
Wir sehen beim Yergleich der Höhenlagen der beiden 
Aufschlüsse dort und hier, dass das Quadersandstein- 
gebirge sanft nach NNO. einfällt. 



Netindorf und Krietzschwitz nach Vogelgesang und Zeichen. 103 

Unten an der Elbe lassen wir uns nach Ober- 
posta übersetzen, um noch die am rechten Elbthal- 
gehänge gelegenen Steinbrüche zwischen diesem Dorf e 
und Zeichen zu besuchen. In diesen sehen wir zu- 
nächst unmittelbar über der Schutthalde den gelblich 
gefärbten Brongniartiquader anstehen. Darüber aber 
hebt sich deutlich an der Steinbruchswand eine 1,5 bis 
2 m mächtige grau gefärbte Thoneinlagerung ab. Diese 
konnte von hier ab am rechten Elbthalrand abwärts 
bis Copitz und von dort noch weiter bis in die Gegend 
von Zatzschke verfolgt werden, wo sie zu grösserer 
Mächtigkeit angeschwollen und als Mergel entwickelt 
ist. Sie hat dort beim Eisenbahnbau die charakteristi- 
schen Versteinerungen der Scaphitenstufe des Turon 
geliefert, besonders Scaphites Geinüzi d'Orb. und 
S. auritus Schlörib. Ueber diesem Scaphitenthon folgt 
in den Steinbrüchen bei Zeichen noch einmal ein 
Quadersandstein, dieser von weisslicher Färbung. Er 
stellt den höchsten Horizont in der oberen Kreide - 
formation der Sächsischen Schweiz dar. Auf manchen 
Strecken des Thalrandes lagert dagegen unmittelbar 
über dem Scaphitenthon das ältere Diluvium. Dieses 
besteht zu unterst aus groben Elbschottern, zu oberst 
aus sandigen Lehmen. 

Man kann von Zeichen aus die Heimkehr mit 
dem Dampfschiff oder mit der Bahn antreten, im 
letzteren Falle nach vorherigem Uebersetzen über die 



104 X. Von Pirna über Dohma, Rottwerndorf n. s.w. 

Elbe. Auch führt drüben von Yogelgesang ab ein 
schöner Promenadenweg am unteren Elbthalgehänge 
nach Pirna. Wenig oberhalb von diesem "Wege zieht 
sich ebenfalls bis Pirna der Ausstrich desselben Mer- 
gels hin, auf den in Krietzschwitz und bei der Halte- 
stelle Yogelgesang aufmerksam gemacht worden ist. 
Bei der bergauswärts gerichteten allgemeinen Schich- 
tenneigung dringen überall Quellwasser auf ihm her- 
vor, die in zahlreichen Brunnen gesammelt und in 
zwei Leitungen der nahen Stadt zugeführt werden. 

Wer in den Abendstunden schliesslich noch die 
im Beginn geschilderte Aussicht von der Eibbrücke 
vervollständigen will, dem wird der Besuch desWirths- 
hauses zur Schönen Höhe am rechten Eibthalrand 
bei Copitz empfohlen. Yon hier hat man eine schöne 
Fernsicht, besonders auf das allmählich ansteigende 
Plateau des östlichen Erzgebirges bis hinauf zum zwei- 
gipfligen Sattelberg oder Spitzberg bei Schönwalde 
in Böhmen, ferner auch auf die Felsenberge der 
Sächsischen Schweiz. Nicht minder entzückt der 
Blick auf das vor unseren Füssen liegende freundliche 
Stadtbild und den mit Fahrzeugen aller Art belebten 
Strom. Unter den Eiesgeröllen der Hochfläche im 
Norden dieses Aussichtspunktes können wir endlich 
schöne Kantengeschiebe oder Dreikanter sammeln, 
deren facettenartige, wie glasirt erscheinende Schliff- 
flächen vom Sandgetriebe des Windes erzeugt wurden. 



XI. Von Pirna mit der Bahn nach Berggiesshübel n. s.w. 105 




XI. 

Ton Pirna mit der Bahn nach Berggiesshübel 

und Ton hier über Gottleuha und Göppersdorf durch 

das Bahrethal hinab naeh Pirna zurück. 

uf dieser einen vollen Tag in Anspruch neh- 
menden Excursion lernen wir den Granit- 
stock von Markersbach und seinen interessan- 
ten Contacthof kennen, berühren den Turmalingranit 
von Gottleuba und gewinnen schliesslich ein voll- 
ständiges Querprofil durch das gesammte Schieferge- 
birge nordwestlich von Berggiesshübel. 

Die Strecke zwischen Pirna und Berggiesshübel 
legen wir am besten schon am Tage vor der eigent- 
lichen Excursion mit der Bahn zurück. Während der 
langsamenFahrt auf dieser Secundärbahn haben wir Zeit 
genug, um die Landschaft auch vom geologischen Ge- 
sichtspunkt aus zu betrachten. Zunächst Pirna werden 
die beiderseitigen Gehänge des Gottleubathales von der 
oberen Kreideformation oder dem Quadersandsteinge- 
birge gebildet. Da dessen Schichten sanft nach NO. 
geneigt sind, gelangen wir auf der südwärts gerich- 
teten Fahrt nach einander in immer tiefere Stufen 



106 XI. Von Pirna mit der Bahn nach Beiggies&hfLbel 

der Formation. Besonders zwischen den Stationen 
Bottwerndorf und Neundorf lasst sich am rechten Ge- 
hänge die Gliederung des Quadergebirges gut über- 
sehen, da die einzelnen Stufen, wie bereits S. 101 er- 
wähnt wurde, durch ein sehr charakteristisches Relief 
von einander sich abheben. Die zahlreichen Stein- 
brüche am unteren Gehänge stehen zu beiden Thal- 
seiten im Quadersandstein mit Inoceramus labiatus 
Schloth. sp. Darauf folgt die Stufe mit Inoceramus 
Brongniarti Sow. und zwar zu unterst, eine sanft an- 
steigende Böschung bildend, der Grünsandstein mit 
Rhynehoneüa bohemica ScJüönb., darüber durch einen 
häufig mit Buschwerk bewachsenen oder als Kirsch- 
plantage benutzten Steilhang markirt, der Ausstrich 
des Pläners mit Inoceramus Brongniarti Sow., über 
diesem wiederum als massig geneigtes Terrain der 
obere Grünsandstein und Mergel, und endlich hoch 
oben auf dem Plateau, auf der Ebenheit, wie man 
hier zu Lande treffend sagt, die Platte des Brongni- 
artiquaders. Auf der linken Thalseite erblicken wir 
eine viel niedrigere Ebenheit, weil hier die ganze 
Brongniartistufe wieder von der Denudation abge- 
tragen worden ist. Nur um die in grosser Nähe sicht- 
bare Basaltkuppe des Cottaer Spitzberges herum haben 
sich die ringförmigen Ausstriche auch der höheren 
Schichten bis hinauf zum oberen Grünsandstein er- 
halten können. 



und von hier über Gottleuba and Göppersdorf a. s.w. 107 

Unterhalb von der Haltestelle Langenhenners- 
dorf sehen wir nach Regen oder Schneeschmelze 
drüben am rechten Thalgehänge einen schönen Wasser- 
fall über den Steilabbruch des Labiatusquaders herab- 
stürzen. Zugleich ist von dort ab die Brongniartistufe 
auch auf der rechten Seite am eigentlichen Thalrand 
nicht mehr vorhanden, sondern weiter zurückgetreten, 
sodass die beiderseitigen jetzt gleichhohen Plateaus 
jetzt nur vom Labiatusquader gebildet werden. Die- 
ser besitzt hier gröberes Korn und grössere Härte, 
als thalabwärts im Cottaer Steinbruchsrevier. 

Dicht oberhalb von der Haltestelle Langenhenners- 
dorf hat die Gottleuba unter dem Labiatusquader 
nicht nur Sandsteine und Conglomerate der Stufe der 
Ostrea carinata Lam., sondern auch das Grundgebirge 
angeschnitten und zwar den Markersbacher Granit, 
der sich in einem röthlichen, vom Flusse gatt abge- 
waschenen Felsenriff zu unserer Rechten erhebt. Un- 
mittelbar an diesem Fels überschreitet die Bahn die 
Gottleuba und zugleich beginnt eine landschaftlich 
äusserst reizvolle Scenerie, da das Flüsschen in schäu- 
menden Katarakten zwischen zahllosen mächtigen 
Sandsteinblöcken und rings von Wald umgeben her- 
niederrauscht. 

Bei der Zwiesel genannten Häusergruppe er- 
weitert sich das Thal, dessen untere Gehänge nun 
schon aus silurischem Schiefergebirge bestehen. Berg- 



108 XI. Von Pirna mit der Bahn nach Berggresshübel 

werkshalden zeigen sich, denn hier mündet der Zwie- 
seler Erbstolln der Eisenerzgruben von Berggiesshübel. 
Bald haben wir das Städtchen selbst erreicht und er- 
blicken dem Bahnhof gegenüber die Gebäude der 
jetzt auflässigen Mutter Gottes -Zeche. 

Man baute hier auf Magneteisenerz. Die Lager- 
stätten liegen im Contacthof des Markersbacher Granit- 
stockes , der sich südöstlich von der Stadt im Grossen 
Hörn und der Hainleithe erhebt, auch nach 0. hin 
mehrfach unter seiner dortigen Bedeckung durch 
das Quadergebirge angeschnitten ist. Die Lager sind 
ein Bestandtheil der Silurformation, deren Schichten 
an der Peripherie des flach unter sie einschiessen- 
den Granitmassives abstossen. Das Hauptgestein des 
erzführenden Complexes ist ein dunkelgraugrüneT 
Hornblendeschiefer, der oft in Strahlsteinschiefer oder 
in hellgebänderte Augit- Hornblendeschiefer übergeht. 
Diese Gesteine sind im Contact aus schalsteinähn- 
lichen Diabastuffen und Tuffschiefern sowie Diabas- 
tuffen mit kalkigen Zwischenlagen hervorgegangen, 
die wir später auf unserer Excursion ebenfalls noch 
kennen lernen werden. Diese „Grünschiefer", wie 
wir sie zusammenfassend nennen wollen, enthalten 
auch grössere Kalksteinlager zwischengeschaltet, die 
im Contacthof theils marmorisirt, theils in Granat- 
fels und Augitgranatfels umgewandelt wurden, theils 
endlich durch Imprägnation vom Granit her an Stelle 



und von hier über Gottleuba und GÖppersdorf u. s.w. 109 

des kohlensauren Kalkes metallische Verbindungen 
empfingen und zu Magneteisenerzlagern wurden. Das 
Eisenerz enthält häufig Lagen, Putzen und Schnüre 
des Granatf elses und umgekehrt, ferner sind Schwefel- 
kies, Kupferkies, Buntkupferkies, Kupferglanz, Zink- 
blende und andere Erze beigemengt. Von allen diesen 
eben aufgeführten Gesteinen und Mineralien können 
wir Material auf der Halde der ehemaligen Mutter 
Gottes- Zeche sammeln, zu deren Betreten es der 
einzuholende Erlaubniss des Besitzers bedarf. Man 
erfragt deshalb dessen Wohnung am besten sofort bei 
der Ankunft am Bahnhof. 

Um zur Halde zu gelangen, gehen wir vom Bahn- 
hof nach ein paar Schritten thalaufwärts links ab auf 
einem über die Gottleuba führenden Weg. Dieser 
fahrt uns an das Mundloch des Friedrichsstollns, wo- 
selbst Material eines beim Stollnbetrieb gebrochenen 
sehr schönen Quarzporphyrs mit grossen Feldspath- 
einsprenglingen aufgehäuft ist. Yon hier aus schlagen 
wir die Richtung zur Kirche ein und sehen alsdann 
die gesuchte Halde bald zur Linken liegen. Wenn wir 
schliesslich noch von dort aus Umschau halten, so 
fällt uns am Thalgehänge gegenüber eine ruinenartige 
Felspartie' auf. Sie besteht aus Labiatusqüader und 
stellt einen inselartigen Denudationsrest des Sand- 
steingebirges dar, das in der Otterndorf er Haide, also 
nach N. hin, sich als zusammenhängende Decke aus- 



110 XI. "Von Pirna mit der Bahn nach Berggiesshübel 

zubreiten beginnt, nach S. aber, nach Gottleuba zu, 
eine lange Halbinsel aussendet und auch einige der- 
artige Inseln bildet, wie die vor uns liegende. 

Wir suchen jetzt die Strasse nach Hellendorf 
auf, um von hier aus am Ostende von Berggiesshübel 
einen nach rechts hin auf die Panoramahöhe hinauf 
führenden Feldweg einzuschlagen. Anfangs gehen 
wir noch durch Grünschieferterrain. Dann deuten 
zahlreiche an den Feldrainen umherliegende Bruch- 
stücke von Fleckschiefer an, dass wir in den äusseren 
Contacthof innerhalb der Phyllitformation eingetreten 
sind. Auf dem Bergrücken der Panoramahohe selbst 
dagegen herrschen ausschliesslich die stark umge- 
wandelten Phyllite des inneren Contacthofes, die An- 
dalusitglimmerfelse. Ausserdem lohnt hier ein präch- 
tiger Kundblick besonders auf die nach S. hin sanft 
ansteigenden Hochflächen der erzgebirgischen Gneiss- 
landschaft. Sehr lehrreich ist auch der Anblick der 
sächsichen Schweiz , die man hier gleichsam im Profil 
vor sich hat. Deutlich verfolgt man das regelmässige 
sanfte Ansteigen der Sandsteinplatten nach S. hin 
und sieht, wie der Lilienstein, Königstein, Gohrisch 
und andere schroffe Bergformen dieser schiefen Ebene 
aufgesetzt sind als Zeugen für den starken Betrag 
der bereits wieder von der Denudation entfernten 
Massen. Bei klarem Wetter erkennt man endlich 
auch rechts von der Brongniartiquaderplatte des Hohen 



und von hier über Gottleuba und Göppersdorf u. s. w. 111 

Schneeberges das Profil der entsprechend niedrigeren 
Tafel des Labiatusquaders , die bei Tyssa steil nach 
S. hin abbricht. Die bedeutende Denudation, die hier 
stattgefunden haben muss, fällt noch mehr ins Auge, 
wenn wir wissen, dass der im S. von uns dem Gneiss- 
plateau aufgesetzte Sattelberg bei Schönwalde nur 
im Gipfel aus Basalt, im unteren Theile jedoch aus 
cenomanem Quadersandstein besteht, einem letzten 
Kest der früher das ganze östliche Erzgebirge über- 
ziehenden Quaderdecke. 

Wir folgen dem Feldweg weiter nach S. hin, 
um auf die Landstrasse nach Hellendorf zu gelangen. 
Vorher passiren wir eine im Contact stark veränderte, 
weil unmittelbar dem Granit benachbarte Gesteins- 
partie, die wir ihrer jetzigen Beschaffenheit nach 
als Biotitgneiss bezeichnen müssen. Das Gestein hat 
indessen nichts mit der Gneissformation zu thun, son- 
dern ist aus einem Chloritgneiss der Phyllitformation 
hervorgegangen. 

Etwas östlich von der Stelle, wo der Feldweg 
die Strasse erreicht hat, liegt ein Granitsteinbruch. 
Dieser ist gerade an der Grenze des Markersbacher 
Granitmassives mit den Schiefern angesetzt. "Wir 
sehen hier ganz deutlich, wie der zu einem schief e- 
rigen Andalusitglimmerfels umgewandelte Phyllit den 
Granit abstossend überlagert. Das Eruptivgestein ist 
nahe am Contact feinkörnig entwickelt und sendet 



112 XI. Von Pirna mit der Bahn nach Berggiesshübel 

viele ebenfalls feinkörnige Apophysen schräg in das 
Schieferdach hinauf. Im Granit selbst setzen viele 
steil aufsteigende zarte Klüfte auf, an die beiderseitig 
dunkel gefärbte Imprägnationsstreifen grenzen. Inner- 
halb dieser Streifen, die stellenweise wolkig an- 
schwellen, ist das Gestein verändert. Es besteht nur 
aus Quarz und einem dunkelgrünen Glimmer, enthält 
aber keinen Feldspath mehr. Es ist also zu Greisen 
geworden , der nun in der That gerade wie der Grei- 
sen der Altenberger Zwitterbänder als fein vertheilte 
Körnchen und Kryställchen Topas und Zinnstein um- 
schliesst. Hier und dort sitzen den erwähnten Klüften 
auch andere charakteristische Mineralien der Zinn- 
steinformation, nämlich Molybdänglanz, Turmalin und 
Flussspath, sowie auch Zinkblende auf. 

Wir kehren zur Landstrasse zurück und schlagen 
kurz vor deren Umbiegung nach SSO. einen Feldweg 
ein, der uns durch Fleckschieferterrain hinunter nach 
dem freundlichen Städtchen Gottleuba führt. Ein 
Theil seiner Häuser, wie die Kirche, ferner auch die 
Promenaden des Tannenbusch südlich vom Orte liegen 
im Gebiete der lang von NW. nach SO. gestreckten 
Eruptivmasse eines eigenthümlichen glimmerfreien 
Granites, der nicht selten Turmalin enthält, häufig 
in radialstrahligen mit Quarz verwachsenen Aggre- 
gaten. Dieser Granitstock sitzt gerade auf der Grenze 
zwischen dem Gneiss und der hier aus einem Halle- 



und von hier über Gottleuba und Göppersdorf u. s.w. 113 

flinta ähnlichen feldspathreichen Quarzitschiefer be- 
stehenden Phyllitformation. Dies Gestein, dessen nor- 
male Beschaffenheit wir südöstlich vom Städtchen an 
den Feldrainen in der Nähe des Vierzehn -Nothhelf er - 
Felsens studiren können, ist unmittelbar am Tur- 
malingranit in einen feldspathreichen Biotithornfels 
umgewandelt worden. Um diesen kennen zu lernen, 
begeben wir uns nach Rosch's Höhe, deren Besuch 
Gästen der dortigen Restauration gestattet wird. Am 
nördlichen Gehänge der pingenartigen Schlucht finden 
wir das Contactgestein anstehend. 

Gleich von hier aus gehen wir alsdann hinüber 
auf die nahe vorbei führende Strasse nach Göppers- 
dorf, die auf eine grössere Strecke hin im Gebiet des 
Turmalingranites sich hält, der hier wesentlich grob- 
körnig ist, während wir ihn im Städtchen unten 
nahe der Kirche oder an dem Vierzehn -Nothhelf er - 
Felsen im Leichengründel feinkörnig hätten antreffen 
können. 

Oben auf der Höhe, von wo wir weithin über 
das Elbthal zu schauen, ja bei klarem Wetter die 
Thürme von Dresden zu erblicken vermögen, gabelt 
sich die Strasse. Zur Rechten erhebt sich hier der 
Spitzberg, der aus Labiatusquader und zuunterst aus 
einem kieseligen Gestein der Carinatenstufe mit Ci- 
daris Sorigneti Des. aufgebaut ist. Ein an der Weg- 
gabel nach S. abgehender Feldweg würde uns zu einem 

Beck, Geologischer Wegweiser. 8 



114 XI. Von Pirna mit der Bahn nach Berggiesshübel 

zweiten derartigen Denudationsrest des Quadergebir- 
ges, zum Kaabstein, führen. 

"Wir erreichen bald die Südwestgrenze des gang- 
artig langgestreckten Granitstockes und befinden uns 
im Gneissgebirge, das aus kleinkörnig -schuppigen 
Biotitgneissen besteht. Blockanhäufungen von Quarz 
und Quarzbrockenfels rühren von ein paar nach NW. 
streichenden Quarzgängen her. Auf der Höhe zwi- 
schen dem ersten und dem zweiten Wiesengrund, über 
die unser Weg Mnwegfuhrt, finden wir am Waldrand 
viele Bruchstücken eines plattigen Muscovitgneisses, 
der kleine Einlagerungen im Hauptgestein bildet. 
Dicht jenseits des zweiten Grundes verlassen wir den 
Fahrweg und benutzen den kürzeren Fusssteig. An 
diesem finden wir den Ausstrich von ein paar klei- 
neren Einlagerungen von dichtem Gneiss, während 
zur Rechten die umherliegenden Fragmente einen Gang 
von Quarzporphyr anzeigen. Wir erreichen Wingen- 
dorf und gehen darauf über das ganz nahe Ostende 
von Göppersdorf das Bahrethal abwärts. 

Der Gneiss wird hier von einem Schwann zum 
Theil sich gabelnder und wieder sich vereinigender 
Gänge und von breiteren Intrusivmassen von Quarz- 
porphyr durchsetzt, die wir rechts vom Wege wieder- 
holt anstehen sehen. Etwa 1 km unterhalb von Göppers- 
dorf verlassen wir wieder das Gneissgebirge, das wir 
hier wie das nun folgende Schiefergebirge nach NW. 



und von hier über Gottleuba und Göppersdorf u. s.w. 115 

streichen und sehr steil aufgerichtet sehen. Die stark 
vom Gebirgsdruck gestauchten Schichten des zum 
Theil stengelig gestreckten Gneisses hatten strecken- 
weise völlig saigere Stellung oder fielen gar wider- 
sinnig nach Südwesten ein. Schon dicht unterhalb 
von Göppersdorf begann sich zur Rechten des Thaies 
der steile Bergrücken des Herbstberges zu erheben, 
der zum grössten Theile aus einem petrographisch 
ganz gleichen Turmalingranit aufgebaut wird, wie der 
von Gottleuba es ist. Auch hier bildet der Granit 
eine lang nach NW. gestreckte Eruptivmasse, die in 
der Streichlinie des Gottleubaer Vorkommnisses und 
wiederum in der Hauptsache gerade zwischen Gneiss- 
und Phyllitformation aufsetzt. Etwas oberhalb der 
Brücke, auf der die Strasse vom linken auf das rechte 
Bächufer übersetzt, steht am linken Gehänge ein 
feldspathreicher Quarzit der Phyllitformation an, die 
auch hier unmittelbar an die Gneisse sich anschliesst. 
Eine merkwürdige Riefung und Neigung zu stenge- 
liger Structur, die wir an diesem Quarzit bemerken, 
sind Folgen starker Streckung durch den Gebirgs- 
druck. Bei aufmerksamer Beobachtung gewahren wir 
an der felsigen linken Wegböschung, wie diese Quar- 
zite von dem spitz auslaufenden Nordwestende jener 
granitischen Eruptivmasse durchsetzt werden. Jen- 
seits der Brücke folgen glimmerige Phyllite, deren 
Bruchstücke wir auf den Feldern vorfinden. Sie 

8* 



116 XI. Von Pirna mit der Bahn nach Berggiesshübel 

werden von mehreren Porphyrgängen durchzogen. 
Ein stärkerer derartiger Gang, der an der rechten 
Wegböschung ansteht, bildet zugleich die Yerwer- 
fungsgrenze zwischen der Phyllitformation und der 
von hier thalab auf weite Strecken hin folgenden 
Silurformation, die mit steil nach NO. fallenden grauen 
Thonschiefern beginnt. 

Bei der Sandmühle erreichen wir die Südwest- 
grenze eines mächtigen aus schalsteinartigen Diabas- 
tuffen, aus Tuffschiefern und Thonschiefern zusam- 
mengesetzten Schief ercomplexes , dem dicht östlich 
von der Mühle ein kleines Kalksteinlager eingeschaltet 
ist. Wir finden dieses oben im Felde durch einen 
alten Bruch aufgeschlossen. Der Kalkstein bildet hier 
keine geschlossene Einlagerung, sondern es wechsel- 
lagern Lagen von streifigem Kalkstein mit solchen 
von kalkigem Thonschiefer und Tuffschiefer. Die ge- 
sammte hier an der Sandmühle entwickelte Schichten- 
gruppe ist dieselbe, die wir zu Berggiesshübel im Con- 
tact verändert fanden und deren Um wandlimgsproducte 
wir auf der Halde der Mutter Gottes -Zeche studirten. 

Ein paar Hundert Schritt unterhalb der Sand- 
mühle kreuzt unsere Strasse abermals einen mäch- 
tigen Porphyrgang. Wir gelangen hierauf nach Nieder- 
gersdorf und später zur Bornmühle, in deren Nähe 
an dem rechten Thalgehänge wieder schalsteinähn- 
liche Diabastuffe anstehen. 



und von hier über Gottlenba und Göppersdorf u. s. w. 117 

Dem eben durch wanderten silurischen Schichten- 
verband gehören auch die schwarmf örmig geschaarten 
Kalksteinlager an, die mit nordwestlichem Streichen 
nördlich vom Dorfe Borna hinziehen. Wir könnten 
unter Umständen den links nach diesem Dorfe sich 
wendenden und alsdann den nach dem Lotze'schen 
Kalkbruche rechts abführenden Weg einschlagen, um 
den lichtgrauen, theils massig erscheinenden, theils 
plattig geschichteten, immer versteinerungsleeren Kalk- 
stein kennen zu lernen. Die einzelnen Lager werden 
durch graue, zum Theil sehr kalkhaltige Thonschiefer 
von einander getrennt. Alsdann würden wir wieder 
die vorhin verlassene Babrethalstrasse aufnehmen. 

Wo diese den Fuss des linken Thalgehänges er- 
reicht, stehen dicht erscheinende, hornsteinähnliche 
Quarzite an, die den scharf im Terrain hervortreten- 
den Rücken des Mühlberges bilden. Dann kreuzen 
wir eine breite Einlagerung von eigentümlichen 
Kieselschiefern, die aus dünnen Lagen und Schmitzen 
von verschieden gefärbtem, schwarzem, grauem oder 
weissem , bald kohlenstoffreichem , bald armen Quarzit 
zusammengesetzt ist. Durch den Gebirgsdruck ist 
dies Gestein dermaassen zerstückelt worden, dass es 
gewöhnlich einer Breccie gleicht. 

Weiter thalab folgen schwärzliche kohlenstoff- 
reiche Thonschiefer. Sie sind besonders gut an der 
Steilböschung an der linken Strassenseite kurz vor 



118 XI. Von Pirna mit der Bahn nach Berggiesshübel 

Friedrichswalde aufgeschlossen. Man gewahrt in 
ihrem Verband Zwischenschichten von einer Kalk- 
grauwacfce und von Kieselschiefer. Zugleich beginnen 
sich hier auf den Flächen des schwarzen Thonschief ers 
Knötchen zu zeigen. Diese Knotenthonschiefer ver- 
rathen uns, dass bis hierher der contactmetamorphische 
Einfluss unterirdischer granitischer oder syenitischer 
Massen sich geltend macht. Yon hier bis zum nächsten 
Granitauf schluss, bis zur Südwestgrenze des Lausitzer 
Granites, sind in der Luftlinie 1,5 km. Weiter west- 
lich bei Nenntmannsdorf finden wir sogar eine noch 
grössere Breite der Contactzone südwestlich von jenem 
Granit (3 km). Es erklärt sich dies am einfachsten durch 
die Annahme, dass der Hornblendegranitit von Weesen- 
stein, der am rechten Gehänge des Müglitzthales flach 
unter seine Schieferhülle einschliesst, in südöstlicher 
Richtung unterirdisch bis in die Gegend von Friedrichs- 
walde flach unter dieser Schieferdecke fortstreicht. 
So musste sich sein Einfluss mit dem des Lausitzer 
Granitites vereinen, und die beiderseitigen Contactzonen 
konnten zu einer einzigen von so ungewöhnlicher 
Breite verschmelzen. "Wir treffen denn auch bei der 
weiteren Wanderung von hier thalabwärts bis zum 
Lausitzer Granit nur Gesteine an, die ihrer Structur und 
Zusammensetzung nach typische Contactgesteine sind. 
Unterhalb von Friedrichswalde, dort wo die 
Strasse den Fuss des rechten Thalgehänges erreicht, 



und von hier über Gottleuba und Göppersdorf u. s. w. 119 

steht zunächst an der Böschung ein körniges Horn- 
blendegestein an, ein im Contact amphibolitisirter 
Diabas, von dessen ehemaligem Augit nur noch spär- 
liche Reste inmitten der neugebildeten Hornblende 
übrig sind. Dann folgt eine mächtige Schichtengruppe 
von steil nach NNO. einfallenden schieferigen Horn- 
blendegesteinen, die zum Theil in Strahlsteinschiefer 
übergehen. Sie entsprechen den Grünschiefern der 
Berggiesshübeler Gruben und sind, wie diese, im 
Contact aus Diabastuffen, zum Theil vielleicht auch 
aus durch Gebirgsdruck vorher schieferig gewordenen 
Diabasen hervorgegangen. Kurz vor dem alten Kalk- 
ofen finden wir am linken nur bei niedrigem Wasser- 
stand zugänglichen Bachufer einen alten verlassenen 
Bau auf ein im Contact marmorisirtes Kalksteinlager 
mit Schwefelkiesimprägnationen. Das Hangende bilden 
schieferige Hornblendegesteine, das Liegende dunkele 
Knotenschiefer und Kieselschiefer. Dicht unterhalb 
der Einmündung des nächsten Seitenthalchens von 
links her steht zur Rechten Knotenschiefer an, dann 
aber folgen wieder massige Hornblendegesteine, um- 
gewandelte Diabase. Etwa 100 Schritt unterhalb 
ihrer Südgrenze bemerken wir an der rechten Bö- 
schung in ihnen eine Zwischenbank von gebändertem 
Hornfels, ein Beweis dafür, dass mindestens zwei 
Lager des Eruptivgesteines vorliegen. Mit schwarzem 
Knotenschiefer und einem kleinen Kalklager, das 



120 XI. Von Pirna mit der Bahn nach Berggiesshflbel 

durch einen alten Stolln rechts von der Strasse auf- 
geschlossen ist, schliesst nach Nord hin die Gruppe 
von Gesteinen sicher silurischem Alters ab. 

Es folgt jetzt ein Gesteinscomplex unsicheren 
Alters, der aus stark durch Contact veränderten und 
dadurch krystallin gewordenen Grauwacken und Hörn- 
felsen mit Zwischenschichten von Knotenglimmer- 
schiefer besteht. Seinem Verbände ist ein auf 6 km 
Entfernung zu verfolgendes Lager von Quarzit ein- 
geschaltet, das wie die Schiefergesteine seiner Um- 
gebung nach NW. streicht und sehr steil nach SW. 
einschiesst. Am Hallstein bildet dieser Quarzit eine 
Strecke weit das rechte Thalgehänge und erscheint 
als eine mächtige , oben in zackige Zinnen auslaufende 
Felsenmauer, an der augenscheinlich der Bach nach 
W. hin abgelenkt worden ist, um sie erst nach er- 
neutem Anlauf an einer schwächeren Stelle zu durch- 
brechen. In der Nähe eines Hauses , an dem wir vor- 
bei gehen, sind krystallin e Grauwacken und Knotenbio- 
titschiefer durch einen Steinbruch gut aufgeschlossen. 
Wenig unterhalb dieses Hauses, aber dicht jenseits 
der aufs linke Ufer hinüber führenden Brücke unserer 
Strasse haben wir die Gebirgsscheide zwischen Schiefer- 
gebirge und Lausitzer Granit erreicht. 

Um sie genauer kennen zu lernen, müssen wir 
östlich von der Brücke das rechte Steilgehänge näher 
untersuchen. Hier finden wir, dass die eigentliche 



nnd von hier über Gottleuba und Göppersdorf u. s. w. 121 

Contactfläche nach WNW. streicht und unter 80 — 90 ° 
nach S. einfällt. Unmittelbar vor derselben aber wird 
das Schiefergebirge von einer Anzahl mächtiger Grani- 
titgänge durchzogen, die der Gebirgsscheide anschei- 
nend parallel gestellt sind. Ihr Gestein ist stark 
durch Gebirgsdruck zerrüttet. 

Der Strasse weiter thalabwärts folgend passiren 
wir nach etwa 420 Schritten einen nur etwa 1 m mäch- 
tigen Gang von feinkörnigem glimmerarmen Granit 
im Granitit und ein paar Schritte weiter einen stär- 
keren von gegen 5 m Mächtigkeit. Dicht unterhalb 
der Einmündung eines Seitenthalchens von links her 
ist ferner an der Strassenböschung ein Gang von 
Gimmerdiorit, der mit ein paar Apophysen den Granitit 
durchsetzt, gut aufgeschlossen. Bald darauf ver- 
schwindet der Granitit unter der Thalsohle, und die 
obere Kreideformation, deren Schichten unter 3 — 5° 
nach NNO. einfallen, lagert sich auf. Ein alter Stein- 
bruch zur Linken der Strasse hat die untersten Schich- 
ten der Formation, die der Carinatenstufe angehören, 
aufgeschlossen. Das dortige Profil wurde bereits 
S. 96 angegeben. 

Bis wir Zuschendorf erreichen, wo sich Bahre 
und Seidewitz zum Zehistabach vereinen, sehen wir 
noch wiederholt Sandsteine und Conglomerate der 
Carinatenstufe an den Strassenböschungen ange- 
schnitten zum Theil unter einer Decke von jungdilu- 



122 XI. Von Pirna mit der Bahn nach Berggiesshübel n.s.w. 

vialen Schottern oder Gehängelehm. Die Strasse 
führt nun in einem breiteren Thale über Zehista nach 
Pirna. Die Ziegeleien bei dem genannten Dorf e bauen 
den Gehängelehm des rechten Thalgehänges ab, 
während das linke einen aus Labiatuspläner bestehen- 
den Steilabfall uns zukehrt. Am Kohlberg, der sich 
kurz vor Pirna zur Rechten der Strasse erhebt, kommen 
auch Schichten der auf jenem folgenden Brongniarti- 
stufe (vergl. S. 100), nämlich Grünsandstein mit 
BhynchoneUa bohemica Schlönb. und Pläner mit Ino- 
ceramus Brongniarti Sow. zum Ausstrich. Um sie 
näher kennen zu lernen, müssten wir den vom Nord- 
fusse des Berges hinauf zum Wirthshause führenden 
Feldweg einschlagen. Die Kuppe der Erhebung wird 
dagegen von einem feuersteinreichen Diluvialkies 
gebildet. 



XII. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 123 




XII. 
Ton Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 

uch diese Excursion gilt dem Schiefergebirge 
und den Contacterscheinungen an dessen 
Grenze nach dem Granit hin. Sie hat grosse 
Aehnlichkeit mit der vorigen und bietet wie diese 
ein sehr vollständiges Querprofil durch das Gebirge 
dar. Man kann sie von Dresden aus in der Weise 
recht gut an einem Tage ausführen, dass man früh 
über Hügeln nach der Haltestelle Oberschlottwitz 
fährt und von dort über Berthelsdorf nach dem eigent- 
lichen Ausgangspunkt Liebstadt geht. Auch lässt 
sich diese Excursion leicht an den ersten Theil von 
Route XI anschliessen, wenn man von Göppersdorf 
nach Liebstadt hinüber geht und in diesem freund- 
lichen Städtchen übernachtet. 

Solche, die von der Haltestelle Oberschlottwitz 
ausgehen, werden auf den Schlottwitzer Achat und 
Amethyst führenden Quarzgang aufmerksam gemacht, 
der mit dem Streichen NNO. von Döbra bis Unter- 
schlottwitz auf eine Entfernung von über 6 km hin 
das Gneissgebirge durchzieht und hierbei auch die 
seine Linie kreuzenden Gänge von Quarzporphyr durch- 



124 Xll. Von Liebstadt das Seide witzthal hinab nach Pirna. 

setzt. Am besten ist dieser Gang am linken Müglitz- 
ufer dicht unterhalb von der Neumühle und der 
Friedensmühle aufgeschlossen. Er bietet dem Sammler 
Bandachat, Trümmerachat, Jaspis, Chalcedon und 
Amethyst. 

Liebstadt, unser eigentlicher Aussichtspunkt, liegt 
innerhalb des Gebietes der erzgebirgischen Gneiss- 
formation, die hier fast ausschliesslich aus mittelkör- 
nig-schuppigen bis körnig -flaserigen Biotitgneissen 
besteht. Das Streichen der Schichten ist schon hier 
und weiterhin das ganze Thal abwärts durchweg nach 
NW. gerichtet, das Einfallen nach NO. Die Lausitzer 
Eichtung, der das gesammte Schiefergebirge südöst- 
lich von Dresden unterworfen ist, hat also schon hier 
in der nordöstlichen Randzone der erzgebirgischen 
Gneissformation die Herrschaft erlangt. 

Die Strasse an der Seidewitz abwärts wandernd 
sehen wir unterhalb des Städtchens mehrfach Quarz- 
porphyr an der Thalböschung entblösst. Eine ganze 
Anzahl von Gängen dieses Gesteines übersetzt mit 
ostwestlichem Streichen das Thal, wobei sich einige 
gabeln und zum Theil wieder vereinigen oder endlich 
an gewissen Stellen zu breiten Intrusivmassen an- 
schwellen. In der Gegend der Schneckenmühle be- 
ginnen die Gneisse feinkörniger und feinschuppiger 
zu werden. Etwa 300 Schritt oberhalb der Mühle 
sehen wir an der Strassenböschung sogar eine dicht 



Xll. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 125 

erscheinende sclüeferige , phyllitähnliche Abände- 
ung anstehen , die eine Einlagerung im "normalen Ge- 
stein bildet. Dicht unterhalb der Mühle verräth 
wiederum ein Porphyrgang seinen Ausstrich im Gneiss, 
dann aber, etwa 200 Schritte von der Mühle abwärts, 
passiren wir die Grenze zwischen Gneiss- und Phyllit- 
formation. Die Phylüte sind hier nicht gut aufge- 
schlossen, am besten noch am schwer zugänglichen 
rechten Bachufer. Auch finden wir sie an den Bö- 
schungen eines links von der Strasse abgehenden Weges 
wenige Schritte am bewaldeten Gehänge aufwärts 
angeschnitten. 

Bald mündet von links her ein Seitenthälchen. 
Der an seinem nördlichen Gehänge hinführende Weg 
würde uns anfangs durch Phyllitterrain führen, dann 
ins Gebiet von Chloritgneiss (siehe S. 80), der hier 
durch starken Gebirgsdruck stengelig- streifige Struc- 
tur erhalten hat. 

Die Strasse weiter abwärts gelangen wir dicht 
unterhalb jenes Seitenthälchens in eine Zone von grün- 
lichgrauen, matt glänzenden, dünnspaltigen Schiefern 
mit vielen Zwischenlagen von chloritischem Horn- 
blendeschiefer. Petrographischen Analogien nach ge- 
hört dieser Gesteinscomplex vermuthlich insCambrmm. 
Diese Schiefer bilden auf der rechten Thalseite an 
einer Stelle ein weit nach NW. vorspringendes Fel- 
senriff, das den Bach eine Strecke weit von seinem 



126 XII. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 

nördlichen Lauf nach W. hin ablenkt. Wenig unter- 
halb von diesem Felsenriegel legen sich concordant 
auf jene wahrscheinlich cambrischen Schiefer die 
Gesteine der Silurformation, die von jetzt ab auf eine . 
weite Strecke hin die Thalwände bilden. Die For- 
mation beginnt mit einem Diabaslager, dann folgen 
graue Thonschiefer, schalsteinähnliche Diabastuffe und 
Tuffschiefer. Bald führt die Strasse an einem alten 
Anbruch vorbei, in dem wir einen wie die Schiefer 
unter etwa 30° nach NO. einfallenden Lägergang von 
Quarzporphyr aufgeschlossen finden. Eine Reibungs- 
breccie aus eckigen Bruchstücken von grauem und 
schwarzem Thonschiefer bezeichnet sein hangendes 
Salband. Nach wenigen Schritten ist gleichfalls dicht 
an der Strasse durch einen anderen verfallenen Stein- 
bruch ein zweiter nach NO. einschiessender Lager- 
gang angeschnitten , der nahe am Strassengraben nach 
seinem Hangenden zu anschwillt und eine der Schich- 
tung folgende Apophyse aussendet. Sein Dach bilden 
kohlenstoffreiche Thonschiefer, darüber folgt eine 
Kalksteinlage, in die jene Apophyse eingedrungen ist, 
und endlich ein schmutzig graugrüner Diabastuff. 
Eine genaue Untersuchung des Terrains hat seiner 
Zeit ergeben , dass beide Gänge sowohl am linken wie 
am rechten Thalgehänge sich vereinen. Wir haben 
also hier ein Beispiel anastomosirender Eruptiv- 
gänge. 



r 



XII. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 127 

Bald gelangen wir zu den Kingöfen des Nennt- 
mannsdorfer Kalkwerkes. Die in deren Nähe im Ab- 
bau begriffenen Kalklager gehören dem Lagerzug an, 
der sich in südöstlicher Richtung von hier über Borna 
bis Berggiesshübel erstreckt. Wir besuchen das nächst- 
liegende Lager, das durch einen grossen Tagebau 
gegenüber vom Gasthof zum Ringofen aufgeschlossen 
ist. Das Lager ist grünlich grauen, zum Theil kalk- 
haltigen Thonschiefern eingeschaltet und besitzt eine 
Mächtigkeit von über 30 m einschliesslich einiger un- 
brauchbarer Zwischenmittel von schwarzem Schiefer. 
Der wahrscheinlich untersilurische blaugraue, streifige, 
plattig geschichtete Kalkstein hat bis jetzt noch nie- 
mals Versteinerungen geliefert. An dieses Lager 
legt sich weiter nordöstlich ein zweites an, das nur 
durch eine schmale Schieferwand von jenem getrennt 
ist. Wir kehren zur Strasse zurück und setzen unsere 
Thalwanderung jetzt im Gebiete von Section Pirna 
weiter fort. 

Die beiderseitigen Gehänge bestehen aus grauem 
oder schwärzlichem Thonschiefer. Wir befinden uns 
jetzt in einem Horizonte, der von hier nach NW. hin 
bis in die Gegend von Maxen zu verfolgen ist und 
dort durch Graptolithenfunde als Obersilur zu be- 
stimmen war. Ein paar Hundert Schritt unterhalb 
des Biensdorfer Seitenthaies, dort, wo der Fahrweg 
nach Nenntmannsdorf rechts abgeht, steht als Ein- 



128 XII. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 

lagerung dieser Schiefer am linken Gehänge ein dicht 
erscheinender, hornsteinartiger, häufig gemeinem Opal 
ähnlicher Quarzit an , dessen 1 — 3 cm dicke Schichten 
durch zahlreiche Querklüfte in lauter scharfkantige 
parallelepipedische Stücke zerlegt sind. Folgen wir 
dem eben erwähnten Fahrweg eine kurze Strecke nach 
rechts hin, so finden wir auf den Schieferflächen der 
an seiner Böschung anstehenden schwarzen Thon- 
schiefer die ersten dunkelen Knötchen, ein Anzeichen 
dafür, dass wir die äusserste Grenze der contactmeta- 
morphisch veränderten Gesteinszone im Schiefergebirge 
erreicht haben. Zwischen hier und dem ersten Granit- 
aufschluss weiter thalabwärts liegt eine Strecke von 
5 km. Die vermuthliche Ursache dieser so auffälligen 
Breite der Contactzone findet sich auf S. 118 ausein- 
andergesetzt. Yon jenen Knötchen abgesehen zeigen 
die hier anstehenden Thonschief er noch keine weiteren 
Unterschiede von den normalen. Die Kieselschiefer 
dagegen, die den nordöstlich vor uns sich erhebenden 
Kücken des Geyersberges zusammensetzen und die 
wir beim "Weiterverfolgen der Thalstrasse auch am 
linken Gehänge ausstreichen sehen, verrathen über- 
haupt noch keine Anzeichen von Contactmetamorphis- 
mus. Diese Kieselschiefer sind übrigens keine eigent- 
lichen Lydite, vielmehr bestehen sie aus lauter 
Schmitzen und schmalen Lagen von verschieden ge- 
färbtem, theils von Kohle geschwärztem, theils lichtem 



Xu. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 129 

Quarzit. Genau so wie wir es im Bahrethale unter- 
halb der Bornmühle fanden, sind diese Gesteine auch 
hier durch den Gebirgsdruck in eine breccienartige 
Masse verwandelt. Oben auf den durchweg von der 
Eeldwirthschaft eingenommenen Hochflächen zu bei- 
den Seiten des Thaies markirt sich dieser Kieselschiefer- 
zug in Gestalt von langgestreckten, mit Buschwald 
bedeckten Bergrücken, die dem nordwestlichen Haupt- 
streichen folgen, so im Kanitzberg und dem vorhin 
erwähnten Geyersberg. 

Thalabwärts bis zur Nenntmannsdorfer Mühle 
durchwandern wir hierauf eine breite Zone von schwar- 
zem Knotenschiefer. Auf dem felsigen Yorsprung 
zwischen dem Hauptthal und dem Nenntmannsdorfer 
Seitenthal dicht südwestlich von der Mühle können 
wir sie näher studiren. Den tief schwarzen, durch 
einen gewissen Glanz grösseren Reichthum an neu- 
gebildetem Biotit verrathenden Knotenschiefern sind 
häufig schmale Lagen von Lydit und von Grauwacke, 
sowie von Kalkgrauwacke zwischengeschaltet. Die 
Schichten in der Umgebung der Mühle stehen senk- 
recht oder sind sehr steil nach NO. oder SW. geneigt. 
An der Strasse dicht nördlich von den Gebäuden sind 
sie stark gestört und zeigen einen vielfach gewundenen 
Verlauf. 

Dicht unterhalb der Mühle beginnt eine andere 
Gesteinszone, die wir in einem Steinbruch daselbst 

Beck, Geologischer Wegweiser. < 9 



130 XII. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 

links an der Strasse aufgeschlossen finden. Sie besteht 
wesentlich ans einer dünnplattig geschichteten Grau- 
wacke, die imContact eine körnig-schuppige krystalline 
Structur erhalten hat, zum Theil auch fast dicht und 
hornf eisartig erscheint. Unter ihren umkrystallisirten 
oder neugebildeten Gemengtheilen sind schon für das 
unbewaffnete Auge silberweisse , lappig umrandete 
und oft quer zur Schichtung gestellte Muscovitschüpp- 
chen erkennbar. Die Strasse schneidet diese krystal- 
linen Grauwacken auf einer Strecke von 600 bis 
700 Schritt. 

Jenseits dieser Zone verengert sich das Thal, 
seine Wände werden steiler und bestehen vielfach 
aus nacktem Fels. Besonders eine Klippe mit einem 
fingerförmig aufragenden Felszacken macht sich be- 
merklich. Das Thal durchschneidet hier den Zug 
von Grünschief ern , der sich von Weesenstein nach 
SO. bis Friedrichswalde verfolgen lässt. Dieser Schich- 
tencomplex besteht vorwiegend aus strahlsteinsehiefer- 
ähnlichen Hornblendeschiefern, enthalt aber auch 
Schmitzen von Kalkstein. Diese sind oberflächlich 
ausgewittert und haben flach linsenförmige, der Schich- 
tung parallele Hohlräume hinterlassen. Die mikro- 
skopische Untersuchung hat bewiesen, dass diese deut- 
lich geschichteten Hornblendeschiefer durch die 
Contactmetamorphose aus schalsteinähnlichen Diabas- 
tuffen und Tuffschiefern, zum Theil vielleicht auch 



XII. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 131 

aus gequetschten, also durch Gebirgsdruck schieferig 
gewordenen Diabasen erzeugt sind. 

Dicht jenseits der Brücke, auf der wir die Seide- 
witz überschritten haben, stehen nun auch körnig - 
krystalline massig entwickelte Hornblendegesteine an, 
die in analoger Weise als Contactproducte aus eigent- 
lichen Diabasen aufgefasst wurden. Sie enthalten 
local noch Reste von nicht völlig amphibolisirtem 
Augit. Das dioritähnliche Gestein ist durch einen 
grossen Steinbruch zur Gewinnung von Strassen- 
schotter aufgeschlossen. Hier gelingt es mitunter, 
die erwähnten Augitreste schon mit einer guten Loupe 
aufzufinden. Nordöstlich grenzt dieser amphiboli- 
tisirte Diabas wiederum an Hornblendeschiefer, die 
in einem verlassenen Steinbruch an der Strasse an- 
geschnitten sind. Sie enthalten als Einlagerung einen 
Schichtencomplex, der aus 1 bis 3 cm dicken Lagen 
und Schmitzen von im Contact marmorisirtem Kalk- 
stein und von schieferigem Hornf eis besteht. Weiter 
nördlich schneidet die Strasse ein zweites Lager von 
körnigem amphibolitisirtem Diabas. Dieses ist auf 
eine Erstreckung von im ganzen über 4 km nach 
NW. und nach SO. hin verfolgt worden. Es scheint 
hier von Lagerungsstörungen betroffen zu sein, denn 
auf der Sohle des auf ihm hart an der Strasse an- 
gesetzten Steinbruches ist eine von Klüften allseitig 
begrenzte fremde Gesteinspartie von mindestens bis 

9* 



132 Xu. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 

5 m itn Durchmesser entblösst. Sie besteht aus stark 
zerdriicktemschwärzHchemSchieferundKieselschiefer. 

Unweit dieses Bruches befindet sich ein kleines 
Brückchen, auf dem der Pfad nach den Gehöften von 
Oberseidewitz den Bach überschreitet. Hier steht am 
rechten Bachufer ein ziemlich grobkörnig -schuppiges 
feldspathreiches Andalusitglimmergestein an. Diese 
Einlagerung kann von hier aus weit nach NW. hin 
immer längs der Zone von Hornblendegesteinen ver- 
folgt werden. Es ist derselbe Gesteincomplex, den 
wir zum Theil als feldspathreiches Cordieritgestein 
mit ziemlich breitem Ausstrich auf der Excursion im 
Lockwitzthal entwickelt sahen. Er gehört bereits der 
ihrer stratigraphischen Stellung nach unsicheren Grau- 
wackenformation von Weesenstein an. Seine nach 
NW. streichenden Schichten fallen hier im Seidewitz- 
thale nach SW. hin ein. 

Noch ehe die Strasse eine kurze Biegung nach 
0. hin macht, sind an der Böschung zur Linken 
schieferige Hornfelse und krystalline Grauwacken ent- 
blösst, die mit stark glänzenden grauen oder röt- 
lichen Knotenglimmerschiefern wechsellagern, ein 
Schichtenverband, dessen Ausstrich ganz wie bei 
Weesenstein als eine ziemlich breite Zone das Thal 
übersetzt. Die Schichten fallen hier steil nach SW. 
ein. Bei der Strassenbiegung selbst gerade, wo von 
links her eine Seitenschlucht einmündet, stösst das 



XII. Von Liebstadt das Seidewitzthai hinab nach Pirna. 133 

Gestein des langen Quarzitlagers hervor, das wir 
auf der Excursion durch das Bahrethal am Hallstein 
kennen lernten. In seiner massigen Ausbildung gleicht 
das Quarzitlager hier eher einem Quarzgang, wie es 
denn überhaupt dahingestellt sein mag, ob diese im 
allgemeinen nur richtungslos körnig -kry stallin struirte 
Quarzmasse ein Lager oder ein Gang ist. Wenn 
auch eine nicht selten in derselben auftretende Ban- 
kung einer Schichtung zu entsprechen scheint, so 
lassen sich gewisse andere Merkmale dieses langen 
Quarzzuges eher durch seine Auffassung als Gang 
erklären, besonders die ausserordentlich weite Er- 
streckung bei verhältnissmässig geringer Mächtigkeit. 
Auch an die Gegenwart von ähnlichen Quarzzügen 
in der granitischen Lausitz, wo Niemand an ihrer 
Gangnatur zweifeln wird, mag hier erinnert werden. 
Bei dieser Auffassung wäre das Gebilde als ein kleineres 
Analogon mit dem böhmischen und dem bayerischen 
Pfahl zu vergleichen, die früher auch als Lager be- 
trachtet worden sind. 

Die Strasse führt uns jetzt eine grosse Strecke 
thalab, ohne dass sich die Gesteinsbeschaffenheit am 
Gehänge wesentlich ändert. Bald sind Hornfelse 
oder krystalline Grauwacken, bald Knotenglimmer- 
schiefer entblösst. Dort wo von links her ein Fahr- 
weg herab kommt, haben wir die letzten Aufschlüsse 
im Schiefergebirge erreicht. Im lehmigen Yerwitte- 



134 XII. Von Liebstadt das Seidewitzthal hinab nach Pirna. 

rungschutt des röthlich zersetzten Schiefers fallen 
uns hier schon einzelne verrollte Fragmente vonPläner- 
sandstein auf, ein Beweis, dass die sanft nach NO. 
geneigte Auflagerungsfläche der oberen Kreidefor- 
mation nun bald die Thalsohle erreichen wird. 

Um den Lausitzer Granit selbst, an den sich die 
bis hierher durchwanderte breite Contactzone an- 
schliesst, noch aufzusuchen, folgen wir dem eben 
erwähnten Weg nach rechts über die Wiesen und 
über den Bach, an der Eulmühle vorüber und das 
Gehänge hinauf, wo in den Feldern Bruchstücke eines 
quarzitischen Schiefers sich zeigen. Noch ehe dieser 
Weg nach S. umbiegt, schlagen wir einen nach SO. 
abgehenden Fusspfad ein, der uns in das Dorf Zwirtsch- 
kau bringt. Hier steht in einer Grube an der Land- 
strasse der allerdings stark zersetzte und theilweise 
zu Grus zerfallene Granitit an. Wir gehen alsdann 
auf der Strasse nach Zuschendorf hinab. Kurz vor 
diesem Dorf e ist zur Rechten durch einen kleinen ver- 
lassenen Bruch der Quadersandstein der Stufe der 
Ostrea carinata Lam. aufgedeckt. Wir sehen liier den 
untersten, dem Granitit unmittelbar auf ruhenden Schich- 
tencomplex der oberen Kreideformation. 

Yon Zuschendorf aus erreichen wir Pirna auf der 
im Thale des Zehistabaches hinführenden Strasse, die 
wir bereits auf der vorigen Excursion (vergl. S. 122) 
kennen lernten. 



XIII. Von Gottleuba über Tyssa nach Tetschen. 135 



XIII. 
Von Gottleuba über Tyssa nach Tetschen. 



IfKULmj&MmV 







iese Excursion dient vor allem dazu, die auf 
den frühereu Ausflügen erlangte Kenntniss 
der Kreideformation zu vervollständigen und 
zugleich einen Einblick in die grosse nordböhmische 
Bruchzone zu gewinnen. Der Ausflug beansprucht 
einen vollen Tag und wird sich am besten an den 
ersten Theil von Tour XI anfügen lassen, nachdem 
man in Gottleuba übernachtet hat. 

Yon dem Städtchen aus führt uns die Hellen- 
dorf er Strasse zunächst durch das Leichengründel durch 
den Ausstrich des gangartigen Stockes von Turmalin- 
granit hindurch, den wir zur Rechten in Felsklippen an- 
stehen sehen. Der dann folgende Quarzitschief er lässt 
sich nur an sehr spärlichen Lesesteinen constatiren, 
wenn man nicht die Anhöhen zur Linken erklimmen 
will. Dort wo die Strasse die Höhe gewinnt, lagert 
sich auf das ältere Gebirge die Kreideformation auf. 
Die grosse städtische Sandgrube zur Linken ist in 
dem hier ganz mürben, zum Theil zu lockerem Sand 
zerfallenen Labiatusquader angesetzt. Das Binde- 
mittel dieses Sandsteines ist hiervielfach eisenschüssig. 
Auch bemerkt man auf Klüften und Hohlräumen nierige 



136 XIII. Von Gottleuba über Tyssa nach Tet sehen. 

Ueberzüge von Stilpnosiderit und Psilomelan. Bei 
dieser Sandgrube geht zur Rechten ein Fusspfad ab, 
dem wir folgen. Kurz vorher, ehe dieser die Haupt- 
strasse nach Teplitz erreicht, finden wir im "Walde 
viele Bruchstücke eines Quarzconglomerates und eines 
feinkörnigen Quarzsandsteines mit Ostrea carinata 
Lara. Diese Schichten unterteufen den Labiatusquader 
als unterstes Glied der Kreideformation. Die Strasse 
bergab gelangen wir nach Hellendorf, das im Gebiet der 
Gneissformation gelegen ist. Mittelkörnig -schuppige 
bis flaserige Biotitgneisse walten vor. Das linke Thal- 
gehänge unterhalb des Dorfes dagegen am Wege nach 
Markersbach besteht aus dem ganz gleichen Turmalin- 
granit, den wir in Gottleuba antrafen. Die Strasse, 
der wir weiter folgen, kreuzt kurz vor Peterswalde 
eine grössere Einlagerung von Muscovitgneiss, wie 
wir an den Lesesteinen uns überzeugen. Wenig ober- 
halb des ersten Teiches im Dorfe schlagen wir den 
linksab nach Raitza führenden Fahrweg ein. Auf der 
nächsten Höhe, die er bald gewinnt, sehen wir den 
Gneissen Conglomerate auflagern mit erbsen- bis faust- 
grossen Gerollen von Quarz und einem thonig- 
sandigen Bindemittel. Es sind die zur Carinatenstufe 
der oberen Kreide gehörigen Grundconglomerate. 
Bald gelangen wir nach Neuhof und Eaitza. Jenseits 
des Ortes sehen wir eine lange, vielfach zerrissene 
Felsenmauer sich erheben. Sie besteht aus Labiatus- 



XIII. Von Gottlenba über Tyssa nach Tetschen. 137 

quader. Bei der Zerstörung dieses Sandsteines macht 
die Erosion wesentlich ihre Fortschritte längs der 
senkrechten Klüfte und der annähernd horizontal ver- 
laufenden Schichtfugen. Da die unmittelbar über dem 
Boden oder dem Oberrand der Schutthalden gelegenen 
Schichtfugen ganz besonders stark von der Erosion 
ausgenagt werden, wie wir an den im ganzen Sand- 
steingebiet so häufigen Ueberhängen sehen können , so 
kommt es schliesslich zu einem Unterminiren und 
Umlegen ganzer Felswände, die hierauf weiterhin 
zerkleinert und in Sand verwandelt werden. Der 
sandige Schutt wird mit Leichtigkeit von dem Regen- 
wasser thalabwärts geschlämmt. Diese Vorgänge sind 
dann die Ursache, dass die Gebiete des Labiatusquaders, 
wie auch des Brongniartiquaders, allenthalben mit 
felsigen Terrainstufen beginnen. Dahingegen wird 
der Verwitterungsdetritus der zwar weicheren aber 
viele zähe, thonige Bestandteile enthaltenden ceno- 
manen Schichten nicht so schnell vom fliessenden 
Wasser hinweggenommen. Die Carinatenstufe bildet 
in Folge dessen am Fusse der senkrechten oder steilen 
Labiatusquaderwände sanft abgeböschte Vorterrassen. 
Im Süden von den zuletzt genannten Dörfern streichen 
die Carinatensandsteine auch in grösseren unbedeckten 
Arealen zu Tage aus. Die fein poröse Beschaffen- 
heit dieser Sandsteine lässt vermuthen, dass sie vor 
ihrer jetzt schon weit vorgeschrittenen Verwitterung 



l 



138 XIII. Von Gottleuba über Tyssa nach Tetschen. 

neben dem thonigen auch ein kalkiges, jetzt völlig 
ausgelaugtes Bindemittel besassen. Zuweilen enthalten 
sie auch Glaukonit. Ausserdem sind sie reich an 
organischen Resten. Besonders lohnt das Absuchen 
der Lesesteinhaufen auf den Grundstücken bei den 
südöstlichsten Häusern von Raitza. Hier findet man 
besonders häufig die folgenden Arten: 

Ostrea carinata Lam., 

Exogyra columba Lam., 

Frotocardium hillanum Sow., 

Turritella granulata Sow. 
Hierauf gewinnen wir die nach S. führende Strasse, 
die uns durch ein von cenomanem Sandstein gebildetes 
Terrain nach Tyssa bringt. Der obere Theil dieses 
Ortes ist auf dem sanft nach S. abgeböschten Ausstriche 
der Carinatenschichten erbaut, die unteren Häuser 
dagegen stehen bereits auf Gneiss. Die Carinaten- 
sandsteine sind auch hier reich an Versteinerungen. 
Man sammelt deren am vortheilhaftesten am Ostende 
des Ortes auf den Lesesteinhaufen, die am oberen 
Ende eines nach SW. hinabführenden Thälchens auf- 
geschichtet sind. Manche Platten wimmeln von Stein- 
kernen namentlich der schon von Raitza angeführten 
Arten. Im ganzen sind gegen 30 Spezies von Tyssa 
bekannt geworden. 

Aus einem der dortigen Gasthäuser nehmen wir 
einen Knaben als Führer durch die sogenannten Tyssaer 



XHI. Von Gottleuba über Tyssa nach Tetschen. 139 

Wände mit, die wir in der Richtung von W. nach 0. 
durchschreiten. Sie stellen ein merkwürdiges Felsen- 
labyrinth dar, dessen Südgrenze als geradlinig ver- 
laufende senkrechte Wand von Labiatusquader gebildet 
wird. Hat man in diese natürliche Mauer, die sich 
in bedeutender Höhe oberhalb des Ortes erhebt, durch 
eine Scharte Eingang gefunden, so trifft man dahinter 
ein Gewirr von grotesken Felsbildungen an, die sich 
um ein nach NW. hin ausmündendes weites Circus- 
thal gruppiren. Durch den verhältnissmässig schmalen 
Ausweg dieses Kessels ist der gesammte Detritus, 
den die grossartige Zerstörungsarbeit der Verwitterung 
hier geliefert haben muss, thalab befördert worden. Der 
östliche Flügel dieser halbkreisförmig angeordneten 
Felsenmassen hängt durch ein schmales Joch mit dem 
geschlossenen Plateau von Labiatusquader zusammen, 
das mit sanfter nordwärts gerichteter Neigung, sonst 
aber ganz ebener Oberfläche nach dem Hohen Schnee- 
berg hin sich ausdehnt. Die Tyssaer Wände eignen 
sich wie kein anderes Terrain zum Studium der sonder- 
baren Erosionsformen im Quadergebiet. Schon auf 
den ersten Blick gewahren wir, dass diese Formen 
bei aller ihrer Mannichfaltigkeit doch immer durch den 
Verlauf der Klüfte bedingt sind. Diese bilden hier, 
wie im ganzen weiten Sandsteingebiet von hier bis 
Pirna, Hohnstein und Schandau zwei Systeme: die 
einen streichen nach N. 60 — 75° W., die anderen 



140 XTTT. Von Gottleaba über Tyssa nach Tetschen. 

nach N. 15 — 30° 0. Beide weichen dabei nur un- 
bedeutend von der Senkrechten ab. Ausser diesen 
Hauptklüften aber machen sich an unserem Standorte 
nach OW. streichende kleinere und minder scharfe 
Sprünge bemerkbar, die unter 45 — 75 ° nach N. fallen. 
Sie deuten die beginnende Zerrüttung der Quader- 
schichten in der Nähe der nordböhmischen Bruchzone 
an, die südlich von Tyssa vorüberzieht. Jene Haupt- 
klüfte sind überall von der Verwitterung erweitert, 
und die Felsmassen hierdurch förmlich in Säulen zer- 
legt worden, die dann wieder in Felsgestalten von 
grossartiger Mannigfaltigkeit umgeformt werden. Auch 
die horizontalen Schichtfugen sind erweitert worden 
und haben Ueberhänge geliefert, die oft von sanduhr- 
artigen Pfeilern gestützt werden oder zu Höhlen ver- 
tieft sind. Selbst pilzförmige Felsen können durch 
besonders energische Verwitterungsarbeit an einzelnen 
nahe am Boden gelegenen Fugen aus einem Felspfeiler 
heraus modellirt werden. Einen solchen Pilzfelsen 
werden wir später kurz vor dem Ausgang aus den 
Wänden antreffen. Überall macht sich eine narbig - 
zellige Structur der Oberfläche der Felsen bemerkbar, 
die in besonders starkem Hochrelief auf den vor auf- 
fallendem Regen geschützten Unterseiten massig 
tiefer Ueberhänge entwickelt zu sein pflegt. Nicht 
selten ist an den angewitterten Flächen auch eine 
äusserst regelmässige Kreuzschichtung des Sandsteines. 



XIII. Von Gottlenba über Tyssa nach Tetschen. 141 

zum Yorschein gekommen. Diese kleinen zu den 
eigentlichen horizontalen Linien der Schichtung dis- 
cordanten Parallellagen fallen sämmtlich nach WNW. 
bis NW, ein. 

Auf vielfach gewundenen Pfaden verlässt man 
das Felsenlabyrinth und gelangt auf die Strasse nach 
dem Dorfe Schneeberg. Diese führt uns über das 
vorhin erwähnte Plateau von Labiatusquader, das 
durch seine ausserordentlich ebene Oberfläche uns 
auffällt. Obwohl von dieser Labiatusplatte früher 
durch die Denudation die gesammte Schichtenfolge 
der Brongniartistufe entfernt worden ist, unterbricht 
keine Klippe, keine Blockanhäufung die tischglatte, 
kaum merklich geneigte Fläche, die nach S. hin mit 
einer hohen Steilwand abbricht. 

Beim Verlassen des Waldes sehen wir das Dorf 
Schneeberg vor uns liegen und dahinter den Hohen 
Schneeberg sich erheben. Schon im Dorfe selbst 
finden wir dem Labiatusquader das unterste Glied der 
Brongniartistufe, einen Glaukonit führenden Sandstein 
mit Rhynchonella bohemica Sehlönb. aufgelagert. "Wir 
sammeln dieses Petrefact am besten oberhalb der 
östlichsten Häuser des Ortes. Ueber dem Rhynchonellen- 
sandstein folgt Brongniartipläner, dessen rings um den 
Hohen Schneeberg herumlaufender Ausstrich durch 
zahlreiche Quellen markirt ist. Zuoberst liegt der 
Brongniartiquader, ein mittel- bis grobkörniger Sand- 



142 XIII. Von Gottleuba über Tyssa nach Tet sehen. 

stein. Er ist an Versteinerungen arm. Am ehesten 
findet man in ihm noch eine Lima canalifera Ooldf. 
oder die nicht leitende Exogyra columba Lam. Aus 
diesem Gestein besteht der oberste tafelförmige, fast 
nach allen Seiten in Steilwänden abbrechende Theil 
des Berges. 

Oben lohnt den Aufstieg eine herrliche Kundsicht. 
In geologischer Hinsicht achte man hierbei namentlich 
auf folgendes: Während der Blick nach N. hin über 
die einförmigen elbwärts geneigten Hochflächen der 
Sächsischen Schweiz schweift und nur hier und da 
durch einen das allgemeine Niveau überragenden Tafel- 
berg von Brongniartiquader aufgehalten wird, dehnt 
sich nach S. hin das böhmische Mittelgebirge mit 
zahlreichen oft dicht gescharten vulkanischen Berg- 
kegeln aus. Die Bruchzone, die beide landschaftlich 
so verschiedenartig ausgeprägte Gebiete von einander 
trennt, markirt sich trotz dieser Gegensätze hier in- 
dessen lange nicht so deutlich, wie etwa in der Gegend 
des Mückenthürmchens oder noch mehr nach SW. 
hin. "Wie namentlich ein Blick nach 0. hin auf die 
jenseits der Elbe gelegenen Höhen lehrt, zeichnet 
sich dort das südlich von jener Bruchzone gelegene 
Gebiet keineswegs durch eine viel geringere relative 
Höhe vor den nördlich sich ausdehnenden Hochflächen 
aus. Wir sehen vielmehr, wie dort dem eigentlichen 
Plateau der Sächsisch -Böhmischen Schweiz noch das 



XIII. Von Gottleuba über Tyssa nach Tetschen. 143 

Plateau des Poppenberges, Falkenberges und Spitz- 
berges bei BirMgt vorgelagert ist, das zwar schon 
südlieh der Hauptbrüche liegt, aber die noch nicht 
dislocirte Labiatusquaderplatte am Rosenkamm an 
Höhe sogar überragt. Noch weiter nach S. hin, 
südlich vom tiefen Einschnitt des Polzenflusses erheben 
sich weitere derartige Hochflächen. Die dort gelegene 
weithin sichtbare Kirche von Reichen zum Beispiel 
liegt 609 m hoch. Das gesunkene Gebiet stellt 
darum topographisch hier durchaus keine Einsenkung 
dar, und die Denudation hat hier noch nicht das Tertiär 
und die obersten Kreidestufen abtragen können, wie 
nördlich der Bruchzone. Interessant ist auch der 
Blick nach ONO. , NO. und NNO. Wir erkennen hier 
nach einander eine Anzahl von ziemlich ebenen Hoch- 
flächen bei Binsdorf, Eibleiten, Jonsdorf, Stimmers- 
dorf, Reinhardtsdorf, Ostrau und Rathmannsdorf , die 
zwar jetzt durch tiefe Thaleinschnitte von einander 
getrennt sind, aber in altdiluvialer Zeit einen zu- 
sammenhängenden Thalzug der Elbe darstellten. Die 
Einheitlichkeit dieser Denudationsflächen und ihr 
Charakter als ein unter etwa 2° geneigter alter, jetzt 
hochgelegener Eibthalboden lässt sich von unserem 
Standpunkte aus sehr überzeugend demonstriren. Den 
Hochflächen aufgesetzt ist der prächtige Kegel des 
Rosenberges, ein Zeuge der grossartigen, in der Haupt- 
sache vordiluvialen oder altdiluvialen Denudation, 



144 XIII. Von Gottlenba über Tyssa nach Tetschen. 

denn bis zu 560 m. hinauf besteht er aus horizontalen 
Sandsteinschichten, nur die 620 m. hohe Gipfelpartie 
ist basaltisch. 

Zum Abstieg nach Tetschen wählen wir den zugleich 
kürzesten und durch "Wegweiser gut markirten Weg 
über Neudorf, Tscheche und RothbeTg. Schon bei 
Neudorf überschreiten wir einige der hier indessen 
bei flüchtiger Wanderung kaum nachweisbaren Bruch- 
linien. Yon Tscheche ab folgen wir dagegen einem 
deutlichen zwischen zwei nach WNW. streichenden 
Parallelverwerfungen eingesenkten DislocationsthaL 
Die beiden Gehänge im N. und S. bestehen aus grob- 
körnigem Brongniartiquader, der Thalboden aus einem 
Mergel, der bereits der nächst höheren Stufe der 
Scaphiten angehört. An der Theresienmühle, wo 
wir das Bielathal kreuzen, können wir in einem 
Steinbruch unter einer Lehmdecke diese Mergel oder 
weichen Pläner dem unter 15° nach SSO. geneigten 
Brongniartiquader aufgelagert sehen. Hier lieferten 
sie auch Scaphites auritus SchlÖnb. Die nördliche 
der beiden diesen Graben von Tscheche begrenzenden 
Bruchzonen macht sich an der Felswand hinter den 
Häusern an der Strasse nördlich vom Steinbruch durch 
aussergewöhnliche Zerklüftung und Zerrüttung be- 
merklich. Wie uns wenige Schritte thalauf- und 
thalabwärts von der Mühle erkennen lassen, besitzen 
auch die nach N. und S. angrenzenden Gebirgsstreifen 



£111. Von Gottleuba über Tyssa nach Tetschen. 145 



, nicht mehr horizontale Lagerung, sondern sind beim 
! Absinken zugleich aufgerichtet worden. Sie fallen 

r 

nach S. ein. Die Grabenversenkung von Tscheche 
setzt sich nach Ost hin bis zur Elbe fort und Rothberg, 
durch das unser Weg uns führt, liegt innerhalb dieses 
eingesunkenen Streifens von ScaphitenmergeL Am 
Eibufer angelangt, haben wir an der Felswand nördlich 
von der Kettenbrücke dicht unterhalb der Mündung 
des Rothberger Dislocationsthales Gelegenheit, auch 
hier die starke Zerrüttung festzustellen. Die Bankung 
des Sandsteines ist durch zahlreiche Klüfte und längst 
dieser erfolgte Verschiebungen liier vollkommen ver- 
wischt. Die meisten der Spalten streichen nach N. 
60 — 90° 0. mit einem Einfallen von 65 — 85° nach 
NNW., während andere nach WNW\ verlaufen und 
unter 80 ° nach SSW. einfallen. Fast alle führen einen 
Belag von Baryt. 

Yon der Brücke aus, die wir nun überschreiten, 
fällt der Blick auf die aus Brongniartiquader bestehende 
j Schäferwand, deren Bänke, wie die des gegenüber 
I liegenden Tetschener Schlossfelsens unter 15 — 20° 
nach S. fallen. Gehen wir drüben am Eibufer ab- 
wärts, so schauen wir bald in ein zweites von WWW, 
her in das Eibthal mündendes schmales Dislocations- 
thal hinein, worin der Ort Peiperz und weiter oben 
Kalmswiese gelegen ist. Nördlich von Peiperz folgen 
Sandsteinschollen in höherem tektonischen Niveau, 

Beck, Geologischer Wegweiser. 10 



146 XIII. Von Gottleuba über Tyssa nach Tetschen. 

und es taucht nun die Labiatusstufe, ja bei Mittel- 
grund sogar die Carinatenstufe auf. Hierüber wird 
uns die folgende Exeursion noch Belehrung bringen. 
Die Stadt Tetschen, in der wir die Wanderung 
beschliessen , steht zum Theil auf Mergel der höchsten 
hier überhaupt bekannten Kreidestufe , der des Inoce- 
ramvs Ouvieri Sow. Wir befinden uns demnach hier 
am rechten Eibufer in einem Gebiet besonders tiefer 
Versenkung, die längs einer nördlich von der Stadt 
am Südfusse des Quaderberges hinziehenden Haupt- 
bruchlinie erfolgt ist. Der Quaderberg selbst ist aus 
Brongniartiquader aufgebaut mit südwärts geneigten 
Bänken. Das kleine Plateau mit der Bohemia dagegen, 
das wir jetzt aufsuchen, besteht noch aus Labiatus- 
quader. Eine NO. streichende Transversalverwerfung 
scheidet beide verschieden tief hinabgezogene Schollen. 
Yon der Bohemia aus gemessen wir den Blick nach 
N. zu in das herrliche Durchbruchsthal der Elbe. 
Der Eosenkamm, der den Abschluss dieses grossartigen 
Landschaftsbildes macht, liegt bereits nördlich von 
dem nördlichsten Bruch der Verwerfungszone. Wer 
längere Zeit in Tetschen zur Verfügung hat, wird 
endlich nicht versäumen, den Quaderberg selbst zu 
besteigen. Man hat von dort eine äusserst instructive 
Aussicht auf das Schneeberggebiet und die beiden 
vorhin berührten Dislocationsthäler von Rothberg - 
Tscheche und Peiperz -Kalmswiese. Der ganze Me- 



XIII. Von Gottleuba über Tyssa nach Tetschen. 147 

chanismus des Gebirgsabbruches wird hier geradezu 
greifbar deutlich. Scharf heben sich die gesunkenen 
und dabei aus ihrer horizontalen Lage gebrachten 
Schollen von dem noch unbeeinflussten Schneeberg- 
plateau ab, und wieder ein ganz anderes Bild ge- 
währen die vulkanischen Bergkuppen noch weiter im 
Süden des Bruchgebietes. 



10 1 



148 



XTV. Von Tetschen am rechten Eibufer abwärts 




XIY. 

Von- Tetschen am rechten Eibufer abwärts 

bis Herrnskretschen. 

iese einen halben Tag erfordernde Tour gilt 
dem Durchbruchsthal der Elbe und den 
hier unter der Quadersandsteindecke bloss 
gelegten älteren Gebirgsmassen. 

An dem schon bei der vorigen Excursion be- 
rührten Aussichtspunkt mit dem Standbild der Bo- 
hemia vorüber führt uns ein Promenadenweg zunächst 
nach Laube. Wir bewundern schon hier die gross- 
artigen Dimensionen des von uns zu durchschreitenden 
Thaies, dessen Wände sich um 150 — 300 m über 
dem Spiegel des Stromes erheben. Dabei sind die 
Thalränder einander sehr genähert. Am Rosenkamm 
zum Beispiel, jener vor uns aufstrebenden, alle an- 
deren überragenden Felswand beträgt ihre Entfernung 
nur 1,5 km. Zunächst vom Ufer aus steigen mit 
Blockwerk überschüttete Steilgehänge an, weit oben 
erst gewahrt man senkrechte Sandsteinwände. 

Bei normalen Lagerungsverhältnissen würden 
wir hier bei Laube bis hinauf an den obersten Thal- 
rand Granit oder Schiefer anstehen sehen müssen, 
die wir bei Rasseln später kennen lernen werden. 



bis Herrnskretschen. 140 



Es wäre dies eine nothwendige Folge des nach S. 
zu ganz gleichmässigen Ansteigens der Auflagerungs- 
fläche der oberen Kreidef ormation , wie es uns bei 
früheren Excursionen in der Gegend von Dohna und 
Berggiesshübel bekannt geworden ist. Nun sind aber 
längs einer Anzahl meist OW. streichender Parallel- 
brüche mehrere langgestreckte Streifen des hier ge- 
legenen Gebirges eingesunken. Wir hatten bereits auf 
der vorigen Excursion Gelegenheit, solche gesunkene 
Schollen kennen zu lernen. "Wir fanden schon damals 
die auch für diesen Theil des Elbthales giltige Kegel, 
dass im allgemeinen jede nach S. zu folgende Zone 
etwas tiefer hinabgezogen worden ist, als die nördlich 
anstossende. Diesem staffeiförmigen Abbruch ist 
nicht|nur die Kreide, sondern auch das Grundgebirge 
anheim gefallen. "Wir sehen daher hier zwischen 
Tetschen und Laube bis zum Eibufer herab Quader- 
sandstein anstehen. Erst unterhalb von Laube hat 
der Strom unter den Quaderschichten deren Sockel 
blossgelegt, also gleichsam den Kamm des älteren 
Gebirges angeschnitten. Bei den letzten Häusern 
der genannten Ortschaft verrathen Bruchstücke und 
Verwitterungsschutt den Ausstrich von Grauwacken- 
schiefer und Diabasschiefer. Auch haben sich Spuren 
von krystallinem Kalkstein gezeigt. 

Wir steigen von hier durch die Gärten hinauf 
zu dem am unteren Gehänge hinführenden Prome- 



150 XIV. Von Tetschen am rechten Eibufer abwärts 

nadenwege, dem wir nach N. hin folgen. An den 
Böschungen sehen wir bald gneissähnliche Sericit- 
gesteine anstehen, die durch starken Gebirgsdruck aus 
Granit hervorgegangen sind. Diese kleinen Stöcke 
von dynamometamorphem Granit sind die Yorläufer 
des weiter thalab erst folgenden Lausitzer Granit- 
massives. Weiter nördlich stösst dieser gequetschte 
Granit an Thonschiefer imd Grauwackenschiefer von 
palaezoischem Alter. Bei unausgesetzter Musterung 
der Böschungen wird uns auch ein diese Schiefer 
durchsetzender Lamprophyrgang nicht entgehen. 

Die schon erwähnte grösste Erhebung des Thal- 
randes in dieser Gegend, der Rosenkamm gerade vor 
uns, ist zugleich die Marke für die Nordgrenze der 
Bruchzone. Dicht südlich vom Rosenkamm zieht die 
nördlichste Verwerfungsspalte vorüber. "Weiter nach 
N. hin folgt nun ungestörtes Gebirge. Yon hier an 
senkt sich in Folge dessen ganz gleichmässig die Auf- 
lagerungsflache der Kreide desto weiter herab, je 
weiter wir uns nach N. hin bewegen. Am Rosenkamm 
liegt sie noch in 340 m Höhe. Auf dem Schiefer 
folgt hier zunächst die Carinatenstuf e , die fast nur 
aus feinkörnigen Sandsteinen besteht, darüber der 
Quadersandstein mit Inoceramus labiatus Schloth. 
Weiter nördlich entwickeln sich in dem untersten 
Niveau der Carinatenstuf e Grundconglomerate und 
grobkörnige Sandsteine. Das Relief der Thalwände 



bis Herrnskretschen. 151 



finden wir dort ständig, wie folgt, ausgeprägt: Auf 
die steile, mit besonders üppigem Laubwald bestandene 
Böschung des Schieferausstriches folgt zunächst als 
ein sehr steiler Hang oder eine senkrechte Wand 
jener grobkörnige Sandstein, darüber als nur flache 
Böschung, auf der viele Quellen austreten, der fein- 
körnige Carinatenquader. Noch höher wird der Hang 
wieder steiler und ist besonders stark mit Blockwerk 
überrollt, das den nun aufgelagerten und endlich als 
senkrechte Wand frei aufsteigenden Labiatusquader 
zunächst verhüllt. Wir haben also auch hier, wie im 
Gottleubathal (ä. 101) eine strenge Abhängigkeit des 
Reliefes der Thalwände von der Gesteinsbeschaffen- 
heit nachweisen können. 

Die Carinatenschichten hier schon oben am Ge- 
hänge aufzusuchen, lohnt nicht, zumal da wir später 
an leichter zu erreichenden Aufschlüssen sie studiren 
können. Wir setzen darum unseren Weg nach N. 
zu fort. 

Schon mehrere Hundert Schritte bevor wir Rasseln 
erreichen, fällt uns eine Veränderung in der Beschaffen- 
heit des Thonschiefers und Grauwackenschiefers auf. 
Es zeigen sich nämlich auf den Schichtflächen ver- 
waschen erscheinende Flecken, noch weiter nach N. 
hin an deren Stelle schärfer umrandete Knötchen. Zu- 
gleich verräth schon der vermehrte Glanz hier eine 
mehr krystalline Ausbildung des Gesteins, besonders 



152 XIV. Von Tetschen am rechten Eltrafer abwärts 

veranlasst durch, das Auftreten zahlloser winziger Biotit- 
Schüppchen und durch eine grössere Entwicklung der 
Quarzkörnchen. Endlich, bei Easseln selbst, ist an 
die Stelle der Schiefer ein durchaus krystalliner Horn- 
fels getreten, der aus Quarz, Biotit und untergeord- 
netem Cordierit zusammengesetzt ist. Diese Metamor- 
phose ist verursacht durch das Lausitzer Granitmassiv, 
dessen Südgrenze wir nach ein paar Hundert Schritten 
nördlich von Hasseln erreichen. Schon vorher, dicht 
hinter der Ortschaft, passiren wir ein paar der Haupt- 
masse parallel verlaufende kleinere Intrusivkörper des 
granitischen Gesteins. 

Den frischen Granit treffen wir am besten in den 
weiter stromab gelegenen Steinbrüchen, an denen der 
Weg vorüber führt, an. An einem Felsen am "Wege 
nahe an der Mündung des Studenbachthales entgeht 
uns bei einiger Aufmerksamkeit nicht ein interessanter 
kleiner Gang von feinkörnigem Granit oder Aplit, der 
das Hauptgestein durchsetzt und längs flach geneigten 
Parallelklüften mehrmals eine treppenförmige Ver- 
werfung erlitten hat. 

Wenn wir am Studenbach auf eine kleine Strecke 
hin den Weg verlassen und etwas weiter oben am 
Gehänge hingehen, so erreichen wir bald den Ausstrich 
der Carinatenstuf e , deren Gestein hier ansteht. Die 
an der Basis entwickelten Conglomerate enthalten in 
einem festen sandig -thonigen oder eisenschüssigen 



bis Herrn skretschen. 153 



Bindemittel erbsen- bis nussgrosse Quarzgerölle. In 
den darüber folgenden Sandsteinen gelingt es bis- 
weilen Steinkerne von Ostrea carinata Lam., Proto- 
cardium hillanum Sow. u. a. aufzufinden. Gegenüber 
von Niedergrund ist die Carinatenstufe bis zur Thal- 
sohle selbst herabgestiegen, und zugleich liegt auch 
der Fuss der senkrechten Labiatuswand hier schon in 
weit tieferem Niveau über dem Strom. Gegenüber 
den am weitesten stromabwärts gelegenen Häusern 
von Medergrund tauchen die Carinatensandsteine 
völlig unter die Thalsohle unter. Unterhalb der ein- 
zelnen hier am rechten Ufer gelegenen Häuser tritt 
eine Quelle aus, die uns die obere Grenze des durch 
seinen Thongehalt schwer durchlässigen Gesteines 
markirt. Dasselbe gilt für die Quelle nahe der Ein- 
mündung des Dürrkamnitzthales. Folgen wir der Dürr- 
kamnitz einige Schritte aufwärts bis oberhalb der 
Mühle, so gewahren wir in Sandsteinblöcken des 
meist fast trockenen Bachbettes schöne Strudellöcher. 
"Wenn wir hier und auf unserem weiteren Weg 
an der Elbe hin nach Herrnskretschen auf die zahl- 
reichen senkrechten oder nahezu senkrechten Klüfte 
achten, finden wir auch hier, wie bei unserer vorigen 
Excursion bei Tyssa (S. 139), eine grosse Regelmässig- 
keit in deren Verlauf. Doch ist die Orientirung hier 
eine andere, wie in jenem Gebiet. Das eine System 
ist nach ONO. gerichtet und wird geschnitten durch 



154 XIV. Von Tetschen am rechten Eibufer abwärts 

ein zweites nach WNW., minder häufig auch durch 
Spalten nach NW. bis NNW. 

Schon von der Dürrkamnitz an, besonders schön 
aber im Orte Herrnskretschen, den wir bald erreichen, 
finden wir im Labiatusquader, dessen Steilwand sich 
hier unmittelbar am Strome erhebt, eine sehr deutliche 
Kreuzsehichtung entwickelt. Besonders an ange- 
witterten Wänden, wie an denen am Holzlagerplatz 
im unteren Dorftheile, tritt sie sehr auffällig hervor. 
Das Einfallen der kleinen diagonalen Schichten ist 
auch hier, wie bei Tyssa (S. 141) es war, nach W. 
bis NW. gerichtet. 

Für Sammler von Petrefacten bietet sich am 
gegenüberliegenden Eibufer in den sogenannten Teich- 
steinbrüchen oberhalb der Haltestelle Schöna eine 
Ausbeute an Steinkernen von Inoceramus labiatus 
Schloth., während die Brüche im nahen Schönaer 
Grund oberhalb der Hirschmühle gemäss ihrer höheren 
geologischen Stellung Inoceramus Brongniarii Sow. 
liefern. 

Yon der Haltestelle Schöna aus kann die Heim- 
fahrt nach Dresden angetreten werden. Yiele werden 
dagegen von Herrnskretschen aus die allgemein be- 
liebte Boute nach dem Prebischthor, dem Grossen 
Winterberg und dem Kuhstall einschlagen. Man hat 
auf dieser ausreichende Gelegenheit, die Erosionsvor- 
gänge im Quadersandsteingebiet im Grossen und 



bis Herrnskretschen. 155 



Kleinen zu studiren. Eines geologischen Wegweisers 
wird man jedoch hierbei kaum bedürfen. Man ver- 
säume dabei nicht, den säulenförmig abgesonderten 
Basaltgang zu beachten, der mit dem Streichen nach 
NNO. den eigentlichen Kamm des Grossen "Winter- 
berges bildet. Auf dem Gipfel des Kleinen Winter- 
berges wird man dem in derselben Richtung streichen- 
den Gang von Glasbasalt nachgehen, auch wohl den 
Steinbruch in einem anderen Glasbasalt besuchen, 
der den höchsten Theil des Hausberges nordöstlich 
vom Kuhstall ausmacht und interessante Einschlüsse 
von Sandstein und Granit enthält. Auf dem Wege 
vom Kuhstall durch das Kirnitzschthal nach Schandau 
streift man endlich zwischen dem Kirnitzschberg und 
der Ostrauer Mühle das Gebiet des Lausitzer Granites 
und erinnert, sich, dass dieser hier in derselben Weise 
über den Quadersandstein geschoben ist, wie bei 
Weinböhla (S. 56) der Syenit über den Pläner. Die 
Kutschflächen im Sandstein und die mechanischen 
Deformationen des Granites nahe der Ueberschiebungs- 
grenze werden keinem aufmerksamen Beobachter ent- 
gehen. 



4> » 



Sachregister. 



Achat 123. 

Acanthoceras Woolgari 29. 
33. A. Austern 33. 

Adular 68. 

Amethyst 123. 

Ammonites peramplus 17. 

Amphibolitisirung 50. 108. 
119. 130. 

A ndalusitglim merfels 87 . 1 1 1 . 
132. 

Andalusit 73. 

Anthophyllitschiefer 50. 

AragODit 8. 

Artesische Bohrung 31. 

Apatit 7. 8. 68. 

Augit 86. 

Augit - Hornblendeschiefer 
108. 

Augengneiss 41. 

Baryt 68. 145. 
Basalt 80. 95. 106. 155. 
Biotitgneiss 83. 111. 
Bildhauersandstein 98. 
Branchiosaurus 22. 
Breccientuff 21. 
Brecciengänge 6. 



Brongniartipläner 56. 101. 
141. 

Brongniartiquader 101. 141. 

Bruchzone, nordböhmische 
142. 149. 

Biyozoen 14. 

Carinatenpläner 2. 11. 12. 
31. 32. 71. 90. 92. 98. 

Carinatenquader 10. 31. 92. 
96. 137. 150. 

Cambrium 81. 84. 125. 

Chalcedon 124. 

Chlorit 8. 

Chloritischer Hornblende- 
schiefer 125. 

Chloritgneiss 80. 82. 84. 
111. 125. 

Cerithium 14. 

Cidaris Sorigneti 14. 97. 113. 

Cidaris vesiculosa 14. 

Cordierit 73. 76. 85. 

Crednerienstufe 97. 

Cuvierimergel 146. 

Bejectionsgänge 5. 12. 

Diabas 81. 126. D. amphi- 
bolitisirt 119. 131. 



Sachregister. 



157 



Diabastuff 50. 79. 84. 108. 

116. 
Dichter Gneiss 114. 

Diluvialkies 95. 122. 
Dislocationsthal 144. 
Dünen 61. 64. 
Dynamometamorphismus 64. 
66. 

Eisenspath 8. 
Eisenerze 108. 
Epidot 8. 

Erosionserscheinungen 140. 
154. 

Exogyra columba 11. 24. 96. 
99. 138. 142. 

Exogyra sigmoidea 13. 

Exogyra lateralis 14. 

Fleckschiefer 112. 
Flussschotter 51. 71. 85. 
Flussspath 112. 
Flugsand 61. 

Geschiebemergel 17. 

Gehängelehm 122. 

Glaukonit 100. 138. 

Glimmerporphyrit 48. 66. 

Glimmersyenit 90. 

Glimmerdiorit 121. 

Gneiss 34. 41. 55. 83. 124. 
138. 

Granophyr 41. 44. 

Granat 86. 108. 



Granatfels 108. 
Granit 93. 

Granitit 64. 66. 71. 89. 92. 

96. 107. 121. 134. 152. 

155. 
Grabenverwerfung 145. 

Grauwacke, kry stalline 72. 

120. 130. 
Grauwackenschief er 149.151. 
Graphitquarzit 74. 76. 77. 
Graptolithen 78. 
Grünsandstein 41. 58. 95. 

100. 141. 

Haifische 14. 

Haidesand 16. 52. 55. 60. 

Hornblendeschiefer 50. 108. 

130. 
Hornblendeporphyrit 9. 54. 
Hornblendegranitit 86. 

Hornfels 72. 85. 89. 120. 
132. 

Hornsteinkugeln 47. 

Jaspis 124. 

Inoceramus Brongniarti 17. 

57. 100. 122. 154. 
Inoceramus Cuvieri 146. 
Inoceramus labiatus 2. 29. 

57. 98. 154. 
Iuoceramus striatus 24. 

Kalkspath 8. 68. 79. 

Kalkstein 22. 50. 85. 108. 
116. 117. 119. 127. 149. 



158 



Sachregister. 



Kalkgrau wacke 129, 

Kalksilicathornfels 86. 

Kantengeschiebe 104. 

Kersantit 79. 92. 

Kieselschiefer 74. 78. 85. 
117. 128. 

Klüftung 139. 153. 

Knotenschiefer 85. 117. 128. 

Knotenglimmerschiefer 72. 
87. 120. 132. 

Kupfer, gediegen 7. 

Kupfererze 8. 109. 

Kupferkies 68. 109. 

Labiatusquader 98. 107. 135. 
137. 150. 

Labiatuspläner 2. 29. 57. 93. 

Laumontit 8. 68. 

Lausitzer Hauptverwerfung 
2. 15. 53. 68. 

Lamprophyr 42. 44. 150. 

Lima canalifera 102. 142. 

Lösssand 54. 

Lössartiger Lehm 28. 71. 

Lydit 129. 

Malakon 8. 

Marmor 79. 86. 

Magneteisenerz 108. 

Mergel 18. 101. 103. 

Micraster cor testudinarium 
18. 57. 

Molybdänglanz 112. 

Muscovitgneiss 113. 136. 



[Nautilus sublaevigatus 2. 33. 
Nerinea Geinitzi 11. 

Oltersteine 63. 

Orthit 8. 

Ostrea carinata 2. 13. 24. 96. 
107. 134. 136. 138. 153. 

Ostrea diluviana 13. 

Ostrea hippopodium 13. 

Oxyrrhina angustidens 14. 

Oxyrrhina Mantelli 57. 

Pachydiscus peramplus 57. 

Pechstein 47. 

Pectunculus obsoletus 11. 

Phillipsit 8. 

Phyllit 80. 82. 84. 125. 

Pistazit 8. 

Pinna 99. 

Pläner 2. 32. 36. 56. 

Plänersandstein 32. 

Pleurotomaria 14. 

Porphyrit 19. 20. 33. 48. 

Porphyrbreccie 23. 

Porphyrconglomerat 74. 

Protocardium hillanum 138. 
153. 

Psilomelan 136. 

Ptychodus mammillaris 57. 

Quellkuppe 91. 

Quarzporphyr 23. 27. 37. 
43. 46. 87. 90. 109. 
114. 126. 



Sachregister. 



159 



Quarzbiotitschiefer 51. 

Quarzglimmerfels 67. 89. 

Quarzglimmerdiorit 77. 

Quarzaugitdiorit 77. 

Quarzit 84. 115. 120. 128. 
133. 

Quarzitschiefer, feldspath- 
reicher 113. 

Radiolites Germari 11. 

Reibungsbreccie 5. 126. 

Khynchonella bohemica 100. 
122. 141. 

Khynchonella plicatilis 57. 

Rothliegendes 21. 25. 30. 
73. 78. 

Kother Ochse 19. 

Scaphites auritus 103. 144. 

Scaphites Geinitzi 18. 57. 
103. 

Scheelit 8. 

Schieferletten 21. 

Schwefelkies 119. 

Silur 20. 84. 127. 

Sillimanit 75. 

Serpula gordialis 24. 

Spondylus striatus 11. 14. 

Spondylus spinosus 17. 

Stalactiten 51. 

Stilpsnosiderit 136. 

Syenit 1.32. 33. 36. 41. 62. 75. 



Syenitgranit 42. 
Syenitconglomerate 10. 12. 

Terebratula biplicata 2. 
Terebratula semiglobosa 17. 

57. 
Terebratula striatula 17. 
Terebratulina gracilis 18. 57. 
Tertiär 63. 
Titanit 7. 8. 86. 
Titaneisenerz 8. 
Thonschiefer 81. 151. 
Thonstein 21. 74. 78. 
Thallehm 70. 
Topas 112. 
Tonalit 77. 
Turmalin 8. 68. 112. 
Turmalingranit 112. 115. 135. 

136. 
Turritella granulata 11. 138. 

Vola aequicostata 24. 
Vola notabilis 31. 
Vola quadricostata 102. 

Wasserführende Schichten 
10. 104. 

'Weisseritzschotter 12. 16. 

Zinkblende 109. 112. 
Zinnstein 112. 
Zwitterbänder 112. 



I 

K 



Ortsregister. 



Altcoschütz 9. 

Begerburg 8. 
Berggiesshübel 108. 
Biensdorf 127. 
Binsdorf 143. 
Bielathal 144. 
Blauberg 74. 
Borna 117. 
Bornmühle 116. 
Briessnitz 40. 

Colin 41. 

Cossebaude 34. 35. 
Cotta 32. 

Cottaer Spitzberg 106. 
Copitz 94. 104. 

Döltzschen 7. 
Dohna 90. 
Dobritz 48. 
Dohma 97. 
Dresden 1. 31. 59. 
Dürrkamnitz 153. 

Eichberg 20. 
Elbleiten 143. 



Eulmühle 134. 
Friedensburg 53. 

Garsebach 49. 
Gauernitz 35. 
Geyersberg 128. 
Goldene Höhe 25. 
Gottleuba 112. 135. 
Grobem 58. 

Haidemühle 67. 
Häselich 83. 
Hallstein 120. 
Hausberg 155. 
Heidenschanze 9. 10. 
Heller 62. 

Hellendorf 111. 136. 
Herrnskretschen 154. 
Himmelsbusch 54. 
Hoher Stein 12. 13. 14. 
Hummelmühle 73. 

Jonsdorf 143. 

Kanitzberg 129. 
Kalmswiese 145. 



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K 
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E 

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Ortsregistor. 



161 



Kemnitz 29. 
Kirnitzschthal 155. 
Klotzsche 63. 
Kleinborthcn 76. 
Kleinnaundorf 23. 
Knorre 42. 
Kohlberg 94. 
Kötzschenbroda 52. 
Köttewitz 89. 
Kohlenweg 16. 
Korbitz 46. 
Kreischa 78. 
Krietzschwitz 101. 

Laube 148. 

Langenhennersdorf 106. 
Leuben 70. 

Leichengründel 113. 135. 
Liebonecke 34. 
Liebstadt 124. 
Lochmühle 33. 

Markersbach 107. 
Maxen 78. 81. 
Meissen 38. 40. 40. 
Merbitz 31. 
Miltitz 50. 
Mügeln 93. 

Neusörnewitz 57. 
Neundorf 99. 
Neuhof 13(3. 
Neudorf 144. 



Nenntmannsdorf 127. 
Niederwartha 36. 
Niedersedlitz 70. 
Niedergersdorf 116. 

Oberau 58. 
Obervogelgesang 102. 
Oberseidewitz 132. 
Oberschlottwitz 123. 
Ockerwitz 32. 
Omsewitz 32. 
Ostrau 143. 
Ottendorf 109. 

Peiperz 145. 
Peterswaido 136. 
Pirna 94. 105. 
Plauen 1. 

Plauenscher Grund 1. 
Podemus 33. 
Poisenbach 22. 
Potschappel 8. 19. 
Prinzenhöhe 24. 
Priessnitzgrund. 64. 
Preusserschacht 75. 

Raitza 136. 
Rathsbrüche 5. 
Rathmannsdorf 143. 
Rasseln 151. 
Raupschen 91. 
Riesenstein 41. 
Rhänitz 63. 



162 



Ortsregister. 



Rosenberg 143. 
Rosenkamm 146. 151. 
Rothberg 144. 
Rottwerndorf 106. 
Roschs Höhe 113. 

Sattelberg 111. 
Sandmühle 116. 
Schlottwitz 123. 
Schänkhübel 63. 
Schneeberg 141. 
Schwarzer Teich 54. 
Spaargebirge 38. 
Spitzberg 111. 
Spitzgrund 55. 
Sobrigau 73. 
Strahlen 18. 
Struppen 102. 
Studenbach 152. 
Stimmersdorf 143. 

Tannen busch 112. 



Tetschen 146. 148. 
Timshübel 41. 
Theresieninühle 144. 
Tscheche 144. 
Tyssa 138. 
Tyssaer Wände 138. 

Vogelgesang 104. 

Weesenstein 85. 
Weinböhla 56. 
Weisstropp 38. 
Winterberg 155. 
Wittgensdorf 78. 

Zehren 44. 
Zeichen 103. 
Zehista 96. 121. 
Zitzschewig 55. 
Zuschendorf 121. 
Zschoner Grund 30. 
Zwiesel 107. 
Zwirtzschkau 134.